Immer mehr Eissalons in der Innenstadt

73 Eissalons in der Innenstadt.
Die Wirtschaftskammer listet derzeit 159 Standorte in der Bundeshauptstadt auf.

Als Wiener hat man in Sachen Gefrorenes die Qual der Wahl: Ganze 159 Eissalons zählt die Bundeshauptstadt im heurigen Sommer (Stand 30. Juni). Verglichen mit vergangenen Jahren bleibt die Zahl der Standorte – abgesehen von leichten Schwankungen – damit konstant, wie ein Blick in die Statistik der Wiener Wirtschaftskammer zeigt. Allerdings: Es gibt eine Tendenz zu innerstädtischen Lagen.

"Vor 20 Jahren mussten alle auf den Stephansplatz, inzwischen gibt es im ersten Bezirk fast schon zu viel Angebot"

"In den letzten zehn Jahren gab es sicher einen Trend in Richtung Zentrum", sagte Branchensprecher Silvio Molin-Pradel im APA-Gespräch. "Vor 20 Jahren mussten alle auf den Stephansplatz, inzwischen gibt es im ersten Bezirk fast schon zu viel Angebot", meint der Kammervertreter, der im Übrigen Inhaber des Eissalons am Schwedenplatz ist. Überhaupt seien richtige "Eismeilen" entstanden – etwa die Rotenturmstraße oder die Mariahilfer Straße.

73 Eissalons in der Innenstadt

Immer mehr Eissalons in der Innenstadt
ABD0019_20160324 - WIEN - ÖSTERREICH: THEMENBILD - Ein Stanitzel mit Eis im Rahmen der Eröffnung der Eissaison durch den Fachverband Gastronomie der WKO am Donnerstag, 24. März 2016, in Wien. - FOTO: APA/ROLAND SCHLAGER
Ein Blick auf die Zahlen bestätigt die Einschätzung in puncto Zentralisierung. Von den aktuell 159 gemeldeten Eisgeschäften – wobei hier auch die zwei Dutzend "ruhenden" Filialen dabei sind, die zum Stichtag nicht geöffnet hatten – befinden sich 73 in den Bezirken 1 bis 9. Damit liegt fast jedes zweite Lokal (46 Prozent) innerhalb des Gürtels. Die City führt das Ranking klar mit 20 Shops, dahinter folgt die Leopoldstadt mit zwölf und die Donaustadt mit elf Filialen. Wobei man bedenken muss, dass der 22. Bezirk der weitaus größte Wiens ist.

Vor gut einem Jahrzehnt sah die Sache noch etwas anders aus. 2004 konnte man sich als Wiener an 144 Standorten mit frischem Schleckeis eindecken. Damals führte die Donaustadt mit 16 Salons noch die Hitliste an, die Innenstadt zählte 13, Floridsdorf als drittplatzierter Bezirk elf. Damals befand sich nur ein gutes Drittel aller Eisgeschäfte (36 Prozent) in den inneren Bezirken.

Molin-Pradel glaubt allerdings, dass sich die kalten Köstlichkeiten bald wieder vermehrt ihren Weg über den Gürtel bahnen werden – nicht zuletzt wegen stark steigender Mieten in zentralen Lagen. Im Vergleich zu anderen Großstädten in Europa habe Wien jedenfalls eine sehr hohe Dichte an Eissalons. Und die Qualität stimme nach wie vor – im Gegensatz etwa zu Italien, betonte er. Dort sei das Niveau aufgrund des Preiskampfs und verstärkt zugekaufter Industrieware in den vergangenen Jahren merkbar gesunken.

Hipster-Faktor: Matcha oder Joghurt-Koriander

Immer mehr Eissalons in der Innenstadt
Veganista: Aromen, Fertigmischungen sowie Eispulver sind tabu.
Den Trend, dass sich hierzulande zuletzt vor allem in sogenannten Szene-Grätzeln eine Reihe von kleinen Unternehmen, die den Eissalon neu interpretieren und mit veritablem Hipsterfaktor ausstatten – Stichwort Eisgreissler, Schelato oder Veganista –, bestätigt Molin-Pradel: "Das bringt auch neue Kunden zu den Eissalons." Allerdings sei der Markt hier sehr begrenzt: "80 Prozent der Leute wollen es traditionell."

Das betrifft auch die Sortenwahl. Denn obwohl kaum mehr ein Betrieb ohne Kreationen à la Joghurt-Koriander, Matcha oder Gurke-Melone auskommt, stehen die Wiener laut Molin-Pradel weiterhin überwiegend auf Klassiker wie Vanille, Erdbeer oder Schoko: "Man ist schon bereit, was Neues zu probieren. Aber von drei Kugeln sind mindestens zwei traditionell."

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