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Interview
05/22/2021

So lebt es sich als professionelles Lookalike von Prinz William

Nach Feierabend in seinem Brotberuf ist Simon Watkinson der berühmteste Prinz-William-Doppelgänger der Welt. Im Pub muss er längst nicht mehr bezahlen. Nur ein Problem hat er: zu viele Haare (am Kopf).

von Alexander Kern

Die Leitung nach London steht, das Videointerview startet, und natürlich ist man gespannt: Wie wird er aussehen? Ähnelt er Prinz William tatsächlich wie ein Ei dem anderen? Immerhin hat Simon Watkinson einen Ruf zu verteidigen: Man kann ihn als weltweit erfolgreichstes William-Lookalike für Events, Firmenfeiern oder private Auftritte anheuern. Ein königlicher Party-Gag. Dabei ist der vermeintliche Royal eigentlich Australier.

Bei unserem Gespräch sieht er aus, wie Prinz William vielleicht im Urlaub aussehen würde, wenn er neben uns an der Strandbar steht: sportlich, aufgeknöpftes Hemd, sehr entspannt und mit einem Bärtchen im Gesicht. Tatsächlich gleicht er dem Original auf verblüffende Weise. Selbst sein Videoauftritt ist very Buckingham Palace: Als Hintergrund hat Watkinson herrschaftliche Räumlichkeiten mit Deckenstuck, Mahagoni und Kronleuchtern ausgewählt.

freizeit: Simon, wann war eigentlich das erste Mal, als Ihnen jemand gesagt hat, Sie sehen aus wie Prinz William?

Simon Watkinson: Das war, als ich elf Jahre alt war. Eine Tante, die wir aus Australien in England besuchten, sagte es mir. Viel nachgedacht habe ich allerdings nicht darüber. In Australien war William kein großes Thema. Als ich 2006 nach England ausgewandert bin, hat sich das schnell geändert. Auf der Straße, in den Geschäften, den Bars: Jeden Tag halten mich die Leute an, um mich darauf aufmerksam zu machen.

Und so kamen Sie darauf, als professionelles Lookalike von Prinz William zu arbeiten?

Ich hatte keine Ahnung, was ein Lookalike genau macht und wie man damit Geld verdient. Aber ich habe mein Foto an eine Agentur geschickt. Schon am Wochenende darauf hatte ich ein Fotoshooting. Von da an ging es rasant weiter. Das erste Jahr war absolut verrückt. Ich hatte zwei bis drei Jobs an einem Tag. Eine wilde Zeit.

Welche verrückten Dinge haben Sie erlebt?

Ich wurde zu Privatpartys nach Frankreich und Italien geflogen, und nach Deutschland, um an einer Fernsehshow teilzunehmen. Wirklich abgehoben hat das Ganze dann rund um die Hochzeit von William und Kate 2011. Mit dem Kate-Double wurde ich auf einer Pferdekutsche durch London kutschiert. Es war unglaublich, was das auslöste. Paparazzi haben uns geknipst, Touristen bestaunt, die Polizei musste uns eskortieren.

Wird es mühsam für Sie, sobald Sie eine Bar betreten?

Ich mag es. Meine Freundin findet es weniger gut. Sie wird dann nämlich die ganze Zeit darum gebeten, ein Foto von mir mit jemandem zu machen. Mir macht es Spaß. Es gibt eine Menge schlimmerer Menschen, denen ich ähnlich schauen könnte.

Bevor Sie Ihre Freundin kannten, war es wahrscheinlich amüsant, sich bei Frauen vorzustellen mit „Hi, ich bin der zukünftige König von England.“

Ich habe meine Freundin über eine App kennengelernt, da hatte sie schon Fotos von mir als William gesehen. Als ich sie traf, war sie mit ihren Freundinnen aus. Kaum hatte ich das Pub betreten, stürzten sich alle auf mich: Oh Gott, er sieht wirklich aus wie Prinz William! Die Ähnlichkeit hat mir sicher genutzt.

Sie verdanken William eine Karriere. Wäre es nicht Zeit für einen Dankesbrief?

Wenn ich mit ihm sprechen könnte, wäre das großartig. Über ein paar Leute, die ihn kennen, weiß ich, dass ihm bewusst ist, wer ich bin. Er hat meine Fotos gesehen und findet sie amüsant – obwohl einige von ihnen ein bisschen riskant sind (die Fotografin Alison Jackson inszenierte mit royalen Doppelgängern ein parodistisches Fotobuch rund um die Hochzeit, Anm.). Ich würde ihm gerne danken für all die tollen Erfahrungen. Und das verdiente Geld, mit dem ich mir die Anzahlung auf mein Haus leisten konnte.

Welche Erlebnisse sind Ihnen noch besonders in Erinnerung geblieben?

Als ich mit einem Kate-Lookalike mit dem Helikopter zu einer Party geflogen bin, glaubten die Leute wirklich, ich sei Prinz William. Manche brachten gar kein Wort heraus. Dann wieder wurde ich für ein paar Tage zu einer Milliardärsparty nach Hongkong geflogen. Alle Kosten wurden übernommen. Einmal habe ich einen Werbespot für chinesische Milch gedreht, die dann in ganz China im Fernsehen lief. Und als die Royals Australien besuchten, war ich auch da, weil ich für einen Job engagiert wurde.

Kam es zu einem Zusammentreffen?

Nein, wie echte Royals wurden wir dennoch behandelt. Miteingenommen Paparazzi, die uns vor dem Hotel belagerten und sofort ein Foto machten, wenn ich ans Fenster getreten bin. Es war bizarr. Wenn man bedenkt: Untertags gehe ich meiner normalen Arbeit nach. Dann gehe ich nach Hause, erledige den Abwasch, gehe noch mal aus, werde wie ein König behandelt – und wenn der Abend vorbei ist, steige ich in den Bus und fahre wieder heim.

Was ist Ihr normaler Beruf?

Ich habe einen Master in Bau- und Umweltingenieurwesen. Derzeit bin ich Projektleiter für die Lieferung eines neuen Hochgeschwindigkeitsbahnhofs in London, der Teil des größten Infrastrukturprojekts in Europa ist. Kein langweiliger Job, aber auch nicht so aufregend wie mein Job als Lookalike. Beides lässt sich gut vereinbaren. Für Übersee-Jobs nehme ich Urlaub. Für Abendveranstaltungen ziehe ich einfach einen Anzug an und drücke mir die Haare flach.

Was beträgt Ihre Gage für einen Auftritt als Prinz?

Für einen Standardjob, bei dem ich für ein paar Stunden auf einer Party auftauche, komme ich auf 1.000 Pfund. Ist es eine Fernsehwerbung kann die auf 10.000 Pfund kommen. Auch Jobs in Übersee sind teurer. Ich mache das aber nicht nur des Geldes wegen. Und ich verdiene damit kein Vermögen, auch wenn die Leute das denken.

William sind im Gegensatz zu Ihnen die Haare ausgegangen. Würden Sie sich eine Glatze scheren lassen, um weiter als Lookalike arbeiten zu können?

Ich sage dem Friseur immer, dass er mir die Haare ausdünnen soll. Vermutlich bin ich der einzige Mensch auf der Welt, der möglichst kahlköpfig aussehen möchte. Wenn der Preis stimmt, rasiere ich mir auch den Kopf. Aber nicht für eine Nacht. Es müsste schon eine TV-Show sein.

Haben sich die Royals jemals darüber beschwert, was Sie tun?

Ich weiß nur, dass im Buckingham Palace am Eingang Fotos aller Lookalikes hängen, damit die Security uns nicht hereinlässt. Grundsätzlich muss ich sehr vorsichtig vorgehen. Man darf nie behaupten zu sein, was die Leute glauben. Du lässt sie das nur annehmen. Alles andere wäre wahrscheinlich illegal. Fragt mich jemand direkt, antworte ich: Was denken Sie? Und gehe weiter.

Wie ist es, wenn Sie echte Stars treffen?

Witzig, denn viele Promis fragen nach einem gemeinsamen Foto. Verständlich, näher kommen sie praktisch nie an einen Royal heran. Ich habe etwa Simon Cowell getroffen oder One Direction. Es ist bizarr, wenn Nicole Scherzinger einen zur After-Show-Party einlädt. Nur weil ich zufällig wie ein anderer aussehe. Ich habe kein anderes Talent.

Machen Sie sich den Spaß und gehen mit den Lookalikes von Prinz Harry und Herzogin Catherine abends aus?

Ja, nach einem Fotoshooting gehen wir manchmal noch gemeinsam ins Pub und es ist jedes Mal ein Gemetzel. Aber wir bekommen eine Menge Freigetränke spendiert.

Gab es je eine Situation, in der Sie sich unwohl gefühlt haben?

Für einen guten Zweck inszenierten wir für eine Organisation ein Bild, auf dem ich als William mit einem Harry-Doppelgänger halb nackt nach einem gewonnenen Polo-Match in der Garderobe feiere. Das war delikat. Aber ich würde nie etwas tun, das die Royals verärgert. Wenn es als Scherz aufgefasst werden kann, gerne. Alles andere nicht. Vieles kommt daher nicht in Frage. Ich wurde auch gefragt, einen Porno zu drehen. Das Angebot habe ich dankend abgelehnt.

Bekommen Sie viel Fan-Post?

Viele Mädchen schicken mir Nachrichten, wollen mit mir chatten, schicken Fotos. Auch viele schwule Männer schreiben mir. Ich antworte nicht darauf.

Wie lange wollen Sie den Job als Lookalike noch machen?

Solange ich so aussehe wie Prinz William. Hoffentlich bleibt das so. Aber es wird schwieriger, wegen der Haare.

Wären Sie selbst am liebsten Teil der königlichen Familie?

Ich würde das genießen. Allerdings weiß keiner wirklich, wie es ist, so ein Leben zu leben. Der Druck, der auf den Royals lastet, die Traditionen, die es beinhaltet. Das versteht nur, wer in dieser Familie groß geworden ist. Wer einheiratet, wie Meghan Markle, für den ist es schwer zu verstehen, was von einem erwartet wird. Als Star in Amerika kannst du machen, was du willst. Als Teil der Royal Family kannst du das nicht.

ZUR PERSON

Simon Watkinson  wurde im Februar 1982 (Prinz William kam vier Monate später zur Welt) in Adelaide, Australien geboren. Er studierte Bau- und Umweltingenieurwesen, 2006 ging er nach England. Auf Instagram ist er unter @princewilliamlookalike zu finden, über die Agentur „New Lookalikes“ kann er gebucht werden. 

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