© Kurier/Franz Gruber

Interview
01/31/2021

Cool, cooler, Köberl: Unser Weltrekordmann über den Trend Eisbaden

Eisbaden liegt im Trend. Was bringt es? Wie sollte man es angehen? Eisschwimmer und Weltrekordler Josef Köberl weiß es.

von Alexander Kern

Er hat Fans in Indien und Japan. Trägt auch im Winter grundsätzlich kurze Hose. Und er hat zweimal einen Weltrekord aufgestellt: Josef Köberl, der Mann aus dem Eis. Zweieinhalb Stunden stand er dafür in einer Glaskabine, bis zum Hals in Eiswürfeln. Getragen hat er dabei nur eine Badehose. Der Österreicher liebt die Kälte. Und ist damit Vorbild und Galionsfigur für viele, die derzeit das frostige Vergnügen im Wasser für sich entdecken: Eisbaden erfreut sich immer größerer Beliebtheit bei Menschen, die auf diesem Wege ihr Immunsystem und ihre Psyche dauerhaft stärken wollen. Was Anfänger dabei beachten sollten, verrät Köberl im Interview. Und er erzählt über sein Schmerzempfinden, gespeicherte Glücksgefühle – und warum seine Familie und er getrennt auf Urlaub fahren.

freizeit: Herr Köberl, Ihre Elemente sind Kälte und Eis: Was geht in Ihnen vor, wenn Sie sich solch extremen Temperaturen aussetzen?

Josef Köberl: Der Schmerz durch die Kälte kommt in Wellen. Ich bearbeite das mental. Und zwar, indem ich harte, besonders emotionale Situationen, die ich im Training gut gemeistert habe, im Kopf abspeichere. Wenn ich dann in der Eisbox stehe und es geht hart auf hart, greife ich auf dieses Reservoir an Glücksgefühlen zurück. Und breite es über den Schmerz.

Den Kälteschmerz zu leugnen, ihn versuchen wegzudrücken, wäre naheliegend.

Sich vorzustellen, ich liege in der Karibik am Strand, während ich tatsächlich bis zum Hals im Eis stehe – dieser Zugang wäre vollkommen falsch. Du musst die Kälte akzeptieren. Mein Schmerzempfinden ist antrainiert. Die Eiswürfel haben minus vier Grad. Doch durch wiederholtes Vorbereiten darauf halte ich das aus.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Eisschwimmer zu werden?

Ich habe vor zehn Jahren bei einem Bewerb den Hallstätter See durchschwommen. Weil mir das sehr leicht gefallen ist, habe ich angekündigt, auch durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Zur Vorbereitung auf die 15-Grad-Temperatur habe ich im kalten Wasser trainiert. So begann alles.

Eisbaden ist bei immer mehr Menschen angesagt. Was bringt es dem Normalo?

Es nützt auf vielen Ebenen. Einerseits stärken Bewegung und Kälte das Immunsystem. Der ganze Körper wird durchblutet, es ist gut für den Blutdruck. Die Haut verbessert sich. Sogar bei Multipler Sklerose kommt es zum Einsatz. Und ich kenne einige Leute, die durch das Schwimmen in Kaltwasser ihre Depressionen besiegen konnten. Es lenkt sie von ihren Problemen ab, etwas Neues wirkt auf sie ein, das einen positiven Effekt auf sie hat. Das speichern sie ab.

Welche Tipps geben Sie Anfängern, die mit Eisbaden beginnen wollen?

Anfangs beim Arzt unbedingt einen Gesundheitscheck machen – und dabei besonders Kreislauf und Blutdruck unter die Lupe nehmen. Beim Reingehen ins Wasser – mit Boje oder in Begleitung – sich dann Zeit lassen. Je länger das geschieht, desto länger gelingt es einem, im Wasser zu bleiben. Schnell hineinzugehen löst einen Fluchtreflex aus. Stattdessen soll man die Kälte auf sich wirken lassen. Schafft man es anfangs nur, bis zu den Knien reinzugehen, ist das völlig okay. Beim nächsten Mal wird es bereits viel besser klappen. Und: Auf keinen Fall reinspringen!

Und danach?

Beim ersten Mal sollte man nicht länger als zwei Minuten im Wasser bleiben. Danach ist die richtige Bekleidung wichtig: nichts zum Zuknöpfen, keine Schuhbänder. Dafür sind die Hände danach zu klamm. Wer Tee mitbringt, sollte ihn schon vor dem Gang ins Wasser einschenken. Sonst gibt es böse Verbrennungen, weil man so zittert.

Sie halten Kälteseminare, für die Sie ausgezeichnet wurden. Was lernt man dort?

Das Seminar findet in der Eishöhle am Hintertuxer Gletscher statt. Über uns liegen 30 Meter Eis, unter uns liegen 30 Meter Eis, in der Mitte liegt ein wunderschöner See. Die Wassertemperatur liegt bei unter null Grad. In dieser speziellen Atmosphäre tasten wir uns ans Eisschwimmen heran.

Welche Leute kommen da zu Ihnen?

Völlig verschieden, Bankiers, Juristen oder Verkäuferinnen. Und aus aller Welt, Neuseeland, England, Italien oder Belgien. Eine Frau kam aus Mexiko und hatte zuvor noch nie Schnee gesehen. Sie alle sind auf der Suche nach dieser ganz speziellen Ruhe und zugleich dem Adrenalinstoß, der sie beim Eisschwimmen erwartet. Anfangs sind sie euphorisch oder ängstlich. Sobald sie im Wasser sind, ist das wie weggeblasen. Das Wasser hat Minusgrade. Würde man ohne Brille hinuntertauchen, würde sich ein Eisfilm auf der Netzhaut bilden.

Gibt es auch Manager, die einfach nur die Extreme suchen?

Ich führe Vorgespräche. Wenn ich da bemerke, jemand will nur beweisen, wie hart er ist – den nehme ich nicht mit. Da kann er so viel Geld auf den Tisch legen, wie er will. Es geht ja um ganz anderes.

Worum geht es Ihnen?

Es geht um Mut. Sich bewusst etwas zuzutrauen. Durchhaltefähigkeit. Das Gefühl, man könne jede Situation meistern. Darum, dass jeder aus diesem Erlebnis etwas in sein tägliches Leben mitnimmt.

Auch inneren Frieden?

Wenn man ins Wasser geht, spürt man, wie das Blut in die Fingerspitzen fließt und die Hände sich schwer anfühlen. Ich sage meinen Teilnehmern dann, sie sollen sich vorstellen, all ihre Probleme würden in diesem Moment aus ihnen raus fließen. Vielen gelingt das. Der Vorgang hat etwas Spirituelles. Er hilft, zu sich zu finden, Ruhe zu finden in dieser schnelllebigen Zeit.

Sie lieben es kalt, kommt Strandurlaub privat eigentlich dennoch für Sie in Frage?

Es gibt ja auch in Murmansk einen Strand. Oder am Baikalsee. In warme Länder zieht es mich eher nicht. Im Frühling ist Kroatien zum Trainieren noch okay. Doch sobald die 25-Grad-Marke überschritten wird, ist es mir eigentlich schon zu warm. 


Sie sind verheiratet, haben zwei Kinder. Wie geht es der Familie damit?

Meine Frau ist mehr der Thermen-Typ. Wir machen also oft getrennt Urlaub. Ich fahre in den  Norden, sie in den Süden. Grönland oder Island – das wäre nichts für sie. 

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