Martin „Soberl“ Sobotka heute mit Kapperl. Mitte der 90er (ganz l.) auf einem Poster des „Rennbahn Express“.

© Kurier/Gilbert Novy

freizeit
01/31/2021

Was wurde aus der ersten österreichischen Boyband Back Off?

In den Neunzigern flogen Tausende Mädchenherzen den Boybands zu. England hatte Take That, Österreich Back Off. Martin Sobotka erzählt, wie das damals war und was er heute macht.

von Daniel Voglhuber

Ein etwas unangepasster Typ, der als Schmusebarde in den 90ern Teenie-Herzen schmelzen ließ, dann aber vom synchronen Tanzen, sanften Tönen und strengen Vorschriften des Managements auch mal genug hatte. Das klingt stark nach Robbie Williams, der 1995 den Dienst bei Take That quittierte und damit zigtausende Mädchen in eine tiefe Krise stürzte.

Das klingt aber auch nach Martin „Soberl“ Sobotka. 1996 wollte man in Österreich nicht hintanstehen und am Boyband-Kuchen mitnaschen. Das Ergebnis vom Reißbrett hieß Back Off – Sobotka war mit den Brüdern Peter und Georg Vocka und Gary „Gary Cope“ Burghart ein Teil davon.

Sie waren das Vorprogramm zu den Backstreet Boys oder DJ Bobo und in jeder Ausgabe der Jugendzeitschrift Rennbahn Express vertreten (auch in Foto-Love-Storys wie „Die verschwundene Kassette“). „Wir haben viel gespielt, vor allem viel Halb-Playback, viel Promotion. Neben Österreich in der Schweiz, Italien, Slowenien und Deutschland. 1997 waren es fast 200 Shows. Aber Geld haben wir nicht wirklich gesehen“, sagt Sobotka.

Trubel um seine Person aber umso mehr. „Die Fans haben herausgefunden, wo ich wohne, da sind jeden Tag bis zu 20 vor dem Haus gestanden. Meine Mutter hat ihnen, wenn es kalt war, einen Tee rausgebracht.“ Wie bei den internationalen Vorbildern musste der Schein des Erreichbaren gewahrt bleiben. „Wir durften keine Freundinnen haben. Das war damals schwer für meine Partnerin.“

Zum Jungspund gemacht

Auch beim Alter sei geschummelt worden. „Wir wurden jünger gemacht, ich von 22 auf 20 Jahre.“ Und wie immer bei den Boybands, war für jeden Mädchen-Geschmack ein Bursche dabei: „Da gab es einen Latino, einen Muskulösen, einen Blonden und einen mit kurzen Haaren.“ Letzterer war Sobotka. „Zu Beginn wurden wir umgestylt, da haben sie mich gleich rasiert – so wie bei East 17 (die heute eher vergessene, prolligere Variante von Take That).“

Etwas sein, das man nicht war. „Ich habe damals Jazz mit Schwerpunkt am Konservatorium studiert, als ich mich fürs Casting beworben habe.“ Musikalisch war Rock das Seine und nicht sanfte Popklänge. Heute ist Sobotka Sänger und Frontman der Band Wiener Wahnsinn, die laut Selbstbeschreibung „astreinen Wiener Rock“ mit Wiener Dialekt macht. „Ich konnte mir vorstellen, wie es Robbie Williams gegangen ist.“ 1998 war das Ding durch, der Kuchen in Österreich und Deutschland gegessen. „Es kam zum Streit mit dem Management, wir vier haben noch ein Jahr als TNG (The Next Generation) weitergemacht, das war musikalisch hochwertiger.“ Aber die Luft war draußen, die Lust weg.

Die anderen Mitglieder

Man ging getrennte Wege. „Peter wohnt heute in London, er ist Lichtdesigner am Theater und in der Oper. Ich besuche ihn dort regelmäßig.“ Dessen Bruder Georg arbeitet als Choreograf und Regisseur. Mit „Gary Cope“ sei der Kontakt abgerissen. Er trat 2002 mit Loud 9 zur österreichischen Vorausscheidung für den Song Contest an.

Auch wenn das jetzt so klingen mag, als sei die Zeit keine schöne gewesen. Ganz so ist es nicht. Missen möchte er die Erfahrung nicht. „Ich habe viel gelernt, einen Einblick in die Branche und Interviewtrainings bekommen. Einige Menschen von damals treffe ich heute wieder.“ Das kommt ihm in der Band Wiener Wahnsinn zugute. Wovon er heute ganz gut leben könne – wenn nicht gerade Corona ist.

Und ab und zu bekommt er ein bisschen Tantiemen von alten Back-Off-Nummern. „Ein bis zwei Songs werden heute noch gespielt. Unser Weihnachtslied „X-Mas Time Again“ im Advent auf Ö3 und ein anderer (wohl „Count on Me“) auf Radio Wien. In der Nacht.“

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