Gradonna Mountain Resort in Kals am Großglockner.

Gradonna Mountain Resort in Kals am Großglockner.

© Maria gurmann

freizeit Reise
03/05/2020

Warum Luxushotels im Trend liegen

Die Anzahl der Vier- und Fünfsterne-Hotels steigt in Österreich. Protzen ist out. Genießen auf höchstem Niveau ist in.

von Maria Gurmann

Besondere Zimmer mit Geschichte, Übernachten im Planwagen oder unter dem Sternenhimmel. „Anders als die anderen“ – das ist das Motto von Alois Gmeiner, der sich als Kreativcoach bezeichnet und Hoteliers neue Ideen liefert. „Man muss sich nur von der Umgebung, der Natur und der Geschichte inspirieren lassen“, ist Gmeiner überzeugt.

„Vor allem das emotionale Erlebnis zählt – am besten so außergewöhnlich, exklusiv und einzigartig wie möglich“, ist auch die Luxusreisen-Expertin der Tui-Gruppe, Claudia Janner-Moser, überzeugt. Der Trend gehe, neben Erlebnisgastronomie und -hotellerie immer mehr zum immateriellen Luxus. Der besondere Moment soll in Erinnerung bleiben. Einstellung und Kaufverhalten der Luxuskonsumenten haben sich gewandelt. Sie fragen heute nach „erlebbarem Luxus“ – speziell in Form exklusiver Urlaubsreisen. Janner-Moser: „Protzen ist out. Auf Reisen möchten die oberen Zehntausend ihr Geld subtiler anlegen.“ Und doch ist der Fünf-Sterne-Kunde anspruchsvoller als der Gast einer Frühstückspension. Er ist bereit, mehr für den Aufenthalt zu zahlen und hat daher eine entsprechend höhere Erwartungshaltung. „Sparen hat ausgedient, ein großer Teil der Generation 50 plus möchte sich etwas leisten, das Leben genießen. Daher wird die Nachfrage nach hochwertigen Hotels immer beliebter“, meint die Touristikerin von Tui.

Dass Luxushotels, die Außergewöhnliches bieten, gefragt sind, bestätigen auch die Zahlen der Österreichischen Hotelklassifizierung der Wirtschaftskammer. Seit 2015 stieg die Anzahl der Vier-Sterne-Superior und Fünfsternehotels in Österreich um 13,8 Prozent auf 362. Tirol führt im Ranking mit 153 Luxushotels (siehe Grafik).

Exklusiv und unvergesslich

Auf diesen Luxus-Trend setzt auch das neue Internetportal superiorhotels.info, das das Marktsegment der gehobenen Hotellerie möglichst umfangreich präsentieren will. Redaktionsleiter Roland Bamberger definiert Luxushotels so: „Es geht weniger um Glamour als um großzügigen Raum und besonderes Design. Oft sind es auch außergewöhnliche Ausblicke, naturnahes Ambiente und natürlich das gewisse Extra an Aufmerksamkeit, die ein Gefühl von Luxus erzeugen.“ Beispiele, die das Gefühl von Luxus vermitteln, gibt es genügend. Auf perfektes Concierge-Service legt man etwa in den familiengeführten Edelherbergen, wie dem Hotel Ronacher in Bad Kleinkirchheim, dem Hotel Post in Lech, dem Zürserhof in Zürs oder dem Hotel Bismarck in Bad Hofgastein, wert. Wer eine Suite bucht, wird rund um die Uhr von einem Hausbutler betreut: Er bringt Skier zum Wachseln, ist Begleiter beim Shoppen, packt Koffer aus und ein oder sitzt auf Wunsch mit den Kindern vor dem Fernseher, während sich die Eltern das Gourmetmenü im hoteleigenen Haubenrestaurant schmecken lassen. Oberstes Gebot ist Diskretion. Über Namen, Vermögen, Beruf und Vorlieben der betuchten Gäste wird eisern geschwiegen. Wer etwa in der größten Penthousesuite des Landes – 520 Quadratmeter groß, fünf Schlafzimmer für zehn Personen, Rundumblick auf Natur und Berge – nächtigt, wird auch im Kempinski Hotel das Tirol in Jochberg bei Kitzbühel nicht verraten.

Ein G’spür für Tourismus-Trends hat auch das Tiroler Geschwisterpaar Heinz und Martha Schultz. Am liebsten stellen sie ihre luxuriösen Herbergen in luftige Höhen. „Wer Party sucht, ist bei uns falsch“, sagt Martha Schultz, die auch Vize-Präsidentin der WKO ist. Richtig so, denn das größte Spektakel ist im Gradonna in Kals am Großglockner die gewaltige Kulisse. Auf über 1.300 Meter Höhe wurde aus viel Holz und Glas das Mountain Resort wie ein alpines Amphitheater gebaut. Schultz: „Das Bisschen mehr an Empathie, das Bisschen mehr an Service machen die Qualität aus.“ „Ski in, Ski out“, Kulinarik, Panorama. Das sind auch die Trümpfe vom Albergo auf 2.400 und von der Wedelhütte auf 2.300 Meter im Zillertal. Nur sechs bis zwölf Suiten, Infrarotkabine im Zimmer mit Fernblick, Spa mit Sauna und Whirlpool. Und das Schönste: Nach 16 Uhr, wenn die Lifte sperren und die Skifahrer zum Après Ski ins Tal wedeln, den Sonnenuntergang in aller Stille genießen.

Luxus für jeden Geschmack

„Das Bild von Luxus hat sich in den vergangenen Jahren verändert“, erklärt Ruefa-Geschäftsführer Walter Krahl und zählt drei Kategorien auf. Da gebe es die bekannten Hotels wie das Ritz in Paris oder das Sacher in Wien, in denen die Stars absteigen. „Gediegene Ausstattung, perfektes Service, bisschen old fashioned.“

Opernball 2018

Eher jüngeres Publikum (Double Income no Kids) in lässiger Kleidung sieht man in Lifestyle-Hotels: Cooles Design (z. B. Philippe Starck), kühleres Ambiente, aber mit all dem Komfort ausgestattet, den Superior- und Fünfsternehotels bieten.

ITALY-DESIGN-FAIR

Und dann gibt es noch die Nobelherbergen ohne Sterne. Krahl: „Das greift immer mehr um sich. Konzepthotels gehen ihren eigenen Weg ohne Rücksicht auf Sterne, bieten aber im Rahmen ihrer Ideen und Angebote jeden erdenklichen Luxus.“

Das klassische Frühstückshotel habe seine besten Zeiten hinter sich, meint der Ruefa-Boss. „Familien gehen dann gleich in Apartments, die über mehr Platz verfügen. Paare wählen lieber ein Hotel mit Wellness – ein Must-have.“

Etwas anderer Meinung ist Tui-Verkaufsmanagerin Janner-Moser. „Auch wenn Luxushotels boomen, heißt das nicht, dass die Drei-Sterne-Hotels oder Frühstückspensionen aussterben.“ Die Ansprüche der Kunden sind höher geworden und damit müssen auch die Drei-Sterne-Betriebe entsprechend investieren, sind sich Janner-Moser und Martin Fast einig – der Geschäftsführer von Rewe Austria Touristik. Ein gutes Beispiel, wie Drei-Sterne-Hotels erfolgreich funktionieren können, „sind unsere Cooee alpin Hotels, bei denen das Preis-Leistungsverhältnis perfekt abgestimmt ist“, sagt Fast, der die Hard- und Software-Kriterien, nach denen in Österreich die Kategorisierung erfolgt, positiv sieht, weil sie den Konsumenten eine gute Orientierung geben.

In einem Punkt sind die Reiseexperten einig: Der Kunde möchte als Individuum wahrgenommen und nicht in ein Korsett gesteckt werden. Um Individualität bieten zu können, müssen Hoteliers kräftig investieren. Wichtig sind Themenhotels, die sich auf eine Nische spezialisiert haben. „Urlaubssuchende sind bereit, für Erholung mehr auszugeben“, resümiert der Rewe-Chef. Und die Statistiken geben den Touristikern recht: In Österreich sind innerhalb von fünf Jahren 44 neue Luxushotels entstanden.

Internationale Luxusherbergen

Schwimmen mit Schweinen: Big Major Cay – 125 km von Nassau entfernt – ist eine unbewohnte Insel auf den Bahamas. Nicht wegen des Traumstrands, sondern wegen der herzigen Schweine begeben sich viele Touristen auf diesen Luxustrip. Die Insel  –  Pig Beach – wird  von Wildschweinen bewohnt, die mit den Gästen gerne im kristallklaren Wasser schwimmen.

Schmusen im Baumhaus Im Treehotel in Schwedisch- Lappland  kann man eine sehr besondere Nacht in einem von sieben unterschiedlichen Baumhäusern verbringen: Die Stile reichen von Cube über Ufo bis Vogelnest, am höchsten hängt „The Cabin“ (Bild). Alle sind romantisch und edel eingerichtet. Auch Touren möglich.

Schlafen in der Bubble In den französischen Gemeinden La Bouilladisse und  Allauch bietet der Familienbetrieb Attrap’Rêves insgesamt acht Zeltblasen für Sternderl- schauer. Jedes der 11-m²-Zelte verfügt über ein eigenes Hütten-Badezimmer im Wald. Teleskop und Sternenkarte stehen bereit. In der  Komfort- variante sind Frühstück und Naturwhirlpool inkludiert. attrap-reves.com/en

 

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