Genuss
02/20/2019

Warum Bio-Lebensmittel nicht teurer kommen als konventionelle

Eine neue Studie des WWF zeigt, wie sich ums gleiche Geld der Bio-Anteil um 70 Prozent steigern lässt.

 Die Meinung hält sich hartnäckig: Bio-Produkte sind um ein Vielfaches teurer als konventionell produzierte – und daher nur für Besserverdiener eine Alternative. Die Umweltorganisation WWF wollte daher wissen, wie sehr sich die Umstellung auf gesündere Lebensmittel tatsächlich aufs Geldbörsel auswirkt.

Gleich vorweg: Gar nicht. Mit der gleichen Summe kann man den Bio-Anteil eines Wocheneinkaufs sogar um mehr als zwei Drittel erhöhen.

Wöchentlicher Einkaufskorb

Diese Deutlichkeit überraschte sogar die Autoren der Studie vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL). „Obwohl es Hinweise darauf aus anderen Studien gibt, hätte ich mit einem geringeren Bio-Anteil gerechnet“, sagt Mitautor Martin Schlatzer.

Untersucht wurde der durchschnittliche Wocheneinkauf einer vierköpfigen Familie (zwei Erwachsene, zwei Kinder unter 14 Jahren). In diesen Warenkorb befanden sich Einkäufe um exakt 119 Euro, ein Drittel waren Billigprodukte, zwei Drittel Markenprodukte.

Durchschnittliche Auswahl entspricht nicht Ernährungsempfehlungen

Das Problem: Die durchschnittliche Auswahl der Österreicher entspricht nicht den Empfehlungen von Ernährungsgesellschaften und Gesundheitsministerium. „Gekauft – und verzehrt – werden im Schnitt drei Mal so viel Fleisch, zu viele Fertigprodukte und zu viele Softdrinks“, betont Helene Glatter-Götz, Expertin für nachhaltige Ernährung beim WWF. „Sie sind nicht nur ungesund, sondern auch relativ teuer.“

Bio ist kein Luxusthema mehr

Genau diese Produkte sind der Hebel, an dem man ansetzen kann. „Bio-Einkauf ist kein Luxus-Thema“, betont Glatter-Götz. Die Rechnung ist einfach: Wer im Sinne der Ernährungsempfehlungen einkauft, also Fleisch reduziert und durch pflanzliche Lebensmittel ersetzt, erhält einen finanziellen Spielraum – und kann diesen für Bio-Produkte aufwenden.

In Summe konnte der Bio-Anteil im gesunden Warenkorb auf 70 Prozent erhöht werden, rechnet Schlatzer vor. Für eine Umstellung auf 100 Prozent Bio-Produkte müsste die vierköpfige Familie nur um zehn Prozent mehr aufwenden, also knapp zwölf Euro.

Bio wurde billiger

Laut Studie sind also gar nicht die Bio-Produkte die Preistreiber. Das klassische Bio-Segment ist mittlerweile im Supermarkt erhältlich und kosten weniger als früher. Schlatzer findet es „gut, dass Bio mehr Mainstream“ geworden ist. „Fleisch ist zwar teurer, das ist für manche Familien klarerweise oft schwierig leistbar. Bei Nudeln, Gemüse und Obst gibt es aber nur mehr minimale Preisunterschiede zu Bio-Ware.“

Hohe Qualität: Bio aus Supermarkt

Die Qualität der Bio-Produkte sei in Österreich auch im Supermarkt generell hoch. „Als Konsument kann man auf Bio-Marken vertrauen. Es gibt einige Hersteller und Ketten, die sind da wirklich dahinter.“

Weniger Treibhaus-Emissionen

Noch ein weiterer positiver Effekt hat sich in der Studie gezeigt: Wer auf einen gesünderen Warenkorb umsteigt, tut nicht nur seiner Gesundheit etwas Gutes. Ein höherer Bio- und Pflanzen-Anteil reduziert ebenso die Emissionen von Treibgasen, die in hohem Maße bei der Fleischproduktion entstehen. Um fast 40 Prozent weniger war es beim gesünderen Warenkorb.

WWF fordert mehr biologische Landwirtschaft

Umso wichtiger ist für Helene Glatter-Götz der Ausbau der biologischen Landwirtschaft. Für Schlatzer und die Studienautoren sollten die Erkenntnisse aus ihrer und anderen Studien zukünftig auch in die Beurteilung von Ernährungsempfehlungen einfließen. „Die Reduktion von Produktion und Konsum von Fleisch stellt eine Win-Win-Situation für Umwelt, Klima und Gesundheit dar.“