© Popp Hackner

freizeit Reise
10/21/2021

Bunte Welt: So habt ihr Wien garantiert noch nie gesehen

Vom Kaiserwasser bis zum Kahlenberg – die Wiener City und die Weinberge der Stadt leuchten jetzt in den schönsten Farben.

So ist der Herbst am schönsten: Wenn sich nach den ersten richtig kalten Nächten mit nur wenigen Plusgraden eine Nebelschicht auf dem  – relativ gesehen –  warmen Wasser bildet. Manchmal sind es nur dünne Schleier, die schon bei den ersten Sonnenstrahlen, wie von Geisterhand gelenkt, an der Oberfläche herumtanzen, sich dann jedoch bald auflösen. Nur an wenigen Tagen im Herbst verbreitet sich der Bodennebel weit über die Donau hinaus, „fließt“ über die halbe Stadt und ist so dicht und zäh, dass nur einzelne Hochhäuser daraus hervorragen (siehe Seite 18). Das sind die besten Morgen! Freilich aus der Sicht einer Fotografin, denn wer sonst würde  gern so früh, noch im Dunkeln, rauf auf den Leopoldsberg fahren, um das Schauspiel bei Tagesanbruch festhalten zu können? 

Wien versus Restösterreich

Für alle, die später aufstehen, bleibt nur, über die feucht-kalte Nebelsuppe zu jammern, die mittlerweile aufgestiegen ist und jegliches Sonnenlicht blockiert. Es dauert oft bis in den Nachmittag hinein, bis sie sich auflöst. In Wien kennt man diese Wetterlage ja zur Genüge, wenn halb Österreich über letzte sonnige Tage juchzt und jubelt und wir Wiener samt dem übrigen Tullner Becken vielleicht schon die erste Eisschicht vom Auto kratzen. Wen wundert’s, wenn wir da manchmal etwas mürrisch rüberkommen?
 

An der schönen, bunten Donau

Doch es gibt so einige Gründe, weshalb wir in Wien mit unserem Herbst recht zufrieden sein dürfen. Zum einen ist Wien sehr reich an schönen Gewässern, und Herbstspaziergänge  am Wasser sind besonders schön! An der Alten Donau etwa. Rund ums Kaiserwasser spiegeln sich nicht nur imposante Bauwerke, sondern auch bunte Bäume und Sträucher im glasklaren Wasser. Bei der Wiese vor dem Arcotel stehen übrigens uralte Pappeln, die aus jener Zeit stammen, als hier noch dichter Auwald vorherrschte und die Auhirsche röhrten. Am Kaiserwasser entlang und weiter Richtung Gänsehäufel und Strombucht finden sich immer wieder kleine Brücken und Stege, von denen aus es sich besonders gut ins und über das Wasser starren lässt.

Auch entlang der 42 (!) Kilometer langen Uferlinie der Donauinsel gibt es im Herbst enorm viel zu entdecken. Anders als im Sommer sieht man nun fast überall bis auf den Grund. Große rote Blätter sinken zu Boden und bescheren selbst den vielen kleinen und großen Fischen über die Gasometer bis zu den Bürotürmen der Donau City. Herbstidylle und die sich ewig wandelnde Großstadt, stille Natur und dahinter pulsierende Stadtlichter! Gut, vielleicht spricht hier ja wieder nur die Fotografinnenseele aus mir.

Weltrekord in Wien

Weil hier schon von einem Weltrekord die Rede war: Es ist ja hinlänglich bekannt, dass Wien einen rekordverdächtigen Anteil an Grünflächen sein Eigen nennt. Über die Hälfte des Stadtgebietes ist mit Grünflächen bedeckt. Im Herbst sollte man allerdings besser „Buntflächen“ sagen. Natürlich, der Biosphärenpark Wienerwald und der Nationalpark Donau-Auen, mit der Lobau als Wiener Anteil, spielen da eine nicht unerhebliche Rolle. Beides sind fantastische Gebiete für Herbstwanderungen, zu Fuß oder am Bike! 

Aber der Herbst  zieht sich ja auch mitten durch die Stadt und begegnet uns an fast allen Straßenecken und sei es nur in Form knallrot bewachsener Hausmauern. Volksgarten, Burggarten, Stadtpark, Augarten, Pötzleinsdorfer Park, Schlosspark Schönbrunn, WIG samt Kurpark Oberlaa und noch so viele weitere Orte  – sie alle zählen zu meinen Lieblings-Naturschauplätzen in Wien. Nicht nur im Herbst. Und auch der Zentralfriedhof gehört dazu.  Ja, Sie haben richtig gelesen. Die vielen großen Bäume, in Alleen angeordnet oder verstreut auf dem Friedhofsgelände und der so verwunschen aussehende alte jüdische Friedhof sind im Herbst besonders fotogen. Abgefallenes  Laub als Farbkleckse auf Grabsteinen, mit Tautropfen behangene Spinnennetze auf Kreuzen und dazu das Gekrächze der Saatkrähen. Hier kann man eine so richtig gute Herbstmelancholie aufreißen.

 Zwischen den Gräbern trifft man mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Rehe, vielleicht sogar auf einen Hasen oder einen Igel oder entdeckt eine Waldohreule. Der Zentralfriedhof ist bekannt für seine Tierwelt. Vielfältiges Leben an der Stätte der ewigen Ruhe. Es sind vielleicht diese kleinen schönen Dinge, die einen dann die Melancholie versüßen und unsere Wiener Seele so unverwüstlich machen. Möge er nur kommen, der Winter! 

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