"Rosenhof" reloaded: Der neue Genuss-Tempel im Seewinkel

"Rosenhof" reloaded: Der neue Genuss-Tempel im Seewinkel
Kochtalent Peter Kroiss revitalisiert den Rosenhof in Illmitz mit Fasan-Sandwich und grandiosem Schildampfer-Eis.

Ich koche, was ich gerne selbst essen würde und worauf ich Lust habe.“ Erfrischend locker erklärt Peter Kroiss seine Küchenlinie und kokettiert  mit seiner Bodenständigkeit. Einstudierte PR-Slogans sucht man vergebens, auch wenn es seine neue Wirkungsstätte, den Rosenhof, zu bewerben gilt. Mit Hauben will er Gourmet-Touristen nicht in den pittoresken Rosengarten locken müssen. „Die Leute, die mich kennen, wissen ohnehin, was sie bei mir bekommen.“

Steirereck-Schützling

Zuletzt hatte der erstklassige Steirereck-Schüler dem Landgasthaus Zum Fröhlichen Arbeiter in Apetlon (Burgenland) zu Aufschwung und Lobeshymnen verholfen. Jetzt zieht es ihn weiter, wenn auch nur eine Ortschaft. Im drei Kilometer entfernten Illmitz werkt der 29-Jährige seit vier Monaten im Hotelrestaurant seiner Schwiegereltern in spe.

„Sie haben nach einem Abgang Unterstützung gebraucht. Der Wechsel lag irgendwann auf der Hand. Aber natürlich fragt man sich, ob die Zusammenarbeit mit der Familie klappt.“ Zumindest in der Küche des altgedienten Rosenhofs hat nun er das Sagen. Und das bedeutete für die Besitzer Reinhard und Renate Haider Abschied nehmen von der Heurigenküche wie Blunze und Kümmelbraten.

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In den Siebzigern äußerst populär

Die beiden führen das Weingut mit Hotel und Restaurant in der dritten Generation und lassen dem Verlobten ihrer Tochter ganz bewusst freie Hand. „Schnitzel und Gulasch muss es für die Touristen geben, der Rest ist mir egal. Ich hatte vorher auch moderne Gerichte wie Thaicurry und Falafel auf der Karte, aber das will Peter nicht kochen“, so der tiefenentspannte Chef des Hauses, durch das nun frischer Wind weht.

Seine Glanzzeiten hatte der Rosenhof Ende der Siebzigerjahre, als gemischtes Eis mit Schlag zum Verkaufsschlager zählte und die Sonntagskleidung ausgeführt werden wollte.

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Knusprig und auf den Punkt gebraten: Saibling mit selbstgemachten Nudeln

Oma war die Ideen-Geberin

Freimütig erzählt Haider über den ersten Touristen-Boom in der Seegemeinde am Rande des heutigen Nationalparks:

„Die Vogelgucker sind irgendwann einfach gekommen. Da haben wir nichts dazu beigetragen. Und dann hat meine Oma 1967 gemeint: Die suchen alle Zimmer und wir haben Platz. Lassen wir die doch hier schlafen.“

Eine lohnende Idee: Zum kleinen Weingut gesellte sich bald ein Hotel und schließlich ein Lokal. Dafür seien auch die Leute aus der Umgebung dankbar gewesen: „Damals waren viele Einheimische am Wochenende hier. Aus dem einfachen Grund, dass es sonst nichts gab. Ich habe nichts dagegen, wenn durch Peters Küche jetzt vielleicht auch wieder mehr Hiesige kommen.“

Kreative Kombinationen

Statt zugekauftem Eis   gupft Kroiss lieber herrlich erfrischendes Sorbet aus Schildampfer, den schon die Römer als Digestif zu schätzen wussten. Das unbeschwerte Kochtalent zeigt gehobene, souverän gekochte Wirtshausküche ohne zu viel Chichi und mit durchaus kreativen Kombinationen.

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Kotelett vom Duroc-Schwein mit Kukuruz und Ringlotten

Wild statt Veggie

Wie in ländlichen Gasthäusern nach wie vor üblich, haben Vegetarier auch hier mit einer äußerst kleinen Auswahl zu kämpfen. „Meine Freundin Nina ist Vegetarierin. Das ist schon oft nervig“, erzählt Peter, der  begeisterter Jäger ist, lachend. Für sie und andere „Veggies“ stehen derzeit aber immerhin Schwammerlgulasch mit selbst gemachten Nudeln (14,50 Euro) und Paradeiser-Ravioli mit Zucchinicreme (12,50 Euro) als Hauptspeisen auf der Karte, die alle zwei Wochen wechseln soll.

Der neue Küchenmeister kredenzt ohnehin lieber Wild aus der örtlichen Jagdgesellschaft – sein kulinarisches Steckenpferd. Ziemlich einzigartig ist wohl das Club-Sandwich mit Fasan (15,50 Euro). Auch Wildschweinleber und Rehherzen verarbeitet er gerne. Weniger mutige Gäste dürfen sich an klassischem Wildragout (14,90 Euro) laben.

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Entspanntes Team: Besitzer Reinhard Haider und Jungkoch Peter Kroiss

Eigener Gemüsegarten

Bio und regional zu arbeiten findet Kroiss nicht eigens erwähnenswert. Das war schon in der Landwirtschaft seiner Eltern eine Selbstverständlichkeit. Ebenso wie die Spontanität. Und so wird der äußerst gelungene Eierschwammerlsalat (9 Euro) jetzt eben  mit frischen Marillen aus dem Garten anstatt mit den eigentlich geplanten Stachelbeeren zubereitet.

„Im Sommer kaufen wir überhaupt keine Paradeiser, Melanzani oder Zucchini zu. Das kommt alles von uns.“ Und wenn die Zutaten nicht aus dem tausend Quadratmeter großen Familiengarten stammen, sucht sie der Chefkoch selbst in der „Grünen Ecke“ zusammen – ein kleines Regional-Geschäft im Ort. 

Teller selbst getöpfert

Selbst Hand angelegt hat er auch, was einige Teller betrifft, die er bei Tonartulli, einem lokalen Keramikatelier, selbst töpfert. „Es ist ein bisschen verrückt, aber ich bin süchtig nach schönem Geschirr. Gerade habe ich mir eine  Schüssel aus Frankreich um 140 Euro geleistet“, gesteht der gebürtige Apetloner. Nach und nach will er das alte Geschirr durch seine neuen Errungenschaften austauschen.

Peter Kroiss entstaubt den Rosenhof in Zukunft also nicht nur in kulinarischer Hinsicht.

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Info: Rosenhof, Florianigasse 1, 7142 Illmitz, Restaurant Öffnungszeiten: Juli und August, Montag bis Donnerstag ab 15 Uhr, Freitag bis Sonntag und Feiertage ab 11 Uhr, April bis Juni, September und Oktober Dienstag und Donnerstag ab 15 Uhr, Freitag bis Sonntage und Feiertage ab 11 Uhr

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