Genuss
10.03.2018

"Mein Plädoyer ist, heim an den Herd"

Martina Salomon, stv. KURIER-Chefredakteurin, vereint ihre Lieblings-Rezepte mit ihren polarisierenden Kolumnen in einem Kochbuch.

Schauplatz Kantine. Es handelt sich um keine beneidenswerte Aufgabe, wenn die Lebensart-Redakteurin die stv. Chefredakteurin zu ihrem neuen Kochbuch interviewen muss. Mit diesen Zeilen kann man also nur ins Fettnäpfchen treten. Oder in Teufels Küche kommen. Und eine kulinarische Metapher geht noch: Oder Martina Salomon spuckt einem in die Suppe, wenn sie kurz vor Redaktionsschluss einen Blick auf die Seite wirft.

Weltweit erscheinen jedes Jahr 26.000 neue Kochbücher auf dem Markt: Wozu braucht es dann ein weiteres? Die 57-jährige Journalistin polarisiert seit 2010 mit ihrer Kolumne "Salomonisch" im KURIER – noch mehr Rückmeldung und Likes bekommt sie allerdings für ihre Rezepte auf Facebook. Dort entstand auch die Idee für ihr Kochbuch "Salomonisch serviert": Jedes der 34 Kapitel untergliedert sich in eine KURIER-Kolumne, eine gesellschaftskritische oder amüsante Episode aus ihrem Leben und ein dazu passendes Rezept – aus ihrer Kindheit, ihrem Freundeskreis oder ihrem eigenen Repertoire. Im Interview zeigt sich die Oberösterreicherin überzeugt davon, dass wir eine bessere Gesellschaft wären, wenn wir mehr kochen würden.

KURIER: Mit dem Kochbuch hast Du Deine Leidenschaften miteinander verknüpft?
Martina Salomon: Schreiben und Kochen sind die Themen meines Lebens. Ich bin ein sehr sozialer Mensch und sehe das gemeinsame Essen als Zuwendung. Mein Plädoyer ist, heim an den Herd – das ist keine Drohbotschaft.

Du meinst damit aber nicht, dass nur Frauen für das Kochen zuständig sind?
Ich finde es schade, dass man Frauen von etwas abhalten will, wo wir doch wollen, dass es mehr Männer machen. Die stressigste Phase meines Lebens war sicher, als die Kinder klein und ich berufstätig war. Als ich ein Kind war, ist bei uns zu Hause viel gekocht worden: Meine Cousins und Cousinen aus den USA waren im Sommer zu Besuch oder die Nachbarskinder waren da. Diesen sozialen Zusammenhalt habe ich übernommen und koche gerne für große Gruppen.

Geht auch mal was schief?
Natürlich! Als ich meinen Mann kennengelernt habe, wollte ich ihn mit frischen Krapfen überraschen. Obwohl der Teig nicht aufgegangen war, habe ich sie dennoch im Fett herausgebacken. Das Ergebnis waren kleine schwarze Dinger. Ich war so wütend, dass ich das Öl in eine Plastikschüssel geleert habe, die daraufhin schmolz – das ganze Öl floss auf den Küchenboden. Mein heutiger Mann wischte kommentarlos den Boden auf: Der Grund, warum ich ihn geheiratet habe. Scherz.

Sowohl beim Schreiben als auch beim Kochen lässt sich darüber streiten, ob es sich um Handwerk handelt, das man erlernen kann, oder ob es Talent und Leidenschaft braucht.
Schreiben und Kochen sind sich unglaublich ähnlich. Ich war immer schon begeisterte Schreiberin und Bäckerin. Bereits im ersten Studiensemester habe ich ein Jahr lang einen wöchentlichen Kochkurs gemacht. Mir ist es wichtig, Restl zu verwerten oder regionale Zutaten zu verwenden. Ich liebe es auf den Markt zu gehen!

Klingt "heim an den Herd" nicht deswegen abschreckend, weil immer weniger Zeit zum Kochen bleibt?
Ich bin ein sehr effizienter Mensch – das Essen steht in einer halben Stunde auf dem Tisch. Es ist eine Ausrede, dass man keine Zeit hat. Allein schon die Statistik zeigt, dass wir eine Freizeit-Gesellschaft sind und viel Zeit für soziale Medien investieren. Kochen und gemeinsam essen ist Beziehungsarbeit. Es spart den Psychotherapeuten. Wenn wir mehr kochen würden, wären wir eine bessere Gesellschaft.

Was kochst Du, wenn Du wenig Zeit hast?
Palatschinken sind mein Allheilmittel. Milch, Eier und Mehl habe ich immer zu Hause. Die erste Palatschinke ist in fünf Minuten auf dem Tisch. Auch gekochte Erdäpfel und gekochte Karotten mit Butter gehen schnell und Kinder lieben das Gericht. Gerne bereite ich eine riesige Menge an Schinken-Kipferl zu, die ich dann einfriere und bei Bedarf für die Kinder aufbacke. Gemüse-Suppen lassen sich genauso gut vorbereiten und einfrieren. Das Gemüse und Obst kommt zum Teil aus unserem eigenen kleinen Garten, den mein Mann betreut, der übrigens eine super Marillenmarmelade macht. Wir führen eine partnerschaftliche Ehe und haben auch gemeinsam die Kinder erzogen, aber in der Küche muss einer der Boss sein. Und das bin meistens ich.

Journalisten sind eitle Menschen: Wie kommst Du denn mit Kritik an Deinen Kochkünsten zurecht?
Es gibt eher Diskussionen mit meinem Mann, weil er sich am liebsten von Lasagne und Palatschinken ernähren würde. Meine Yoga-Gruppe freut sich immer sehr, wenn ich Blechkuchen verteile. Verletzende Kritiken fallen mir jetzt nicht ein, wobei Kinder natürlich gnadenlose Kritiker sind.

Träumst Du von einem eigenen Restaurant nach der Journalisten-Karriere?
Meine Freundin und ich haben sogar einen Namen dafür! Wir wissen letztlich, dass ein Lokal zu führen, eine extreme Herausforderung ist, die Verdienstmöglichkeiten nicht so toll sind und man rund um die Uhr arbeiten muss. Aber die Illusion von einem kleinen Bistro mit einer winzigen Speisekarte, in dem ich Lesungen organisieren und Bilder ausstellen kann, habe ich schon. Und es braucht politische Diskussionen: Nur zu kochen, wäre mir zu fad.

Buch-Tipp: Salomonisch serviert, Martina Salomon, Verlag edition a, 192 Seiten, ISBN: 978-3-99001-062-4, 19,95 Euro