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freizeit Mode & Beauty
09/25/2021

Schneeballsystem? Was die Ringana-Gründer zur Kritik am Direktvertrieb sagen

Vor 25 Jahren haben Andreas Wilfinger und Ulla Wannemacher ihre Naturkosmetik-Firma gegründet.

von Maria Zelenko

Das Navigationssystem gibt schon bei der Eingabe  einen Vorgeschmack auf die Größenordnung des Ziels. Der neue Standort des steirischen Naturkosmetikherstellers Ringana ploppt in Google Maps nicht mit Straßenname und Hausnummer auf, sondern schlichtweg unter der Adresse „Ringana Campus A1“. Wer im beschaulichen St. Johann in der Haide angekommen, dennoch befürchtet, nicht hinzufinden, wird von zahlreichen Schildern nach der Autobahnabfahrt schnell beruhigt.

Zu übersehen wäre besagter Campus ohnehin schwer: Auf satten 25.000 Quadratmetern erstreckt sich die stylische Zentrale, in die das Unternehmen seit vergangenem Februar sukzessive umgezogen ist. Exakt 25 Jahre nach der Gründung war man aus den ehemaligen Räumlichkeiten in der Nachbargemeinde Hartberg   herausgewachsen. 

Das Konzept, nicht nur Natur-, sondern sogenannte Frischekosmetik ohne Konservierungsstoffe herzustellen, sorgte im Jahr 1996 für viel Kopfschütteln unter Familienmitgliedern, Freunden und potenziellen Geschäftspartnern von Andreas Wilfinger und Ulla Wannemacher.  „Damals hat es viele gegeben, die uns belächelt haben“, erinnert sich Wilfinger. Naturkosmetik galt als unwirksam, gar exotisch. Wannemacher: „Die Menschen haben geglaubt, dass das Produkte sind, wo alles weggelassen wird – auch das, was gegen Falten wirken könnte.“

Oft belächelt

Als Sohn eines steirischen Bio-Pioniers kam Andreas Wilfinger schon früh mit dem Thema Nachhaltigkeit in Berührung. „Da wurde definitiv ein Samen für den eigenen Berufsweg gesät“, sagt der Ringana-Gründer. Als der gemeinsame Sohn eines Tages mit einer Zahnpasta nach Hause kam, die den kritischen Konservierungsstoff Triclosan enthielt, fiel – so zumindest der häufig erzählte Gründungsmythos – der Groschen.

Heute gehört Ringana zu den größten Kosmetikproduzenten Österreichs. Das privat mittlerweile getrennt lebende Paar hat 400 Mitarbeiter im steirischen Firmensitz, weltweit sind es 600. Hinzu kommen rund 80.000 sogenannte Frischepartnerinnen und einige (noch wenige) Frischepartner in 34 Ländern. Diese verkaufen die Kosmetika mittels Direktvertrieb.

Zu Letzterem spuckt Google ebenfalls allerlei aus: In Foren berichten potenzielle Kundinnen und Kunden, von losen Bekanntschaften in unangenehme Verkaufsgespräche verwickelt worden zu sein. Andere sprechen gar von Schulungsveranstaltungen mit Sekten-Charakter. Andreas Wilfinger weiß mittlerweile, dass er bei jedem Medien-Interview Fragen zu diesem Thema bekommt: „Ich finde es mittlerweile müßig, ständig über den Sektenvorwurf zu sprechen. Dieses  Image werden wir schwer los. Das tut mir weh, weil wir nichts mit einer Sekte gemeinsam haben.“

Plumpe Anschreiben

Am Direktvertrieb halten die beiden trotz regelmäßiger Beschwerden über ihre aufdringliche Verkäuferschaft dennoch fest. „Ich könnte jetzt dementieren und sagen, dass solche Dinge bei uns nicht passieren. Natürlich passieren auch schräge Sachen, aber wir können diese große Anzahl an freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nun mal nicht bis ins Detail kontrollieren.“
 Eine eigene Compliance-Abteilung kümmert sich dennoch um jene, die über das Ziel hinaus schießen. „Es wird solchen  Problemen nachgegangen. Helfen weitere Schulungen oder auch Abmahnungen nicht, kommt es schon mal zu einer Kündigung“, erklärt der Ringana-Gründer. „Diese plumpen Anschreiben auf Facebook finde ich am schlimmsten, so etwas bekämpfen wir aktiv.“ 

Viel lieber spricht das Unternehmer-Duo über das Thema Nachhaltigkeit. Andreas Wilfinger zeigt bei der Führung durch das riesige Gebäude stolz  seine riesige Fotovoltaikanlage, mit der es das Unternehmen schafft, 60 Prozent seines Strombedarfs zu decken. Durch das Sammeln von Regenwasser werden rund eine Million Liter Frischwasser pro Jahr gespart. Derzeit noch in der Bauphase befindet sich die eigene Packmittelproduktion. Die geplante Öko-Steuerreform ist für den Unternehmer dementsprechend Musik in den Ohren: „Wir alle hinterlassen einen Fußabdruck. Für das Weiterbestehen unserer komfortablen Gesellschaft muss es das Ziel sein, dass er so klein wie möglich bleibt.“

Den Hype, den Naturkosmetik seit einigen Jahren erlebt, begrüßt Wilfinger: „Mit den Mitbewerbern habe ich gar kein Problem. Es gibt jetzt zwar mehr Fische, aber der Teich ist mittlerweile auch viel größer. Naturkosmetik kommt endlich in den Köpfen der Kundschaft an.“ Die Konkurrenz beobachtet der Unternehmer dennoch genau: „Ich habe Respekt vor dem Tag, wo jemand kommt, der es besser macht als wir.“

Firmen wie Ringana wird häufig nachgesagt, mittels Schneeball- bzw. Pyramidensystem zu arbeiten. Hierbei handelt es sich um Geschäftsmodelle, die eine ständig wachsende Anzahl an Mitgliedern benötigen, um zu funktionieren.

„Es werden sozusagen Kopfgeldprämien für das Anwerben ausgezahlt. Und man muss sich in ein System einkaufen, noch bevor ein einziger Euro verdient wurde“, sagt Rosemarie Resnicek, Landesgremialobfrau für Direktvertrieb bei der Wirtschaftskammer Steiermark. „Da in den vergangenen Jahren beim Direktvertrieb das sogenannte Network-Marketing immer wichtiger geworden ist, kommt es hier immer wieder zu Verwechslungen.“

Frage der LegalitätBeim Network-Marketing stehe das Produkt im Mittelpunkt: Es wird, wie bei Ringana der Fall, direkt an den Kunden vermittelt – erst dann erhält der Verkäufer seine Provision. Resnicek erklärt weiter: „Produkte müssen nicht vorher um das eigene Geld gekauft werden, um sie dann unter finanziellem Druck schnell weiterzuverkaufen.“
Ebenso wie in Deutschland, ist Schneeball- bzw. Pyramidenmarketing in Österreich illegal.

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