Genuss
18.07.2018

Anthony Bourdain: So stellte er sich Weinsteins Tod vor

Der TV-Star sprach im vermutlich letzten Interview vor seinem Tod unter anderem über Trump, die Clintons und Elternschaft.

Im Juni hatte die Nachricht vom Tod des Star-Kochs Anthony Bourdain seine Fans erschüttert (mehr dazu hier). Der Koch war durch seine unkonventionellen Reise-Berichte über die Küchen in aller Welt bekannt geworden, er beging Suizid im Alter von 61 Jahren.

In einem Interview mit der Plattform Popula, das am Sonntag posthum veröffentlicht worden war, teilte Bourdain unter anderem seine Gedanken über das Reisen, Kultur und Politik. Das Gespräch war im Februar geführt worden.

... über Harvey Weinstein

Bourdain war ein ausgesprochener Kritiker des wegen Vergewaltigung angeklagten Ex-Filmmoguls Harvey Weinstein. Unter den Anklägerinnen befindet sich unter anderem die Schauspielerin Asia Argento, Bourdains Freundin. Auf dem Filmfestival in Cannes hielt sie eine kämpferische Rede gegen Weinstein und sexuellen Missbrauch in der Filmbranche. Als Reaktion auf diese twitterte Bourdain: "Ich bin stolz und fühle mich geehrt, dich zu kennen. Du hast gerade das Schwierigste auf der Welt gemacht." Weinstein hat bislang alle Vorwürfe bestritten.

Im Interview mit Popula sprach Bourdain darüber, wie er sich das Lebensende von Weinstein vorgestellt hatte. Es sei eine Diskussion, die er mit „einer Reihe von Menschen“ geführt habe. Zunächst räumte er jedoch ein, dass Weinsteins Leben ohnehin schon furchtbar sei, jetzt wo er nach Arizona ins Exil verbannt worden ist.

Zudem hatte Bourdain eine Theorie zu Weinsteins letztendlichem Tod, der in einer Badewanne stattfinden sollte. Bourdain stellte sich Weinstein "nackt in seinem berühmten Bademantel vor", als er plötzlich von einem massiven Schlaganfall getroffen wird. Rückwärts in die Badewanne stolpernd, stellte er sich vor, dass der Ex-Hollywood-Produzent "durch seine Kontaktliste scrollt, um rauszufinden, wer tatsächlich ans Telefon gehen würde." Weinstein würde laut Bourdain in dem Wissen sterben, "dass ihm niemand helfen wird".

... über Bill Clinton

Auch mit seiner Meinung über Bill Clinton hielt Bourdain nicht hinterm Berg. Er bezeichnete den ehemaligen US-Präsidenten unter anderem als "habgierig, ekelhaft und grapschend". Er fand nicht, dass Clinton wegen des Lewinksy-Skandals aus dem Amt entlassen werden hätte sollen. Äußerst problematisch sei hingegen die Art und Weise gewesen, wie die Clintons mit dem Skandal umgegangen sind. "Es war beschämend, diskreditierend und eine Untergrabung von Frauen."

... über die aktuelle politische Lage

Über die aktuelle politische Lage in den USA äußerte sich Bourdain ebenfalls. "Jemand muss beim Pressebriefing im Weißen Haus seinen Job opfern und sagen: Du Stück Scheiße. Erwartest du wirklich, dass wir diese dampfende Ladung Pferdekacke schlucken? Wie kannst du nur mit dir selbst leben? Du solltest dich schämen."

... über Trumps Unterstützer

Den Unterstützern von Trump hingegen konnte Bourdain Sympathie abringen. "Ich mag sie", sagte er. Trumps Wähler würden verstehen, dass er sich nicht für sie einsetzen würde. Die Anziehungskraft würde darin liegen, dass Trump jemand sei, der ein System auf den Kopf stellt, von dem sie schlecht behandelt wurden. "Sie sind nicht dumm", sagt er. "Sie erkennen einen Anarchisten. Sie erkennen jemanden, der wahrscheinlich den ganzen verfaulten Tempel, den sie so sehr verachten, niederreißen wird, dass sie sich wiederholt in beide Beine schießen würden für dieses Vergnügen."

Das ganze Interview kann hier nachgelesen werden.