Genuss
29.06.2017

Stilles Mineralwasser nicht besser als Leitungswasser

Die Konsumentenschützer fanden bei ihrem Test kaum Keime, dafür wies das stille Mineralwasser nicht mehr Mineralstoffe als Leitungswasser auf.

Stilles Mineralwasser erfreut sich in Österreich nicht nur an Hitzetagen steigender Beliebtheit. Im Konsument-Test haben zehn von 15 Produkten sehr gut abgeschnitten, zwei weitere gut. Wer sich automatisch einen hohen Anteil an Mineralien erwartet, liegt aber falsch: In den meisten Flaschen stecken Mengen, mit denen Leitungswasser vielerorts mithalten kann, meinen die Konsumentenschützer.

85 Prozent der Österreicher verwenden Leitungswasser zum Trinken oder Kochen. Trotzdem lässt sich auch bei uns mit Wasser in Flaschen ein gutes Geschäft machen. Pro Kopf und Jahr werden fast 92 Liter "Mineral" konsumiert. Im Jahr 2000 lag der Anteil der "Stillen" noch bei rund 20 Prozent, inzwischen hat er sich verdoppelt. Das meiste Mineralwasser wird laut dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Kunststoffflaschen nach Hause getragen, deswegen wurde nur der Inhalt aus PET-Flaschen untersucht.

Anteil an Mineralstoffen ist gesetzlich nicht festgelegt

Wie viele Mineralstoffe enthalten sein müssen, ist gesetzlich nicht festgelegt. Nur ein einziges Wasser im Test, Juvina aus dem burgenländischen Deutschkreutz, hat der Einteilung laut Lebensmittelbuch zufolge einen hohen Mineralstoffgehalt. Gering fällt er bei neun weiteren Produkten aus, darunter Gasteiner, Evian (aus Frankreich) und Waldquelle. Zum Vergleich haben die Konsumentenschützer quer durch Österreich 37 Trinkwässer aus der öffentlichen Versorgung analysiert. Mit dem Ergebnis: Der Mineralstoffgehalt sei kein schlagkräftiges Argument pro Flasche. "Die Wahrscheinlichkeit, dass das Trinkwasser aus Ihrer Wasserleitung einen ähnlichen Mineralstoffgehalt hat wie unsere untersuchten Mineralwässer, ist hoch", meinen die Tester.

Die Natrium- und Kalium-Gehalte der meisten abgefüllten Durstlöscher seien vergleichbar mit jenen der Leitungswässer. S-Budget Astoria, Vöslauer und Römerquelle liefern um ein Vielfaches mehr Sulfat als die anderen Flaschen und durchschnittliches Leitungswasser. Bei Kalzium und Magnesium sei es dagegen gut möglich, dass je nach Wohnort das Leitungswasser mehr enthält als jenes aus dem Supermarkt.

Drei Wässerchen hatten mehr Keime als die Konkurrenz

Unbesorgt trinken kann man alle. Bei fünf der besten Wässer im Test wurde sogar kein einziger Keim nachgewiesen. Drei Produkten verpassten die Tester ein "nicht zufriedenstellend": Zwar enthalte keines krank machende Mikroorganismen, aber deutlich mehr Keime als die Konkurrenz. Würden sie als abgefülltes Trinkwasser angeboten, dürften sie nicht in Verkehr gebracht werden, so die Konsumentenschützer. Für Proben von natürlichem Mineralwasser aus dem Regal gibt es allerdings keinen gesetzlichen Grenzwert. Verunreinigungen durch Pflanzenschutz- und Arzneimittel oder Pestizide wurden nicht gefunden. Das zeige, dass die Quellen ausreichend geschützt sind.

Der Preis für einen Liter Trinkwasser aus der Leitung – in Österreich ein streng reguliertes und kontrolliertes Lebensmittel – liegt bei durchschnittlich 0,2 Cent. Die preiswertesten getesteten Mineralwässer kosten 17 Cent pro Liter, der Großteil wird um 25 bis 45 Cent verkauft.