Das Wortspiel „Rein in den Rhein“ passt zur Wasser-Besichtigungstour von Basel.

© Manfred Ruthner

freizeit Reise
08/15/2020

Rheinschwimmen: An Basels Altstadt vorbeitreiben

Im Rhein kann man baden. Im Fluss treibend Basel vom Wasser aus zu betrachten, ist ein besonderes Sightseeing.

Der Treffpunkt mit Guide Barbara liegt unter schattigen Platanen am Ufer des Rhein, beim Bronze-Modell der Altstadt, die am Ufer gegenüber liegt. Mit der Münsterfähre, einer von vier Rollfähren der Stadt, können Fußgänger den Rhein überqueren.

Während der Holzkahn mit der Kraft der Strömung zügig ablegt, treiben einige Schwimmer vorbei. Sie scherzen und lachen, scheinen sehr entspannt zu sein. Vielleicht sollte man es doch versuchen. Es bleibt keine Zeit, länger darüber nachzudenken. Die Anlegestelle ist erreicht, direkt unterhalb des Münsters, mit seinen beiden spitzen Türmen das Wahrzeichen von Basel. Seit tausend Jahren beherrscht das romanisch-gotische Bauwerk aus dunkelroten Sandsteinblöcken das Stadtbild. Im Chorgang, seitlich neben dem Hochaltar, befindet sich der Sarkophag der Königin Anna von Habsburg.

Durch enge Gassen erreicht man das Herz der Altstadt, die größtenteils Fußgängerzone ist. Breite Fachwerkhäuser reihen sich an schmale Fassaden, Blumenschmuck ziert viele Fenster. Jedes Haus ist etwas anders, insgesamt ergeben sie ein wunderschönes Ensemble.

Hosensack-Museum und Imbergässlein

Barbara zeigt uns im Imbergässlein das kleinste Museum der Welt, das Hoosesagg-Museum oder Hosensack-Museum. Im Fenster der Eingangstür werden wechselnde Ausstellungen mit verschiedenen Objekten gezeigt, die sich in einem Hosensack finden lassen könnten.

Wie Fahrscheine, Eintrittskarten oder Feuerzeuge. Die Basler haben ein Herz für Kuriositäten. „Consulate Kingdom of Lepmuria“ prangt auf dem Schild eines schlichten Hauses. Eine Nachbarin erzählt: „Hier ist der Sitz einer der vielen Basler Faschingsgilden. Unlängst waren zwei junge Polizisten hier, die ernsthaft meinten, es müsste sich wohl um ein Land in Afrika handeln!“

Etwas verrückt scheint auch der Tinguely-Brunnen auf dem Theaterplatz. Bizarre Metall-Skulpturen, gefertigt aus Teilen der ehemaligen Bühnenausstattung des Stadttheaters, treiben mit Bewegungen ihre Wasserspiele. Basler verstehen Spass, so feiern sie auch den Fasching länger, dank einer anderen Berechnung der Fastenzeit, das Finale der Fasnacht besonders ausgelassen, sodass sich Basel für zwei Tage in einem Ausnahmezustand befindet.

Bizarre Häuser

Ein Spaziergang zu Basels Bauten renommierter Architekten beginnt beim Hauptbahnhof. Bei dessen Modernisierung wurde auf den Erhalt historischer Substanz Wert gelegt. So blieben die Hallen im Eiffelstil und riesige Fresken mit Schweizer Landschaften erhalten. Hinter dem Bahnhof im Gundeldinger-Quartier, dem früheren Wohnviertel der Bahnarbeiter, erhebt sich ein mächtiges Hochhaus, auf den ersten Blick ein grauer Klotz.

Erst aus der Nähe erkennt man die besonderen Details am Meret Oppenheim Hochhaus, entworfen von Herzog & de Meuron. Die Fassade mit ihren beweglichen und faltbaren Elementen, die der Beschattung dienen, verleiht dem Gebäude ein ständig wechselndes Erscheinungsbild. Einundachtzig Meter hoch liegen in den oberen Etagen Mietwohnungen mit atemberaubender Aussicht über Stadt und Umland. Für 2.500 Franken im Monat (ca. 2.300 Euro) ist eine sonnige Wohnung mit 70 Quadratmetern im 20. Stockwerk noch verfügbar, hört man. Über das Gebäude der Post aus den 1970er-Jahren ist unter den Einwohnern ein heftiger Disput entbrannt: Soll man die „Rostlaube“, benannt nach der rötlich gefärbten Alufassade, erhalten oder abreißen.

Rodin bis Picasso: Museumsstadt Basel

Der Säulenbau des Bündner Architekten Valerio Olgiati steht dafür knapp vor der Fertigstellung. Die Decke jedes Stockwerks wird an der Fassade von markanten Betonsäulen gestützt, die durch ihre Form an Obelisken erinnern. Die Glasfassade des Bauwerks nebenan zeigt ein prächtiges Spiegelbild des Neubaus. Der architektonische Streifzug endet beim Kunstmuseum, das kürzlich durch einen Neubau erweitert wurde. Die Fassade aus flachen Ziegelsteinen wurde grau gestrichen, um sich an das Haupthaus anzupassen. Den Innenhof dominieren die „Bürger von Calais“, eines der zwölf Exemplare der berühmten Bronzeplastik von Auguste Rodin. Das Kunstmuseum mit Werken von Holbein bis Picasso ist eines von vierzig Museen der Stadt, die Basel den Ruf als Kulturhauptstadt der Schweiz eingebracht hat.

Von hier ist man gleich am Rhein. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, viele Basler genießen am Ufer den Sommer. Jetzt heißt es mutig sein, die Entscheidung zum Rheinschwimmen ist gefallen: Kleidung und Habseligkeiten werden in den „Wickelfisch“ gepackt, eine wasserdichte Tasche in Form eines Fisches. Mit dem Sack als Luftpolster zum Stützen wird die Schwimmtour zum überraschend entspannten Erlebnis. Der Rhein ist erstaunlich klar, man gleitet ohne Anstrengung gemächlich mitten durch die Stadt: unter schönen Brücken hindurch, vorbei an der Altstadt mit dem alles überragenden Münster. Nach dreißig Minuten ist der Spaß wieder vorbei, am seichten Ufer warten warme Duschen. Jetzt ist man tatsächlich in Basel angekommen.

Basel ist prächtig, reich an Kultur und Kunst, wo Historisches neben Modernem seinen Platz hat. Und reich an weltoffenen Menschen, mit herzlicher Gastfreundschaft. Begünstigt durch die Lage am Schnittpunkt von Deutschland, Frankreich und der Schweiz, wo man das beste aus drei Kulturen verbindet.

Hopper-Ausstellung in der Fondation Beyeler

Das meistbesuchte Kunstmuseum der Schweiz eröffnete im Jahr 1997. Es liegt inmitten des Parks der Villa  Berower im Ort Riehen (ein Vorort von Basel) mit Blick zum nahen Schwarzwald. Konzipiert wurde es vom italienischen Stararchitekten Renzo Piano. Kunst, Architektur und Natur wurden hier zu einem Gesamterlebnis verbunden. Betrachtet man etwa in einem Ausstellungsraum das Gemälde „Seerosen“ von Claude Monet, fällt der Blick unmittelbar durch das Fenster daneben hinaus auf den Seerosenteich. Die Kunst von Monet wird so mit der Schönheit der Natur in Einklang gebracht.

In einer Sonderausstellung (noch bis 20. September 2020) werden zahlreiche Werke von Edward Hopper (1882–1967) gezeigt, einem der bedeutendsten amerikanischen Maler. Hopper scheint ein Künstler der Stunde zu sein, neben Landschaften zeigt er auch immer wieder Menschen, die sehnsüchtig aus ihren Häusern oder von Balkonen blicken und wie gefangen zu sein scheinen. Das ruft Assoziationen zur Corona-Quarantäne hervor. 
Ein Highlight ist der unter der Regie von Wim Wenders produzierte Kurzfilm in 3-D, der ausgewählte Bilder von Hopper zu einer Geschichte fügt und damit zum Leben erweckt.
fondationbeyeler.ch,  täglich ab 10 Uhr, mit Straßenbahn direkt von Basel aus zu erreichen

Info

Klimafreundliche Anreise Per Flug nach Zürich (z. B. mit  swiss.com; Co2-Kompensation an Wien via climateaustria.at 7 € für Hin- und Rückflug), weiter mit dem Zug (direkt ab Flughafen Zürich nach Basel in ca. 1 Std.). Oder gleich per Bahn in 9:27 Std. von Wien nach Basel, ebenfalls Umstieg in Zürich.
Tipp: Swiss Travel Pass (freie Fahrt mit Bahn, Bus, Schiff, Öffis in über 90 Städten, freier Eintritt in über 500 Museen, uvm.), Preisbeispiel für 3 Tage: 232 CHF (216 €), swisstravelsystem.com

Auskunft Schweiz Tourismus: myswitzerland.com, Basel Tourismus: basel.com

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