Mostar, die geteilte Stadt der Brücken

Mostar, die geteilte Stadt der Brücken
Die verwinkelten Gassen und Erzählungen über Krieg und Brückenspringer lassen sich am besten bei einer Free Walking Tour entdecken.

Wenn man ein echter Einwohner Mostars werden will, muss man einmal im Leben von der alten Brücke „Stari Most“ gesprungen sein, erklärt Ševko, der Guide einer Free Walking Tour.

Denn Mostar bedeutet auf Bosnisch „Brücke“. Dennoch besteht die Stadt im Süden Bosnien-Herzegowinas aus zwei Teilen. Einem muslimischen und einem kroatischen – Spuren des Krieges, der hier von 1992 bis 1995 tobte.

„Jeder, der über 25 Jahre alt ist, hat das alles hier noch erlebt, manche haben Verwandte verloren, das ist nicht leicht zu vergessen“, sagt Ševko. Er beschreibt das absurde und verwaltungsaufwendige zweigeteilte System Mostars und des sogar dreigeteilten Bosnien-Herzegowinas: Zwei Krankenhäuser, zwei Mobilfunkanbieter und zwei Feuerwehren gibt es – je eine für Bosnier und eine für bosnische Kroaten.

Mostar, die geteilte Stadt der Brücken

Mostar von oben

Ševko führt die Gruppe durch die engen Gassen, die mit rutschigem Kopfsteinpflaster bestückt sind. Während einige Touristen Schwierigkeiten haben, die teils steilen Wegen zu begehen, läuft Ševko mit Flip Flops voran. Gefühlt grüßt er jeden zweiten Einwohner der Stadt.

Mostar, die geteilte Stadt der Brücken

Ševko von Shevas Walking Tour

Im muslimischen Teil begeistert der Basar mit bunten, orientalischen Lampen, Kaffeemühlen und dazugehörigen Kochsets, die teils von den örtlichen Schmieden handgemacht werden.

Händler preisen lautstark ihre Waren an, an jeder Ecke wird verhandelt. In den zahlreichen Cafés kann die Spezialität probiert werden: Die Gastronomen unterscheiden sogar zwischen türkischem und bosnischem Kaffee. Der Unterschied liegt im Kupfergefäß.

Dazu gibt es Lokum oder Baklava. Aus den Hinterhöfen dringt der Duft von lokalen Spezialitäten wie dem heimischen Fisch, Dolma (gefüllte Weinblätter), Sarma (Krautwickel) und der üppigen Grillplatten auf die Straßen.

Idyllische Gärten

Zu den Moscheen gehören idyllische Gärten und Brunnen, die Minarette bieten für Menschen ohne Platz- und Höhenangst einen wunderbaren Ausblick. Höher ist nur der Friedensglockenturm, den man von den Minaretten aus gut sehen kann. Ševko erzählt über die Wasch-Riten und, dass Katzen die einzigen Tiere sind, die die muslimischen Kultstätten betreten können.

Mostar, die geteilte Stadt der Brücken

Die im Jahr 1557 erbaute Karadozbeg-Moschee mit umliegendem Friedhof steht Besuchern offen, das Minarett kann bestiegen werden. Der Imam gibt Führungen auf Englisch.

Etwas außerhalb der Altstadt am Bulevar, der die zwei Stadthälften trennt und in dessen Mitte sich die einzige Schule Südbosniens befindet, in die alle Konfessionen gehen, findet man an den Ruinen noch Einschusslöcher.

Stadt der Gegensätze

Vom spanischen Platz sieht man den Sniper-Turm. Die Vorstellung, dass hier vor fünfundzwanzig Jahren Scharfschützen lauerten, ist gruselig. Die Tour ist deshalb ein wenig deprimierend, findet auch Ševko. Doch er müsse nun mal die Wahrheit erzählen.

Mostar, die geteilte Stadt der Brücken

Zahlreiche Ruinen wie der Sniper-Tower erinnern immer noch an den Krieg. Hier lauerten die Scharfschützen.  

Obwohl der Guide klagt, dass vor allem junge Menschen die Gegend verlassen würden, liebt er seine Stadt. Die vielen kleinen Kaffes, Pubs, Schmieden und Restaurants hätten es ihm angetan.

Es ist eben eine Stadt der Gegensätze – auch das Nachtleben. Wer am Abend auf dem kleinen Platz vor dem „Black Dog“-Pub auf Polstern zwischen Rucksacktouristen und Einheimischen Platz nimmt und ein Kraft-Bier trinkt, der kann den hiesigen Bands lauschen. Sie spielen internationale Hits und bosnische Folklore, unterbrochen werden sie nur vom Ruf des Muezzins oder vom Schrei eines Brückenspringers.

Wer es übrigens wirklich wagen will, sich die etwa 30 Meter in die Tiefe fallen zu lassen, muss erst ein Training bei den Brückenwächtern absolvieren, Vorführungen gibt es aber täglich.

Anreise
Der internationalen Flughafen in Mostar ist wenig frequentiert. Busverbindungen gibt es von Sarajevo, Zagreb, Dubrovnik und Split oder Kotor, eine Zugverbindung zwischen Ploce, Mostar und Sarajevo. Die Anreise mit dem Auto empfiehlt sich auf der E 65 über Kroatien

Museen

Wer mehr über den Krieg in Bosnien-Herzegowina erfahren möchte, kann das Kriegsfoto-Museum des neuseeländischen Journalisten Wade Goddard und das Museum der Kriegs- und Genozidopfer besuchen. Der Treffpunkt für die Sheva Free Walking Tour befindet sich am Platz vor dem Hammam Museum.  
Termine und Anmeldung: mostarfreewalkingtours.com

Reisezeit

Die beste Reisezeit für Mostar ist Juni bis September – in Südbosnien herrscht mediterranes Klima, im August hat es durchschnittlich 27 Grad.

Auskunft
bhtourism.ba/ger/

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