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freizeit
08/01/2021

Surfin' Austria: Als der König von Hawaii beim Kaiser weilte

Viel hat nicht gefehlt und Kaiser Franz Joseph hätte im Salzkammergut gesurft. Ein Gedankenexperiment.

von Bernhard Praschl

Von Honolulu nach Wien ist es ein ganz schön breiter Weg. Mehr als 12.250 Kilometer, um es einmal grob zu beziffern. In Zeiten, in denen der Flugverkehr noch in den Sternen stand, eine Distanz, die unbezwingbar schien.

David Kalākaua, der letzte männliche Monarch Hawaiis, bewältigte sie dennoch. Am 5. August 1881 kam der Würdenträger aus dem Pazifik im Zuge seiner zehnmonatigen Weltreise – die erste ihrer Art eines regierenden Volksvertreters überhaupt – nach Stationen in Japan, China, Thailand, Indien, Ägypten, Italien und Frankreich auch in Wien vorbei.

Der König von Hawaii in Wien, was für eine Aufregung!

Kaiser Franz Joseph hatte für das Meeting sogar seine traditionelle Sommerfrische in Bad Ischl abgebrochen. Die lockere Atmosphäre zwischen zeremoniellem Pomp und geselligem Prater gefiel dem dunkelhäutigen polynesischen Gast. Er nutzte die Zeit, um inkognito im Volksgarten zu Melodien von Eduard Strauß Walzer zu tanzen.

Auch ein Besuch der k.u.k. Hofoper stand auf dem Programm. Am Rande wurde über Geschäfte geplaudert. Der eigentliche Zweck der Reise bestand nämlich darin, robuste Arbeiter für die Zuckerplantagen in seiner Heimat aufzutreiben. Alles gut, also.

Aber hätte es in der Folge ein paar Jahre später ein weiteres Treffen gegeben, wäre  es noch besser gewesen. Denn der oberste Habsburger wäre dann ganz sicher in den Genuss eines wahrhaft exotischen Staatsgeschenks gekommen: eines echten, voll authentischen Longboards. Der König von Hawaii gilt nämlich als derjenige, der das Surfbrett aus der Tabuzone gerettet hat,  nachdem es ein halbes Jahrhundert zuvor von Missionaren dorthin verbannt worden war. Und die Mission Kalākauas war, den Bewohnern anderer Erdteile Leben und Lifestyle seines Inselreichs näherzubringen.

Sanfter Ritt auf den Wellen

Ein Zeitsprung zurück. Auf dem noch Sandwichinseln genannten Archipel hatte der britische Seefahrer und Entdecker James Cook erstmals Menschen gesehen, die auf Baumstämmen den Meereswellen entlang ritten. Anfang 1778 war das, also ziemlich genau 100 Jahre vor David Kalākauas Visite in Wien.

Ein Eintrag in das Logbuch mag etwas von der Faszination dieser Erscheinung wiedergeben, möglicherweise von  Cook selbst niedergeschrieben: „Mir scheint, dieser Mensch empfand es als das höchste der Gefühle, so schnell und zugleich sanft über das Meer zu gleiten.“ Eine Reihe von unglücklichen Zufällen – ein gebrochener Schiffsmast, ein Diebstahl von Cooks Beibooten, ein Handgemenge – kostete den Weltensegler ein Jahr später das Leben. Gewiss ein Umstand, der nicht unbedingt dazu angetan war, den Riten und Bräuchen

Hawaii, 1820, und damit 153 Jahre, bevor mit Elvis der King of Rock-’n’-Roll den Boden der geografisch gesehen isoliertesten Inselgruppe dieses Planeten betrat. Der US-amerikanische Missionar Hiram Bingham wird Zeuge eines Hula-Marathons, bei dem eine Holzskulptur eines Gottes mit  Blumengirlanden beglückt wird. Bingham versteht die Welt nicht mehr.  

„Wozu dient euch euer Gott, wofür ist er gut?“, fragte er. Die Antwort verwirrte ihn noch mehr: „Zum Spielen.“

Ab da war der lockere hawaiianische Lifestyle den westlichen Puritanern ein Dorn im Auge. Und auch, weil die Hawaiianer das Meer als Gott verehrten.

Natürlich schauten die Wellenbretter einst anders aus als die heute üblichen Longboards oder Shortboards – die Disziplin Shortboard ist heuer übrigens erstmals olympisch. Aber am Prinzip änderte sich nichts: Vielen gelten sie als die beste Möglichkeit, sich auf dem Wasser zu bewegen.

Auftritt Johnny Weissmüller

Der König von Hawaii starb überraschend 1891 nach einem US-Trip in San Francisco, konnte daher seine Mission in Österreich nicht weiterverfolgen. Mit Duke Kahanamoku (1890-1968) fand er einen würdigen geistigen Enkel. Der dreifache Schwimm-Olympiasieger war auch mit  dem 1904 in Österreich-Ungarn gebürtigen späteren Tarzan-Darsteller und fünffachen Olympiasieger Johnny Weissmüller befreundet.  In Paris 1924 traten sie beide über 100 Meter an. Weissmüller schaffte Gold, Kahanamoku gab sich mit Silber zufrieden. Pech: Bevor sie Surf-Buddies wurden, stand die Heimreise an.

1963 eroberten die Beach Boys mit „Surfin’ USA“ von den Stränden Kaliforniens aus die Hitparaden dieser Welt. Aber Surfen in Austria? Warum nicht?

Vor dreißig Jahren hat selbst  der Snowboard-Europameister von 1988, Gerfried Schuller,  nicht gedacht, dass aus seiner Schladminger Blue-Tomato-Snowboard-Garage dereinst ein weltweit führender Surfbretter-Handel werden würde.

Alles gut, also? Fast. Ein Problem bleibt. Die Möglichkeit zum  Ritt auf den Wellen ist im Binnenland Österreich nach wie vor etwas dünn gesät. Aber es gibt sie. Was den Wienern die „Citywave“ in der SCS oder das Wakeboarden am Handelskai, ist den Innsbruckern das „Up-Stream-Surfing“ im Inn, den Salzburgern der Spaß auf der „Flusssurf-Welle im Almkanal“ und jenen, die das real thing begehren, die künstliche Flusswelle in Ebensee.

Vinton G. Cerf, Vizepräsident von Google, ist einer der Väter des Internets. Der 1943 geborene Informatiker stand seines Namens wegen lange im Verdacht, den Begriff „im Internet surfen“ geprägt zu haben.

In Wahrheit aber stammt er von einer Bibliothekarin.  Jean Armour Polly verfasste 1992 einen Artikel für das „Wilson Library Bulletin“, in dem sie das damals neue Phänomen der Betrachtung aufeinanderfolgender Webseiten im Internet beschrieb. Um das auf den  Punkt zu bringen, betitelte sie ihn mit „Surfing the Internet“. Die Idee dazu kam ihr, als sie auf ihr Mousepad blickte. Auf dem war ein Surfer abgebildet.

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