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freizeit Mode & Beauty
06/15/2021

Was es mit dem neuen Modetrend namens Y2K auf sich hat

Die junge Generation entdeckt neuerdings die Kleidung aus der Jahrtausendwende für sich. Welche Teile plötzlich wieder gefragt sind.

von Maria Zelenko

Bauchfreie Tops, schlabbernde Jeans, klobige Sneakers und dazu in Blocksträhnen gefärbte Haare. Was sich für die einen wie ein Teil der langen Liste an furchtbaren Mode- und Beautytrends aus vergangenen Zeiten anhört, ist für die anderen aktuell der Inbegriff von gutem Stil.

Es ist die Generation Z, also die zwischen 1996 und 2010 geborenen, die die Looks aus den späten Neunziger- und beginnenden Nullerjahren derzeit auf und ab trägt. Während die Generation davor, also Millennials, das Aufkommen von sichtbaren Bauchnabeln und Velourshosen noch selbst miterlebt hat, erfindet sich die heutige Jugend mit dem Retro-Stil komplett neu.

Nur der Begriff Retro wäre den heranwachsenden Frauen dann doch zu ... retro. Wer in den Weiten des Internets auf der Suche nach Mode-Inspirationen zu diesem Trend ist, muss schon konkreter werden. Y2K heißt die Stilrichtung, benannt nach technischen Problemen bei der Datumsanzeige, die rund um die Jahrtausendwende bei vielen Computersystemen auftraten. Die sogenannten Y2K-Bugs (Year Two Kilo steht für das Jahr 2000) sind Namenspate für die nun wieder hippe Mode aus der damaligen Zeit.

Mächtige soziale Medien

Dass auch hierzulande das Straßenbild immer öfter von Mittelscheiteln und Baguette Bags (kleine kompakte Handtaschen, die ursprünglich im Jahr 1997 vom Modehaus Fendi lanciert wurden) geprägt ist, ist vor allem den sozialen Medien geschuldet. Wie keine andere vor ihr nutzt die Generation Z Instagram und Tiktok als modische Inspirationsquelle.

Stars wie Kylie Jenner, Dua Lipa und Kim Kardashian sind aktuell die größten Stil-Vorbilder auf den Plattformen. Und so manche Person, die die meisten über 30 Jahre erst googeln müssen: Sängerin Olivia Rodrigo (18) löste mit ihrer Y2K-Ästhetik jüngst für karierte Korsetts (ja, auch das wird wieder getragen) und Plisseeröcke einen sprunghaften Anstieg der Anfragen bei der Modesuchmaschine Lyst aus.

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„Ich nenne den Y2K-Trend auch ganz gerne den Kardashian-Trend“, sagt Rafael Duleba, Einkäufer für Contemporary Fashion beim Steffl Department Store. „Weil sie immens zu diesem Hype beigetragen haben. Zum Beispiel, dass jetzt alle wieder an der Hüfte eng sitzende Hosen tragen wollen, die dann locker und weiter ausgestellt fallen.“

Dass sich die Jugend ausgerechnet mit den modischen Auswüchsen der 2000er-Jahre identifiziert, sieht der Experte auch in der Pandemie begründet: „Das sind in vielen Fällen Wohlfühlteile, die perfekt in die Zeit gepasst haben. Für ein hübsches Kleid gab es schließlich kaum Anlässe. Da das Herausputzen für viele keinen Sinn gemacht hat, hat Y2K-Mode einen Boom erfahren.“

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Auch was für „Ältere“

Auch wenn der 16. Geburtstag schon das eine oder andere Jahrzehnt zurückliegt, kann laut dem Modeeinkäufer der aktuellen Trend mitgemacht werden.

„Es ist ein Look mit hohem Spaßfaktor. Wenn untertags eine coole Bluse zur weiten Hose kombiniert und darüber ein übergroßer Blazer im Stil der Neunzigerjahre gestylt wird, kann das sehr cool wirken. Wer mag, kann dann für das abendliche Treffen mit Freunden zu einem Oberteil wechseln, das den Bauch ein wenig zeigt“, empfiehlt Rafael Duleba.

Wichtig sei beim Y2K-Look, ebenso wie bei den zahlreichen vorangegangenen modischen Renaissancen anderer Jahrzehnte, vor allem eines: „Nicht von Kopf bis Fuß tragen. Das wäre langweilig.“

Ein Überblick über die verschiedenen Stilrichtungen der Generation Tiktok.

Cottagecore: Puffärmel, Blümchenkleider, Körbe aus Bast: Junge frönen dem Landleben und der zugehörigen Kleidung. Der Begriff, der sich vor gut einem Jahr über Tiktok verbreitete, leitet sich vom englischen Wort für Landhaus, cottage, ab.

VSCO Girls: Spezielle Ästhetik, benannt nach einer Handy-App (spricht: Visco), mit der man Instagram-Fotos bearbeiten kann. Die ökobewussten VSCO Girls lieben das „Beachlife“, Birkenstock-Schlapfen, natürliches Make-up und Hipster-Rucksäcke.

Regencycore: Der Serien-Hit „Bridgerton“ löste eine Sehnsucht nach romantischer Mode vergangener Zeiten aus. Kurz nach der Veröffentlichung  zeigten sich Jugendliche in den sozialen Medien mit Korsetts,  Empirekleidern und Federschmuck. Das „Regency“ bezeichnet eine Ära im London des frühen 19. Jahrhundert, auf Tiktok heißt der Trend auch „Royaltycore“.

Soft Girls: Lieblicher geht’s nicht: Die „Soft Girls“  inszenieren sich mit Pastellfarben, Haarspangen und Glitzer-Tattoos, lieben Schmetterlinge und Regenbögen – Hauptsache harmlos. Feministinnen schlugen Alarm, Jugendforscher vermuten hinter dem Niedlichkeitshype eine ironische Rebellion gegen Gendernormen.

Normcore:  Der Unisex-Trend tauchte erstmals 2013 auf, setzt sich aus „normal“ und „hardcore“ („harter Kern“) zusammen. Das Besondere ist, dass man gar nicht besonders sein möchte – sondern möglichst unauffällig in Jeans, T-Shirts, No-Name-Sneakers oder Karo-Hemd.Julia Pfligl

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