freizeit
10/27/2014

Clowns und Erdnussbutter

Es gibt Menschen, denen fallen bei dem, was sie tun, vier von drei Bällen runter, und dennoch ist es großartig.

von Guido Tartarotti

Als Kind war ich einmal mit meinem Großvater in einem sehr kleinen Zirkus. Statt Löwen gab es Ziegen, die durch einen nicht brennenden Reifen sprangen oder auch nicht. Der Clown war nicht lustig, sondern betrunken und beängstigend. Und dann war da ein Jongleur. Er war sehr nervös, und ständig fielen ihm die Bälle herunter. Mir tat der Artist leid, ich fand sein Scheitern aber auch irgendwie interessant, und nicht ohne traurige Eleganz. Seither befällt mich angesichts eines Jongleurs stets eine seltsame Angstlust. Ich möchte nicht hinschauen und kann nicht wegschauen.


Heute finde ich das Herunterfallen von Jongleurbällen wesentlich interessanter als ihr Obenbleiben. Gelungene Jongliertricks beweisen nur, dass jemand viel geübt hat. Aber wie geht jemand damit um, dass ihm ein oder zwei Bälle runterfallen? Es gibt übrigens Menschen, denen fallen bei dem, was sie tun, vier von drei Bällen runter, und dennoch ist es großartig. (Wer schon einmal ein Gitarrensolo von Keith Richards gehört hat, weiß, was ich meine.)


Geblieben ist mir die Abneigung gegen Clowns. Es gibt sogar einen Namen für die Angst vor Clowns – Coulrophobie. Mehrere Hundert anerkannte Ängste existieren, darunter auch die Angst vor dem Buchstaben X. Die dürfte sich im Alltag kaum auf die Lebensqualität auswirken. Aber was ist, wenn man Angst vor E’s hat? Kann man dann nie an den Neusiedlersee fahren? Die schönste Angst, die ich kenne, ist die Arachibutyrophobie – die Angst, dass Erdnussbutter beim Essen am Gaumen kleben bleibt und man deshalb erstickt. Wenn es stimmt, dass der durchschnittlich angstbegabte Mensch nur eine Angst wirklich empfinden kann, dann ist Arachibutyrophobie empfehlenswerter als z. B. die Angst vor dem Tod. Erdnussbutter lässt sich leichter großräumig umfahren.

Die drittletzte Vorstellung von Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Urlaubsfotos (keine Diashow)":

13. November, 20 Uhr, Stadttheater Walfischgasse

www.stadttheater.org

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