© Vianney Le Caer/Invision/AP

freizeit
06/21/2019

Queen von Hollywood: Meryl Streep wird 70

Wäre Hollywood ein Königreich, herrschte sie als uneingeschränkte Regentin: Zum 70. Geburtstag zeichnet die freizeit ein Porträt der Schauspiel-Ikone.

Sie kam, spielte und siegte. Meryl Streep, die eiserne Lady Hollywoods. Am 22. Juni feiert sie ihren 70. Geburtstag. Wie immer ohne großes Trara. Denn statt große Partys  mit Blitzlichtgewitter und einer prominenten Gratulantenschar zu schmeißen, hütet die vierfache Mutter ihr Privatleben wie ihr wertvollstes Gut. Sie leistet sich weder exzentrische Spleens noch unsinnige Affären mit Filmpartnern.

Ja, man könnte fast sagen, Meryl ist ein g’rader Michel. Denn Miss Streep machte noch nie eine Mode mit, die in Hollywood gerade angesagt war: Als muskelbepackte Action-Heldin andere vor den Kopf zu stoßen etwa. Mit einem Wort:  Die Schauspielerin zog  bei ihrer Karriere  schon immer selber die Strippen.

Mit Shakespeare im Park

Kaum wurde das Mädchen aus New Jersey zur Homecoming Queen der Bernards High School gekürt, klopfte es zielstrebig an die Tür der School of Drama in Yale. Und kaum erblickte Robert De Niro die Teilzeit-Kellnerin als Mitglied der  „Shakespeare in the Park“-Truppe im New Yorker Central Park,  hatte sie einen Vorsprechtermin für eine erste größere Filmrolle – als begehrenswerte Provinzschönheit in Michael Ciminos aufsehenerregendem Antikriegsdrama Die durch die Hölle gehen.

Feuertaufe mit De Niro

Ihre Feuertaufe, denn Meryl Streep schaffte es, in diesem Männerfilm durchwegs selbstbewusst und souverän zu wirken  – und nicht wie eine naive Männerfantasie. Und das neben Kalibern wie Al Pacino, Robert De Niro und Christopher Walken. Dieser Linie blieb sie auch  später treu, als sie mit Dustin Hoffman, Robert Redford, Jack NicholsonClint Eastwood oder Klaus Maria Brandauer vor der Kamera stand. Dabei hätte nicht viel gefehlt, und die Streep wäre nie in der Kinowelt  gelandet, sondern auf der Opernbühne oder auf dem Catwalk.

Die vor drei Jahren vorerst nur auf Englisch erschienene Biografie „Her Again: Becoming Meryl Streep“ listet  Schritt für Schritt auf, wie aus dem kurzsichtigen Mädchen aus der Vorstadt mit  Vorliebe für Teeniemagazine wie „Seventeen“ der bewunderte Filmstar wurde.

Biograf Michael Schulman: „Sie ahmte die Posen der Models aus der Mademoiselle, Seventeen und der Vogue nach. Sie kopierte ihren Lidstrich, ihre Art sich zu kleiden und sich zu schminken. Und sie ernährte sich von einem Apfel am Tag – und wenig mehr.“

Was für ein Unterschied zu dem Mauerblümchen, das nur wenige Jahre zuvor einmal die  Woche den Vorortezug bestieg, um eine Karriere als Opernstar anzustreben. Nur einen Steinwurf von der Carnegie Hall entfernt nahm  Klein-Meryl  Unterricht bei der legendären Gesangslehrerin Estelle Liebling. Klassik-Experten  werden jetzt aufhorchen: Deren   Vater hatte in der Alten Welt noch gemeinsam mit Franz Liszt musiziert.

Meryl und die Beatles

Aber spätestens die Pubertät machte einen Strich durch eine goldene  Zukunft als Sopranistin. Als Meryl Streep 1966 in New York  die Beatles live im Shea Stadion sah, war es um sie geschehen  und die klassische Musikausbildung wurde  ad acta gelegt. Dass Streep nach wie vor gut bei Stimme ist, wissen all jene, die sich in „Mamma Mia!“ von ihrer Lebenslust anstecken ließen. Inklusive Abba-Mitglied Björn: „Erst dachten wir, jetzt  singen  ein paar durchgeknallte Hollywood-Stars unsere Songs, aber die haben ihre Sache sehr  gut gemacht.“

Na sicher, die Streep kann einfach alles. Mit Ehemann Don Gummer, einem Bildhauer, hat sie vier Kinder großgezogen. Dank  ihrer soliden Souveränität hat sie in vier Jahrzehnten drei Oscars gewonnen – für ihre Rolle im Scheidungsdrama „Kramer gegen Kramer“ (1979), das Melodram  „Sophies Entscheidung“ (1982) und die Filmbiografie „Die Eiserne Lady“ (2011).

Mit einem Mix aus Spaß und Souveränität  ist sie noch mit jedem Hollywood-Macho fertiggeworden. Als ein bekannter Frauenheld  mit ihr 1986 „Sodbrennen“ drehte, platzte  der  in ihre  Garderobe und stammelte: „Hi, ich bin Jack Nicholson. Kann ich mal Ihre Toilette benutzen?“ Und Meryl Streep? Sie konterte cool „klar doch“ und hatte auch nichts dagegen, dass man den beiden sofort eine Affäre andichtete.