Stubnerkogel in Bad Gastein: Art on Snow - Eisskulpturen.

© Christoph Oberschneider//Gasteinertal Tourismus GmbH

freizeit Reise
11/15/2020

Gastein: Warum die Jugend jetzt hinströmt

Herausgeputzt werden die historischen Bauten in Bad Gastein. Junges Publikum in Bad Hofgastein, sportliche Skifahrer und Tourengeher in Dorf- und Sportgastein.

von Maria Gurmann

Stolz hat Skilehrer Walter Anfang Februar noch erzählt, dass Helene Fischer ihr einziges Konzert im April 2020 in Gastein geben werde – vor 45.000 Zuschauern. Daraus wurde aus bekannten Gründen nichts. Das hindert die Gemeinde und die Investoren aber nicht, weiter an den Bauprojekten zu arbeiten.

Der Kur- und Wintersportort ist auf dem besten Weg, wieder in alter Größe zu erstrahlen. Das historische und das heutige Zentrum rund um den Bahnhof sollen durch einen unterirdischen Fußgängertunnel verbunden werden. Die Renovierung der imposanten, denkmalgeschützten Grandhotels aus vergangenen Zeiten der Aristokratie wie das Hotel Straubinger (1843) und das Badeschloss (1794) wurde begonnen. Die Eröffnung ist für 2023 geplant. Schon vor einigen Jahren entdeckte die kreative Szene aus Berlin und Wien nicht nur die Stadt in der Schlucht, sondern auch die Nachbarorte Dorf-, Sport- und vor allem Hofgastein.

Das bestätigt auch Christine Wendler, die mit ihrem Mann Ulrich das Hotel Bismarck in Bad Hofgastein führt. „Wir haben neues, junges Publikum auch ohne Aprés-Ski-Zirkus.“ Das Nightlife spielt sich in Bad Gastein ab. „Affengeil die Szene dort“, sagen ihre Töchter. Alexandra (26), die Ältere von beiden, wird ins Familienunternehmen einsteigen. Auch die Wendlers nützen die Zeit der zwangsverordneten Schließung für neue Vorhaben. Stillstand kennt die quirlige Hotelierin nicht. „Wir bauen gerade drei Rooftop- und eine Präsidentensuite mit großen Terrassen und Panoramablick.“

Ein Skitag mit Walter

Die Skipässe liegen an der Rezeption, das Hoteltaxi wartet bereits vor der Tür, um das Wiener Paar zur Talstation in Hofgastein zu führen. Zu Fuß wäre es eine Viertelstunde, mit dem Auto drei Minuten – man will ja Kräfte für den Tagesausflug mit dem Bad Hofgasteiner Urgestein Walter sparen.

Die Leihski (für Hotelgäste vom Bismarck minus zehn Prozent) stehen im Sportgeschäft Fleiss bei der Schlossalmbahn bereit, Skilehrer Walter auch. Vor zwei Jahren wurde die neue Gondelbahn eröffnet. „Sie hat die alte Standseilbahn ersetzt. Das wäre schon vor zehn Jahren notwendig gewesen“, meint der 56-Jährige. Als die Standseilbahn das letzte Mal fuhr – sie ist genauso alt wie er – „hab’ ich sie noch einmal geküsst“. Während der Bergfahrt erklärt er das Panorama.

Der Start einer der längsten Abfahrten der Ostalpen (10,4 Kilometer und 1.457 Höhenmeter) ist auf der Hohen Scharte (2.300 Meter). Ein Vergnügen für Non-Stop-Abfahrer. Den Funslope mit den herrlichen Kurven muss Walter mit seinen Gästen ein paar Mal fahren. Genauso die permanente Rennstrecke mit Zeitmessung und Videoaufnahme. Die Jungen quietschen vor Freude, die Oldies strahlen ob ihres wiedergewonnenen Kindseindürfens.

An einem Tag lassen sich alle Möglichkeiten der Skischaukel Schlossalm-Angertal-Stubenkogel und Sportgastein, die Bad Hofgastein und Bad Gastein verbindet, gar nicht ausschöpfen. Es soll ja auch noch Zeit bleiben für einen Stopp in der Weitmoser Schlossalm Skihütte. Dort wird das eigene Bio-Beef vom Bauernhof auf dem Lavastein gegrillt.

Walter, der gelernte Uhrmacher, kennt jede Hütte, jede Abfahrt und jeden Winkel des Gasteinertals. Der Hofgasteiner ist bekannt für seine Reparaturen von Pendeluhren. „Die bringen sie von überall her, weil ich noch das Werkzeug und die Ersatzteile hab’.“ Seine Eltern hatten zwei Uhren- und Juweliergeschäfte in Hofgastein. Die gibt’s nicht mehr, aber er werkt weiter. Die Uhren sind dem Pongauer genauso ans Herz gewachsen wie seine Stammgäste als Skilehrer. „Jedes Jahr kommt ein Skiklub aus Irland mit achtzig Leuten. Da wird viel Ski gefahren und auch getrunken.“ Nachsatz: „Aber nie randaliert.“

Randaliert wird auch nicht an dem Skitag mit den Wiener Gästen. Nach der Mittagspause geht sich noch ein Abstecher nach Sportgastein aus. Vorbei am Skizentrum Angertal – der perfekte Einstieg für erste Schritte am Schnee, egal ob Jung oder Alt – über den Stubner- auf den Kreuzkogel auf 2.986 Meter. Hier warten auf Adrenalin-Junkies, die auf der Suche nach Herausforderungen sind und Tiefschneeabfahrten mögen, die perfekten Hänge.

Zurück im Quartier ist die Frage, ob sich noch eine Partie Eisstockschießen mit dem Hausherrn Ulrich Wendler, eine Pferdeschlittenfahrt im Naturschutzgebiet Kötschachtal oder eine Runde auf der beleuchteten Langlaufloipe, die direkt vor der Tür des Hotels Bismarck startet, ausgeht. Nichts davon. Lieber die Muskeln in der Sauna, in einem der bacherlwarmen Thermenpools und beim Masseur entspannen, bevor Christine Wendler geschickt und raffiniert die Gäste in einen der Restauranträume platziert.

„Wir sind ein Hotel für Familien – kein Kinderhotel –, für Paare und Singles. Ich habe ein gutes Bauchgefühl, wem ich welche Tische anbiete. Ich möchte alle meine Gäste glücklich machen“, lacht die Hausherrin. Sie erinnert an Hotelchefin Simone Ronacher in Bad Kleinkirchheim, wenn sie jeden einzelnen Gast mit Namen anspricht und alle Sonderwünsche der Stammgäste kennt.

Fit für die nächste Skirunde auf der Bad Gasteiner Seite und den Graukogel ist das Wiener Paar am nächsten Tag. Julia, die 20-jährige Hofgasteiner Skilehrerin ist diesmal dabei. Sie kennt, wie Kollege Walter, jeden Berg und die schönsten Abfahrten. Gestartet wird bei der Stubnerkogelbahn.

Auf dem Gipfel wird man von einer riesengroßen Eisskulptur, ein Wolf, begrüßt. Atemberaubend der 360-Grad-Panoramablick auf die umliegende Berglandschaft. Ski abschnallen, in der märchenhaften Eiskapelle kurz innehalten, vom Aussichtspunkt einen Blick auf den Großglockner werfen und natürlich einmal auf der 140 Meter langen Hängebrücke hin- und hergehen, bevor der sportliche Teil auf reinem Naturschnee am Graukogel beginnen kann.

Wenn Urlauber überlegen, in welchem der Orte im Gasteinertal sie sich einquartieren sollen, dann bringt Walter ihnen mit einem Witz bei, wo’s am besten ist. „Was ist das Schönste an Bad Gastein? Der Blick auf Hofgastein!“

A - wie Abseits der Piste

Eintauchen in einen  der vier Thermen-Pools (33 Grad) im Hotel Bismarck in Bad Hofgastein. Zwei von ihnen dampfen im Freien zwischen Schnee und Eis und sind am schönsten in der blauen Stunde oder beim „Kerzen-
scheinbaden“ nach dem Abendessen. Danach rasten im 1.700  großen Wellness- bereich, der in Ruhe- und Familientherme getrennt ist.

Abfahren auf einem Husky-Schlitten in Sportgastein. Die Tiere werden  gemeinsam vorbereitet und eingespannt. Zwischen  zwei  und   sechs  Huskies ziehen dann den Schlitten über die Trails. Auch für Kindergruppen gibt es bei einem Husky- Erlebnistag Spannendes. Neben der Betreuung und Versorgung der ruhigen Tiere gilt es, das erste kleine Musher Diplom zu erwerben. Tel. 0664/529 35 89

Hineinbeißen in eine der Spezialitäten von Hauben- köchen wie etwa Johanna Maier. Die „Gasteiner Skihauben“ ermöglichen es den Wintergästen, innerhalb einer Urlaubswoche jeden Tag ein anderes Haubengericht zu genießen und dabei  eine neue Hütte kennenzulernen. Auf jeder Hütte wird eine andere Speise  – nach dem Rezept des jeweiligen Spitzenkochs –  zubereitet. Unschlagbar ist der Preis:  maximal 15 Euro pro Gericht.

Infos

Klimafreundliche Anreise Von Wien nach Bad Hofgastein mit Umstieg in zirka vier Stunden. oebb.at

Quartier Hotel Bismarck 4*-Superior in Bad Hofgastein, gemütlich, familiär geführt. 75 Zimmer und Suiten, Spa, Wellness, Fitness. Skipass an der Rezeption, kostenloser Shuttle vor der Tür.  Von Falstaff ausgezeichnete Gourmet-Vitalküche. 

Rodeln Mit dem uralten 1er-Sessellift auf die Bellevuealm Skihütte (eine der ältesten)  um 5 € und 2,5 km  auf der  hauseigenen Bahn hinunterrodeln. Leihrodel  4,50 €, bis 24 Uhr

Skipass Hauptsaison Ski amadé Erwachsene 58,50 €/Tag, Kinder 29 €/Tag. Alle Preise auf skiamade.com 

Skischule Alle im Gasteinertal unter skigastein.com/de/skigebiet/infrastruktur/skischulen

Auskunft gastein.com 

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