Brot aus der Flasche

Brot
Foto: Ute Brühl Tirolerbrot: Weizenmehl, Weizenvollkornmehl, Dinkelmehl, Sonnenblumenkerne, Leinsamen, Trockenhefe.

Eine kleine Tiroler Manufaktur schickt das Brot per Post zum Kunden – in der Flasche.

Wer kennt das nicht: Es ist Sonntag, Freunde sind zum Abendessen eingeladen, aber es gibt nur noch ein trockenes, altes Weckerl im Brotkasten. Die erste Idee lautet selber backen, nur leider fehlen Mehl und Backzutaten dafür. Die beiden Tiroler Daniel Mader und Kristina Kothbauer haben mit ihrem Brot in der Flasche nun eine pfiffige Lösung für faule (und finanzkräftige) Hobbybäcker gefunden.

MyBread, Tirol Foto: MyBread Via Online-Shop lassen sich verschiedene Brot-Backmischungen wie ein zünftiges Bauernbrot oder ein Zwiebelbrot nach Hause ordern. Jungunternehmer Mader: "Freilich rechtzeitig, bevor man darauf kommt, dass die Zutaten an einem gemütlichen Wochenende fehlen könnten. Vor Ostern hat uns eine Kundin erzählt, dass es keine Bäckerei in ihrem Ort gibt und sie daher für die Feiertage vorplant." Vor zwei Jahren lernten sich der gelernte Grafiker und die Einzelhandelskauffrau kennen und lieben: "Kristina ist eine leidenschaftliche Bäckerin und ich hab mich nicht nur in ihr Kartoffelbrot verliebt. Irgendwann wollte ich meinen Agenturkunden keine langweiligen Kugelschreiber mehr schenken und so sind wir auf das Brot in der Flasche gekommen." Die Hobbybäckerin steht selber übrigens auf kräftige Geschmackskomponenten wie Chili. "Derzeit haben wir sieben Sorten im Angebot, aber es entstehen laufend neue. Bis jetzt sind alle laktosefrei und vegan."

In Innsbruck ist MyBread bereits im Einzelhandel (Fruchthof, Gärtnerei Dehner) vertreten, in Wien gibt es das Brot in der Flasche in der Hollerei zu erstehen. Rein rechtlich gesehen brauchten der 28-Jährige und die 25-Jährige keine Zusatzausbildung für ihr Start-up: "Da wir nicht backen, sondern lediglich Zutaten und eine Anleitung verkaufen, bewegen wir uns im freien Gewerbe." Neben ihren Vollzeit-Jobs betreiben die Jungunternehmer ihre kleine Manufaktur in einer 40m² großen Produktionshalle und tüfteln bereits an der Erweiterung des Sortiments für den Winter – es soll weihnachtlich werden.

Nachhaltigkeit kostet

MyBread, Tirol Foto: MyBread Zwischen 6,99 Euro und 7,99 Euro kostet eine Flasche. Warum so teuer? Mader: "Wir verwenden ausschließlich regionale Zutaten. Außerdem kaufen wir kein billiges Auszugsmehl um 50 Cent das Kilo, sondern nur aus kontrolliertem Weizenanbau um 1,5 Euro das Kilo." Die Kürbiskerne kommen aus Deutschlandsberg, die Sonnenblumenkerne aus dem Burgenland, das Mehl aus Innsbruck und das Salz aus Salzburg. Die getrockneten Zwiebel sind nicht industriell getrocknet, also ohne Zusatzstoffe. Der Germ kommt aus Deutschland, dabei handelt es sich um einen Ur-Hefestamm ohne Ascorbinsäure.

Enzyme oder Geschmacksverstärker kommen nicht in die Flasche. Für das Bauernbrot füllt das Duo einen Bio-Trockensauerteig auf Roggen-Basis in die Flasche. Wenn der Käufer zu Hause Wasser hinzumischt, startet der Gärprozess und das Brot bekommt das typische säuerlich-herbe Aroma. Für die anderen Sorten setzt MyBread auf Trockenhefe als natürliches Backtriebmittel. "Für unser Brot braucht man nur Wasser und Olivenöl. Wir empfehlen, dass das Brot eine Stunde rastet. Es würde aber auch ohne Rasten funktionieren. Am besten schmeckt jedoch das Brot, wenn man den Teig die Nacht über im Kühlschrank gehen lässt. Dann wird es so richtig fluffig."

Test

Funktioniert das Brot in der Flasche?

Die Redakteurinnen Ute Brühl, Ingrid Teufl und Anita Kattinger haben getestet.

Brot, selber backen
Foto: Ingrid Teufl
  1. "Tiroler Brot": Mischbrot aus Weizen und Dinkel. Leinsamen und Sonnenblumenkerne machen das Brot rustikal. Solider, aber kein außergewöhnlicher Geschmack. Hat die Anleitung funktioniert? Ja.
  2. "Zwiebel Brot": Der Testsieger: geschmacklich top! Starker Zwiebelgeschmack, würzig, aber nicht aufdringlich. Auch Koriander- und Fenchel-Hassern schmeckte das Brot. Hat die Anleitung funktioniert? Ja.
  3. "Chili Brot": Das leicht rot gefärbte Brot schmeckte sehr ungewöhnlich. Für die Testerin ist die Kombination aus Chiliflocken und Cayennepfeffer zu scharf. Sollten nur Chili-Liebhaber ordern. Hat die Anleitung funktioniert? Ja.
(Kurier) Erstellt am
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