Genuss
11.07.2018

Aus dem Gletscher: Die teuersten Eiswürfel der Welt

© Bild: Getty Images/iStockphoto/karandaev/IStockphoto.com

Ein norwegischer Unternehmer will Eiswürfel aus Gletschereis anbieten, Umweltorganisationen und Einheimische protestieren.

Der Norwegische Unternehmer Geir Olsen sieht es als Premium-Geschäftsidee: Das Eis des zweitgrößten Gletschers Svartisen im Norden Norwegens will er für reiche Kunden zu den teuersten Eiswürfeln der Welt verarbeiten.

Aus dem 1.000 Jahre alten Gletschereis sollen dafür Eiswürfel herausgeschnitten werden, die Olsen an exklusive Bars und Restaurants verkaufen will. Reines Eis ist das A und O eines Cocktails, argumentiert Olsen: "Das Gletschereis hat eine sehr gute Qualität, es ist sehr klar und rein, nicht verschmutzt und gibt keinen Geschmack ab." Der Unternehmer glaubt, dass es für so ein exklusives Produkt auch einen Markt gibt. "Ich war in Kontakt mit High-End-Bars und Restaurants in London, New York und Dubai." Das Interesse sei sehr groß.

"Es gibt immer Leute, die so etwas mitmachen", meint auch der Berliner Barkeeper Oliver Ebert, der in Prenzlauer Berg die Cocktailbar "Becketts Kopf" betreibt. "Ich halte die Idee aber für ziemlich dekadent.“ Eis aus Nordnorwegen in einer geschlossenen Kühlkette über so weite Strecken zu transportieren, sei ökologisch gesehen problematisch.

Kritik von Einheimischen

Auch in Norwegen stößt Olsen mit seiner Idee, an der er seit 2015 feilt, zunehmend auf Gegenwind: Neben Einheimischen und Rentierbesitzern kommt die heftigste Kritik von der Organisation Norsk Friluftsliv. Deren Generalsekretär Lasse Heimdal spricht von einem irrsinnigen Projekt. Die Vorstellung, dass Eiswürfel von schmelzenden Gletschern mit Helikoptern ausgeflogen und mit Schiffen und Autos um die Welt transportiert werden, um auf Kreuzfahrschiffen Drinks zu kühlen, sei so schlimm, dass er sich vorstellen könne, dass sich einige aus Protest anketten würden. Der Fall liegt jetzt zur öffentlichen Anhörung aus und die Bevölkerung kann sich dazu äußern. Im September wird die Gemeinde die Vor- und Nachteile abwägen.

Der Gletscher Svartisen ist flächenmäßig der zweitgrößte Gletscher Norwegens. Jährlich besuchen ihn rund 20.000 Touristen. © Bild: Getty Images/iStockphoto/sparhawk4242/iStockphoto

Geir Olsen kann die Kritik nicht verstehen. "Eis ist doch die größte nachwachsende Ressource der Natur", sagte er. Ein durch und durch umweltfreundliches Produkt. Und zum Schmelzen des Gletschers würde er damit nicht beitragen. "Wir tragen nur Eis ab, das sowieso schmilzt." Er glaubt vielmehr, dass sein Projekt den Svartisen in der Welt bekannt macht und vielleicht mehr Menschen dazu bringt, über den Zustand der Gletscher nachzudenken.

Bereits vor 100 Jahren sind die Leute am Glomfjord zum Gletscher hochgelaufen, um Eis abzutragen - zum Kühlen von Lebensmitteln oder als besonderes Extra bei Hochzeiten und anderen Feiern. "Nun kann auch ihre Dinnerparty mit einem großen Spektakel enden", heißt es in einem Werbefilm von Olsens Firma Svaice.