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08/07/2020

Der Weltkriegs-Veteran Giuseppe ist Italiens ältester Uni-Absolvent

Er ist 96, wuchs in armen Verhältnissen auf, liebte immer Bücher aber bekam nie die Möglichkeit, zu studieren.

von Lisa Stepanek

Giuseppe Paterno, ein 96-jähriger Geschichte- und Philosophiestudent an der Universität Palermo in Italien, hat jetzt seinen Bachelor-Abschluss erlangt. Das macht ihn zu Italiens ältestem Uni-Absolventen. Aber der Mann hat auch abseits davon einiges Bemerkenswertes erlebt – und vor allem überlebt: eine Kindheit geprägt von Armut, den zweiten Weltkrieg und eine Pandemie, berichtet ABC News am 31. Juli.

Der frühere Bahnarbeiter erhielt sein Diplom vorige Woche. Von Familie, Professoren und 70 Jahre jüngeren Studienkollegen wurde ihm zahlreich zu seinem Erfolg gratuliert. "Ich bin ein normaler Mensch, wie jeder andere auch", antwortete er auf die Frage, wie es sich anfühlt, so spät noch einen Uni-Abschluss in der Tasche zu haben. "Bezogen auf das Alter habe ich alle anderen übertroffen, aber deswegen habe ich es nicht gemacht."

Als er sich 2017 an der Universität in Palermo eingeschrieben hat, sagte er zu sich "Das ist es, jetzt oder nie": "Ich verstand, dass es etwas spät war, ein dreijähriges Studium anzufangen, aber ich dachte 'mal sehen, ob ich es schaffen kann'. Paterno hat schon in jungen Jahren Bücher geliebt, aber bekam nie die Möglichkeit, zu studieren.

Giuseppe Paterno wuchs in armen Verhältnissen in Sizilien auf. Nach der Grundschule ging er zur Marine und diente im zweiten Weltkrieg. Danach arbeitete er bei der Bahn, heiratete seine Frau Stefana Bettaglia und bekam mit ihr zwei Kinder. In der Nachkriegszeit hatten Wiederaufbau, Arbeit und Familie höchste Priorität, aber Paterno hatte immer das Verlangen, zu lernen. So hat er mit 31 Jahren auch seine Matura nachgeholt. "Wissen ist wie ein Koffer; den ich überall hin mittrage, es ist ein Schatz", sagt er.

Für sein Studium benutzte der 96-jährige eine Schreibmaschine, die ihm seine Mutter gegeben hat, als er 1984 in Pension ging. Und statt Google benützt er Bücher. "Sie sind ein Vorbild für jüngere Studenten", sagte seine Soziologie-Professorin Francesca Rizzuto zu ihm, nachdem er seine finale mündliche Prüfung im Juni absolvierte. Und selbst die letzten Wochen und Monate wurden noch spannend für Italiens ältesten Studenten. Ein bisschen unbequem fühlte er sich mit den Videokonferenzen während der Pandemie schon, gibt er zu. Aber der Virus selbst bereitete ihm kein Unbehagen, nach dem Krieg und allem, was er schon durchgemacht hat, sagt Paterno.

Sein Plan für die Zukunft? "Ich möchte mich voll und ganz dem Schreiben widmen. Ich möchte nochmal alle Texte durchgehen, die ich nicht mehr weiter erforschen konnte. Das ist mein Ziel."

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