An schönen Tagen ist der Zugspitzgipfel voll.

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freizeit Reise
08/27/2020

Zugspitze-Jubiläum: Was sind 38 Meter gegen 200 Jahre?

Vor 200 Jahren bestieg ein Tiroler erstmals den höchsten Berg Deutschlands. Seitdem ist amtlich: Die Zugspitze ist kein 3000er.

von Axel Halbhuber

Das Alpinistische dient Nationalisten ja oft als Maßeinheit, besonders in Tausenderschritten. Kaum ein Schweizer kann sich die Frage verkneifen, wie viele Viertausender wir Österreicher denn hätten, und auch wenn es im Land über neunhundert Dreitausender gibt, können wir diese Frage nur mit einem windschiefen Grinsen beantworten. Den aufkommenden Frust lassen die Österreicher gerne an den armen Deutschen aus, die wiederum keinen Dreitausender haben, sondern als höchsten Berg die Zugspitze, den Westgipfel des Wettersteingebirges zwischen Bayern und Tirol.

Die erreicht zwar mit 2.962 Meter nahezu den Dreier, und man könnte auch ehrlich sagen, dass achtunddreißig Meter bei so viel Höhe keinen echten Unterschied machen, aber für den nationalistisch motivierten Alpinisten sind diese fehlenden Meter Grund genug, der Zugspitze die echte Berghaftigkeit abzusprechen.

Dabei hat sie sogar eine eigene Postleitzahl (82475 Zugspitze), was ihr bei täglich über 2.000 eingeworfenen Ansichtskarten am Postkasten da oben durchaus zusteht. Auch sonst ranken sich, wie man so gerne sagt, allerlei Geschichten um diesen Berg – halt nur bis knapp unter dreitausend Meter.

Der Erstbesteiger war Tiroler

Die wichtigste Geschichte wird dieser Tage wieder öfter erzählt, denn am 27. August jährt sich die Erstbesteigung des höchsten deutschen Berges und Punktes zum zweihundertsten Mal: König Maximilian I. wollte für einen „Topographischen Atlas von Bayern“ endlich nachgemessen haben, ob die Zugspitze wirklich die höchste Erhebung des Landes ist.

Also kraxelte der 27-jährige Tiroler Vermessungsingenieur Josef Naus nach Wochen der Sichtung und Planung gemeinsam mit dem deutschen Bergführer Johann Tauschl und dem Messgehilfen Maier, dem die Legende leider keinen Vornamen zugesteht, hinauf. Vermessen konnten die drei streng genommen nix, aber sie waren sich gefühlt sicher, dass das hier der höchste Punkt ist, also hat es schon gepasst.

Und auch wenn der Erstbesteiger also ein Tiroler und somit Nichtdeutscher war, ich wollt es nur gesagt haben, lieben die geliebten Nachbarn ihre Zugspitze wie einen echten Dreitausender. Darüber sollte man keine blöden Witze machen, besonders nicht hierzulande, wo man einen Berg oft als „östlichster Dreitausender der Alpen“ bezeichnet (Dachstein), der nur 2.995 Meter hoch ist.

Der Kaiserstein ist auch hoch

Übrigens: Nur einen Tagesausflug von Wien entfernt liegt der östlichste Zweitausender der Alpen, der Kaiserstein. Dieser Neben„gipfel“ des Hochschneebergs braucht zwar tatsächlich ein Anführungszeichen (ein Gupf ohne Kreuz, nur mit einem Stein drauf), hat aber mit 2.061 Meter zumindest alle Meter für seinen Titel beisammen. Neben ihm blickt man eindrucksvoll in die Abrisse Richtung Voralpen und sieht in der Nacht (bei Übernachtung auf der Fischerhütte) die Wiener Lichtglocke sehr schön. Aber die Zugspitze sieht man von hier nicht.hahu

Top-3

Drei Normalwege Auf den Zugspitzgipfel geht man meist von Nordosten über das Höllental, von Südosten aus dem Reintal und von Westen über das österreichische Schneekar, Karte mit allen Wegen: bergfex.at
Drei Gipfel Vor Sprengarbeiten hatte die Zugspitze Ost-, Mittel- und Westgipfel (der 2.964 Meter hoch war)
Drei Seilbahnen Zugspitzbahn von Ehrwald (Tirol), Eibseebahn von Grainau und Gletscherbahn (Bayern), Infos: zugspitze.at

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