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freizeit Reise
07/05/2020

Hawaii: Ein Traum von einer Insel

Zuerst gab es den Toast Hawaii. Dann brachte ein Roman die Inselgruppe direkt in unsere Wohnzimmer. Vor 60 Jahren erschien James A. Micheners „Hawaii“.

von Andreas Bovelino

Genau 12.267,72 Kilometer trennen uns vom Paradies. Luftlinie. Eine Strecke, die nur wenige von uns je zurücklegen werden. Umso hartnäckiger begleiten uns Träume von endlosen Stränden, ewigem Sommer, türkisfarbenem Meer, Blumenkränzen – und sanft groovenden Ukuleleklängen, zu denen schöne Frauen sinnlich die Hüften wiegen. Hawaii war immer schon ein Zauberwort, das Assoziationen heraufbeschwor, Bilder vor unserem geistigen Auge entstehen ließ, zu denen man nicht anders konnte als glücklich zu grinsen.

Sehnsucht auf Toast serviert

In den USA boomten schon Mitte des 20. Jahrhunderts exotische Hawaii-Bars mit Südseetapeten, neonbeleuchteten Kunstpalmen, Stroboskop-Gewittereffekten, von der Decke baumelnden Kugelfischen – und spektakulär überdimensionierten Cocktails, betrieben von Gastronomen, die nie einen Fuß auf eine der acht Hauptinseln des Pazifik-Archipels gesetzt hatten. Aber auch in Deutschland und Österreich stand der Name für erste zaghafte Wirtschaftswundersehnsüchte, die über die gerade erst wiederentdeckte Adria hinausgingen.

Exotic open ham and pineapple sandwich

1955 brachte der legendäre Fernsehkoch „Don Clemente“ eine in jedem Haushalt realisierbare Version dieser großen weiten Welt erstmals auf die heimischen Teller: Als „Toast Hawaii“  – Schinken, Käse UND Ananas, eine Sensation, quasi die kulinarische Verkörperung einer neu erwachten Lust auf Abenteuer und verwegene Exotik.

Ein Buch bringt uns hin

Aber es war vor genau 60 Jahren, dass dieser Traum auch greifbar wurde, dass man regelrecht in ihn eintauchen konnte. Der 1.100-Seiten-Roman „Hawaii“ des Pulitzer-Preisträgers James A. Michener erschien erstmals auf Deutsch. In den USA schon das bestverkaufte Buch des Jahres 1959, wurde es auch in Deutschland und Österreich von den Lesern praktisch verschlungen – obwohl es wesentlich üppiger war als der erwähnte Toast. Auch authentischer. Denn Michener ist für seine akribische und umfassende Recherche berühmt, er lebte jahrelang auf Hawaii, davor längere Zeit in der Südsee, seine Kenntnisse gehen über Dosen-Ananas, Blumenkränze und Tiki-Cocktails weit hinaus, auch wenn er den Lesern in einem überaus spannenden Kapitel sehr genau erklärt, wie die Ananas überhaupt in die Dose kam.

Die Liebe, das Leben, das Meer und ganz großes Drama – alles ist in diesem Buch. Von der Entstehung der Vulkaninsel aus den Tiefen des Ozeans, über die Besiedelung durch wagemutige Polynesier aus der Südsee, die ersten Weißen und Missionare, die der Insel weniger Heil als Probleme und Seuchen brachten, bis zu den neuen Einwanderern aus China, die als billige Arbeitskräfte geholt wurden und es bald zu bescheidenem Wohlstand brachten, und japanischen Schwerarbeitern, die den amerikanischen Traum träumten.

Und ruppigen Abenteurern, denen der Wilde Westen zu zahm geworden war, und die nun auf den Inseln ihr Glück suchten, Plantagen aufbauten, Obst in Konserven stopften und damit Millionäre wurden. Die waren es auch, die 1893 die letzte Königin Hawaiis, Lydia Lili’u Loloku Walania Kamaka’eha, genannt Lili’uokalani, vom Thron putschten und den Boden für die Annexion durch die USA bereiteten.

Nein, nicht alles ist „Tiki“ und „Shaka“ in der Geschichte Hawaiis, auch das zu wissen schadet nicht. Shaka? Das weltberühmte Zeichen der coolen Surfer und Beachjungs der Insel, das mit abgespreiztem Daumen und Zeigefinger: „Hang Loose“, alles easy, alles locker. Weil vieles ist es eben doch.

Aloha ’Oe

Der armen Königin, die eine so wissbegierige wie lebenslustige und vor allem sehr musikalische Frau war, haben wir aber auch einen Song zu verdanken, den wahrscheinlich weltweit niemand NICHT kennt: „Aloha 'Oe“. Den singt dann auch Elvis Presley im Kinofilm „Blue Hawaii“, der zwar nichts mit Micheners Roman zu tun hat, aber erstaunlich bald nach dem Erscheinen des Bestsellers gedreht wurde. Denn in den 1960ern wurde die Insel der Träume zum absoluten „Place to be“ für die Traumfabrik Hollywood.

Natürlich wurde Micheners Opus Magnum, zumindest ein kleiner Teil davon, mit Stars wie Max von Sydow, Gene Hackman, Charlton Heston, Julie Andrews und Geraldine Chapman verfilmt. Presley reiste für „Girls! Girls! Girls“ auch nicht ungern noch einmal auf die Inseln, und für „Südsee Paradies“ gegen Ende der Sechziger gleich ein drittes Mal.

Dazu kamen neue Fernsehserien, die Hawaii gleich wöchentlich in die heimischen Wohnzimmer brachten. „Hawaii Fünf-Null“, das unglaubliche zwölf Jahre lang (1968-1980) seine Fans mit Mord und Verbrechen im Paradies begeisterte – und es seit 2010 wieder tut. Und selbstverständlich unser liebster Schnauzbartträger der Filmgeschichte, Tom Selleck alias Thomas Magnum, dessen Charme man von 1980 bis 1988 genießen durfte.

Die perfekte Kulisse

Der fesche Detektiv löste seine Fälle übrigens nicht auf Hawaii selbst, also der Hauptinsel des Archipels, sondern auf O'ahu, wo die meisten Filme und Serien gedreht werden. Atemberaubend ist hier vieles. der Strand von Waikiki gleich bei der Hauptstadt Honolulu zum Beispiel, wo Reich und Schön und Cool und Superlässig abhängen, aber auch überraschend einsame Buchten und Strände: Papailoa Beach etwa oder Makua Beach an der Nordküste, die unter anderem von den Machern der Fernsehserie „Lost“ als perfekte Kulisse für ihre so schöne wie mysteriöse Insel genutzt wurden.

Game-of-Thrones-Star Jason Momoa ist auf O'ahu geboren, und wenn er nicht – ausgesprochen passend – als „Aquaman“ im Kino Einspielrekorde bricht, liegt er am liebsten vor einem der vielen Strände um Honolulu auf seinem Surfbrett im Wasser und wartet auf die perfekte Welle. Surfen wurde von seinen polynesischen Vorfahren erfunden und genau hier auf dem Archipel Hawaiis, wo von Kindern wie von Königen erwartet wurde, dass sie die Wellen beherrschen, schon vor Jahrhunderten zur Kunstform erhoben.

Hawaii-Feeling

Das beste Rezept also für eine Traumreise ohne großen Aufwand? Einen bunten Cocktail in einem überdimensionierten Glas mixen, bunte Schirmchen drauf, ein paar Stückchen Ananas, sie müssen ja nicht aus der Dose sein und auch nicht UNBEDINGT auf einem Schinkentoast liegen – und dann ab in den bequemsten Stuhl der Wohnung, Micheners Roman auf den Schoß, und nichts kann einen mehr aufhalten. Wer daran Geschmack gefunden hat, hat's übrigens gut.

Der US-Autor, der vor 113 Jahren bettelarm, ohne genauen Geburtsort oder genaues Geburtsdatum zur Welt gekommen ist und mit 90 Jahren als Millionär starb, nimmt einen in Romanen noch in viele weitere Länder mit: „Die Südsee“, nach Andalusien („Kinder von Torremolinos“), Colorado („Colorado Saga“), „Texas“, „Alaska“, „Mexiko“, die „Karibik“, Japan („Sayonara“), Afghanistan („Karawanen der Nacht“), Südafrika („Verheißene Erde“), Polen („Mazurka“) und noch einige mehr. In diesem Sinne: Gute Reise!

Aloha für Anfänger

Aloha: Ein Wort mit vielen Bedeutungen, es drückt Liebe, Sympathie und Mitgefühl aus. Es wird zur Begrüßung verwendet, ebenso wie als Abschiedsgruß.
Aloha-Shirt: Die offizielle Bezeichnung des Hawaii-Hemdes. Erfunden hat es der japanischstämmige Schneider Koichiro Miyamoto, der in den 1920ern aus bunt bedruckten Stoffen seiner alten Heimat Kurzarmhemden nähte. Wird in Hawaii auch bei lockeren Geschäftsterminen getragen, vor allem am Freitag, wenn man sich ins Wochenende verabschiedet: Aloha hat in dem Fall  eine ganz klare Bedeutung.
Hawaii: 137 Inseln, nur acht sind allerdings bewohnt. Hawaii ist die größte, O’ahu und Maui sind die bei Touristen beliebtesten und auch am dichtesten besiedelt. Im restlichen Polynesien bedeutet der Name Heimat oder auch Jenseits, auf Hawaiisch hat er keine konkrete Bedeutung.

Lei: Der in Hawaii typische Halsschmuck aus Blüten und manchmal Federn gilt bei festlichen Anlässen als
offizielles Accessoire.
Tiki: In der polynesischen Mythologie ist Tiki eigentlich der erste Mensch, vom obersten Gott Tane höchstpersönlich erschaffen. Aus Holz oder Stein gefertigt, stellen Tikis Ahnenfiguren dar. Als Tiki-Kultur hat sich über die USA in den 1950ern allerdings ein Stil etabliert, der hauptsächlich in Bars und Restaurants, mit „typischen“ polynesischen und hawaiianischen Versatzstücken arbeitet. Palmen, Blumenkränze („Lei“), Hawaii-Hemden und möglichst große, bunte Drinks. Mai Tai ist ein Klassiker, Scorpion Bowl oder Zombie sind heute dagegen beinahe vergessen.

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