Eine wilde Gruppe, die an Besucher gewöhnt wird, muss auch Jungtiere haben.

© Halbhuber Axel

freizeit Reise
02/21/2021

Ein Ranger in Uganda erzählt: „Gorillas mögen Weiße lieber“

Die Ranger im Bwindi Park erleben täglich, was für Touristen einmalig ist: Gorillas in der Natur. Ein Ranger erzählt im Video.

von Axel Halbhuber

Dieser Tage gab es eine erschreckende Meldung: Touristen könnten die Berggorillas mit Covid anstecken. Die Warnung kam von der Oxford Brookes University, nachdem Social Media-Videos auftauchten, in denen Gorilla-Touristen zu nahe bei den Tieren stehen - und vor allem ohne Maske. 

Das überrascht einen, der gerade in Ugandas Bwindi Impenetrable Nationalpark die Menschenaffen besucht hat. Dort würden die Ranger einen verjagen, wenn man bei Gorillas, zu denen auch der Mindestabstand von sieben auf zehn Meter erweitert wurde, die verpflichtende FFP2-Maske vom Gesicht zöge. Zum Beispiel Miel Mfitumukiza, der schon alle Rollen inne hatte: Denn um im Bwindi Impenetrable Nationalpark wirklich Gorillas zu sehen, braucht man Hilfe: Die Tracker wissen, wo sich die Gruppen gerade aufhalten. Die Porter aus den umliegenden Dörfern tragen gegen Gebühr die Rucksäcke der Touristen und manchmal die Touristen selbst, wenn sie den stundenlangen Dschungelweg nicht schaffen. Und die Ranger erklären – sie sind das Bindeglied zwischen exotischer Natur und neugierigen Gästen. Miel Mfitumukiza ist einer von ihnen und er gab dem KURIER ein Video-Interview (unten).

Ranger im Interview

Der 30-Jährige kennt den Bwindi-Park, in dem mit 460 Tieren etwa die Hälfte aller Berggorillas leben, so gut wie wenige. Ein Leben als Ranger war sein Kindheitstraum und der Weg aus bäuerlicher Armut.

KURIER: Sie haben gesagt, wir hatten heute Glück, weil wir schon nach einer Stunde bei der Gorillagruppe waren. Wie lang geht man sonst?

Miel Mfitumukiza: Das war eine der kürzesten Wanderungen, die wir je hatten. Meist braucht es zwei bis drei Stunden, bis man sie findet, manchmal den ganzen Tag. Zwar gehen die Tracker den Gorillas nach, bis sie ein Schlafnest bilden, so wissen wir, wo sie über Nacht sind. Trotzdem kann die Gruppe am nächsten Tag schon wieder weit gezogen sein.

Sie sind den Tieren auch als Tracker nachgelaufen.

Ich wuchs in einem Dorf neben dem Mgahinga Nationalpark auf (das zweite, viel kleinere Gorilla-Schutzgebiet Ugandas) und sah als Kind die Ranger mit ihren Uniformen und Gewehren. Ich mochte ihre Arbeit, die Natur zu schützen, außerdem liebte ich Tiere. Das war die Arbeit, die ich machen will. Aber meine Eltern sind Bauern und für die Ranger-Ausbildung muss man die Secondary School abschließen (bis etwa 16 Jahre). Und man muss fit sein.

Also war es hart, zur Ausbildung zu kommen?

Mit 20 Jahren hatte ich das große Glück, dass mich die Uganda Wildlife Authority aufnahm, zuerst hatte ich drei Monate paramilitärisches Training für den Umgang mit Waffe und Uniform, dann begann ich als Tracker. Weil ich mich sehr für das Wildlife interessierte und gut Englisch spreche, fragte mich mein Chef, ob ich zum Guiding wechseln will. Seit 2011 bin ich nun Ranger und kann Touristen etwas über den Schutz des Gorillawaldes weitergeben.

So wie uns über die Mishaya-Group.

Ja. Mishaya starb übrigens vor sieben Jahren. Er fraß in einem Baum, der nachgab und Mishaya stürzte ab, war sofort tot. Der zweite Silberrücken Tinfayo übernahm die Gruppe, er ist wahrscheinlich Mishayas Sohn, aber genau wissen wir das nicht. Denn als diese Gruppe habituiert wurde, war er schon da.

Wie läuft eine Habituation genau ab?

Wenn wir eine neue wilde Gruppe an Menschen gewöhnen wollen, suchen wir eine mit zumindest sieben gemischte Individuen: Männchen, Weibchen und Junge. Weil die noch wachsen wird. Anfangs folgen wir ihren Wegen, sie laufen weg, wir gehen nach. Manchmal versuchen sie uns zu verjagen, aber weil wir weder den Kampf erwidern noch weglaufen, akzeptieren sie uns nach etwa einem Jahr. Dann werden sie neugierig, beobachten uns, wir imitieren sie: zupfen Blätter und tun so, als ob wir fressen. Nach zwei Jahren kommen sie uns schlussendlich nahe. Dann können Touristen kommen.

Verunsichern die neuen Gesichter die Tiere nicht?

Sie mögen die weißen Touristen sogar lieber. Sie schauen für sie alle gleich aus und sie verbinden mit ihnen keine Erinnerung. Uns nehmen sie übel, dass wir ihr Verhalten geändert haben, die Weißen sind unschuldig für sie. Und ohne Touristen könnten wir die Gorillas nicht schützen. Außerdem fließen über zwanzig Prozent des Geldes in local communitys.

Danke für das Gespräch.

Info

Bwindi Nationalpark Im  Südwesten Ugandas lebt hier die Hälfte alle Berggorillas. Die anderen verteilen sich auf die Virunga-Berge zwischen der DR Kongo, Ruanda und Uganda. ugandawildlife.org

Unterkunft & Reise Schön mit Blick auf Lake Mutanda: Chameleon Hill Lodge (ab 205 €/P. VP/DZ): chameleonhill.com
Pauschalreisen bietet etwa Akwaba Afrika: akwaba-afrika.de 

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