Genuss
10.12.2017

Jamie's Italian und Leberkas-Pepi eröffnen am Flughafen

2018 soll eine Bar des britischen Kochs Jamie Oliver folgen.

Das Gastronomie-Angebot am Flughafen Wien in Schwechat wird erweitert. Das Restaurant " Jamie's Italian" des britischen Starkochs Jamie Oliver eröffnet am 17. Dezember am Terminal 3. Außerdem kommen laut einer Aussendung des Flughafens bei den F-Gates vier neue Take-away-Konzepte hinzu: Der Brezelkönig, dean & david, Leberkas-Pepi und Beer & Snacks.

"Ein zentrales Element unserer Qualitätsstrategie ist der sukzessive Ausbau des Jamie-Oliver-Gesamtkonzeptes, das im nächsten Schritt um das populäre Restaurant Jamie's Italian erweitert wird", so Julian Jäger, Vorstand der Flughafen Wien AG. Nach der Inbetriebnahme des Take-away-Konzeptes Jamie's Deli im April werden in dem neuen Restaurant mediterrane Speisen angeboten. Jamie's Italian ist in Österreich bereits mit einem Standort am Dr.-Karl-Lueger-Platz in Wien vertreten.

Im Frühjahr 2018 werden in einem Bar-Konzept von Jamie Oliver Cocktails und Bar-Snacks folgen und die Gastronomiewelt des Starkochs am Flughafen Wien auf über 800 Quadratmeter erweitern. Betrieben werden die neuen Gastronomieeinheiten von SSP - The Food Travel Experts.

Erst vor wenigen Wochen hat in der Wiener Innenstadt ein Jamie's Italian eröffnet, das von der ungarischen Zsidai Gastronomy Group geführt wird.

Das Imperium des Jamie O.

Das blonde Milchgesicht steht auf der Bühne, Kellner bringen silberne Tabletts an die Tische. Als die Gäste die Servierhauben hochheben, kommen flauschige, gelbe Küken zum Vorschein. Auf der Bühne enthüllt der Fernsehkoch eine Abfertigungsmaschine, die piepsenden Tierchen werden in eine durchsichtige Plastikkiste gesetzt. Und dann wird die Gaszufuhr betätigt. Es dauert zwei Minuten, bis alle Köpfchen auf die Seite gesunken sind. Manche Gäste des "Jamie’s Fowl Dinners" beginnen zu weinen: Es ist das Jahr 2008, Jamie Oliver will auf das Töten von männlichen Küken aufmerksam machen – der Fernsehkoch nutzt seine Popularität, um heikle Themen anzusprechen. Übergewicht, Junkfood, Perversionen der Lebensmittelindustrie oder arbeitslose Teenager.

Es gibt zwei Arten von Menschen: Jene, die ihn lieben und jene, die ihn hassen. "Frisch gekocht"-Fernsehkoch Andi Wojta sieht dies als Erfolgsrezept: "Es ist gut, dass er polarisiert. Man kann es nicht allen recht machen. Im Fernsehen muss man anecken, das ist bei Alex und mir nicht anders. Unterm Strich ist er erfolgreich mit dem, was er macht, und nur darum geht es. Das muss man neidlos anerkennen."

Jamie kommt nach Wien

Kaum ein Land, das nicht verrückt ist nach dem blonden, zutzelnden Sunnyboy: Zur Freude aller Beteiligten entwickelte sich die "Naked-Show" auch in den USA zum Verkaufsschlager – und das trotz Essex-Slangs: "Sie sind verrückt nach der Show. Das einzige Problem ist, dass sie kein einziges Wort von dem verstehen, was ich sage", stellte der Starkoch vor Jahren in einem Interview sarkastisch fest.

Ab kommenden Dienstag gibt es ein Stück der Marke Jamie Oliver auch in Österreich: Am Wiener Flughafen eröffnet ein Deli, das italienische Speisen wie Focaccias zum Mitnehmen anbieten wird – eine Bar und das Restaurant "Jamie’s Italian" sollen folgen. Errichtet werden alle drei Gastronomiegeschäfte im Terminal 3: Hier fliegen mehr als 60 Prozent aller Passagiere des Flughafen Wiens ab.

Olivers Vermögen wird auf 280 Mio. Euro geschätzt, er beschäftigt mehr als 5000 Angestellte weltweit. Was wenige wissen: James Trevor und seine Ehefrau Jools sind große Wohltäter: Mit knapp 3,5 Mio. Euro an Spenden stehen sie auf Platz 22 der "Giving List" der Times. Aber was macht der 41-Jährige so Besonderes? Dafür muss man an die Anfänge seiner Karriere zurückblicken. Am 14. April 1999 zeigt "The Naked Chef" erstmals seine Kochkünste im britischen Fernsehen – das Wirtshauskind wird über Nacht zum Fernsehstar, die deutsche Erstausstrahlung findet vier Jahre später statt: "Die Kameraeinstellungen und die Zugangsweise waren komplett neu. Der Typ ist mit seiner Vespa herumgefahren und hat Kräuter am Straßenrand gepflückt: So einen legeren und lässigen Fernsehkoch hat es vorher nicht gegeben", erinnert sich Wojta.

Der Engländer verkörpert den Zeitgeist der Jahrtausendwende, der Hedonismus der Neunziger will abgelegt werden, es braucht bequeme, schicke Lösungen für das Abendmahl: "Er hat für junge Leute viel gemacht, die in ihrem Leben vorher nie gekocht haben. Das Neue war, dass er nicht so kompliziert wie Sterne-Köche gekocht hat. Er war mutig und hat vorgezeigt, wie man ohne Handwerkswissen kocht, er hat Zutaten zum Beispiel einfach mit den Händen ausgequetscht. Es war egal, wie man die Zwiebel richtig schneidet", erinnert sich "Neni"-Küchenchefin und Kochbuchautorin Haya Molcho. Der Typ, der in einem Loft wohnt und bei dem ständig Freunde herumhängen, hat Spaß in der Küche. Molcho: "Seine Botschaft: Seid mutig, traut Euch, probiert es aus. Dafür halte ich ihn für einen der Größten."

Die schicke Maisonettewohnung mit dem roten Ledersofa, einer Kochinsel und dem silbernen Roller vor der Tür im Londoner Osten war selbstverständlich "gecastet" – der Daily Telegraph schreibt damals: "Er sieht aus wie ein Rockstar, klingt wie ein Rowdy und kocht wie ein Engel." Im Laufe der Jahre wird oft der Vorwurf kommen, dass der Engländer alles fürs Marketing macht und seine Profession gar nicht beherrscht. Harald Irka, einer der jüngsten Drei-Haubenköche, die Österreich je hatte, widerspricht: "Die Person war faszinierend und das Handwerk beherrschte er auch. Und zwar so, dass die Zuseher alles tatsächlich nachkochen konnten. Anfangs hat er eine sehr eigenständige Linie verfolgt, heute bin ich selber Koch und erkenne, dass Jamie Oliver nur noch Trends wie Superfood nachhüpft."

Küche ja, Schule nein

Tatsächlich beherrscht der Brite sein Handwerk – seine Sporen hat sich der Chef von 33 Restaurants hart verdient, in 22 Ländern befinden sich zudem Franchise-Standorte: "Ich sehe zwei Persönlichkeiten: Den Mann, der ein Restaurant nach dem anderen aufmacht, und den Mann, der im Fernsehen gezeigt hat, dass Kochen Spaß machen kann. Ich sehe ihn als Visionär, was gesundes Essen für Kinder betrifft. Als Gastronomen sehe ich ihn nicht."

Sein Kochtalent wurde nicht "gecastet", sondern bereits im zarten Kindesalter erkannt. Im kleinen malerischen Ort Clavering mit nur knapp 1000 Einwohnern übernehmen die Olivers das Pub "The Cricketers". Das junge Ehepaar will mit frischen, regionalen Zutaten kochen. Als Jamie eingeschult wird, treffen die Eltern eine folgenweite Entscheidung und stellen einen Küchenchef ein, der mehr Geld verdient als beide zusammen. Das Pub bekommt den Ruf, das beste Restaurant in Essex zu sein. Taschengeld muss sich der Bub im Pub selbst verdienen. Er putzt so fleißig, dass er bald spülen darf. Das aufgeweckte Kind liebt das Arbeiten in der Küche und stört sich nicht am rauen Umgang: Einmal wird es in den Kühlschrank gesperrt, einmal kopfüber in das Abwaschwasser gesteckt.

Kochbücher liest er nicht

Das Kochtalent liebt die großen Familienessen, die jeden Sonntag mit Sonntagsbraten im Pub veranstaltet werden. Bereits an dieser Stelle sieht man die Parallelen, wenn der Koch in seinen Sendungen die dampfenden Schüsseln in die Mitte des Tisches stellt und sich als Gastgeber präsentiert. Von seinem Vater lernt er Warenkunde und -kalkulation. Mit 13 Jahren macht er sein erstes Praktikum, mit 14 kocht er mit den Köchen des "Cricketers" 100 bis 120 Mahlzeiten an einem Wochenende. Jahre später soll er sagen: "Jedes Projekt, das ich mache, ist nur eine vergrößerte Version der Art und Weise, wie mein Vater seine Kneipe betreibt."

So gut er sich in der Küche anstellt, so schlecht ist das aufgeweckte Bürschchen in der Schule. So lässt sich erklären, warum er Jahre später arbeitslose Schulabgänger in seinem "Fifteen" zu Köchen ausbilden und ihnen Jobs geben wird. Bis heute soll der Multimillionär und Vater von fünf Kindern kein einziges Buch nach der Schulzeit gelesen haben, nur sein erstes Kochbuch soll er auf Richtigkeit überprüft haben – seine Bücher nimmt er mit Diktiergerät auf.

Seine wichtigste Karrierestation wird das "River Café" sein, wo er 1996 anheuert. Ein Team der BBC 2 meldet sich an, um eine Doku über den Lifestyle-Hotspot zu drehen. Am Tag der Dreharbeiten springt Oliver für einen Kollegen ein, die Kamera schwenkt auf ihn: Er antwortet schnell und lässig, aber ganz beiläufig ohne Stress. Am Tag nach der Ausstrahlung rufen vier Produktionsfirmen an und wollen den Gemüseschnipsler als TV-Koch engagieren.

Buchtipp: Jamie Oliver, Rose Winterbottom, mvg Verlag, ISBN: 978-3-86882-281-6, 17,99 Euro