© CORENTIN LEROUX/KARL LAGERFELD

freizeit Mode & Beauty
07/24/2021

Warum ein Flüchtling neuerdings für "Karl Lagerfeld" designt

Kenneth Ize, geboren in Nigeria, als Flüchtling in Österreich aufgewachsen, von Naomi Campbell gefördert, bringt die zwei Welten in seinen Outfits zur perfekten Symbiose.

von BrigitteR. Winkler

Als er vier Jahre alt war, verließen seine Eltern Nigeria und flüchteten nach Linz. „Ein guter Freund hatte die Stadt meinem Vater empfohlen“, erinnert sich Kenneth Izedonmwen – der sich jetzt Kenneth Ize nennt – im Gespräch mit dem KURIER. Zunächst studierte er an der Keppler Universität Psychologie. Sein Interesse für Mode führte ihn dann nach Wien, wo er an der Universität für angewandte Kunst unter Bernhard Willhelm zu studieren begann.

Wie wenig er von seinem Heimatland wusste, wurde ihm klar, als er in New York ein Modepraktikum bei Edun antrat. Das nachhaltige Modelabel, 2004 von U2-Sänger Bono und seiner Frau Ali Hewson gegründet, war auf afrikanisches Handwerk fokussiert. Kenneth: „Durch diesen Job wurde mir klar, dass ich viel zu wenig von der Tradition der afrikanischen Kleidung im Allgemeinen und von der nigerianischen im Speziellen wusste.“

Recherche in Lagos

Also fuhr er nach Abschluss seines Studiums bei Hussein Chalayan auf Recherche nach Lagos. Es begann ein mühsamer Weg, da er sich erst einmal auf die Suche nach Herstellern von Stoffen machen musste.

Als er eine größere Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefunden hatte, die vor allem die Webtechnik Aso Oke (in der westafrikanischen Sprache der Yoruba bedeutet das „Oberstoff“) beherrschten, kam dazu eine weitere Erkenntnis: „Ich begriff, dass ich meine Arbeit zuerst in Afrika präsentieren sollte, weil ich merkte, dass von den Leuten, die mit mir arbeiteten, eher niemand je eine Modeschau gesehen hatte. Damit sie mich verstanden und mir vertrauten, beschloss ich meine erste große Show bei der Arise Fashion Week in Lagos zu zeigen.“

Ein Entschluss, der weitreichende Folgen haben sollte. Meldete sich doch Naomi Campbell bei ihm – sie hatte seine Arbeit davor gesehen – und bot sich an für ihn zu laufen. Nicht zuletzt mit Hilfe des Supermodels gewann Kenneth den “30 Under 30“ Wettbewerb, was ihm 100.000 Dollar einbrachte.

Naomis Empfehlung

Von da an ging es bergauf. Kenneth zeigte seine Kollektion auch in einem Pariser Showroom. Durch Naomis Empfehlung kamen die Einkäufer des renommierten britischen Kaufhauses “Browns“ – seither führt der bekannte Laden seine Mode. Und als Kenneth im März 2020 beschloss, seine Herbstkollektion in Paris zu zeigen, kam Naomi auf eigene Kosten angeflogen und marschierte am Ende der Show über den Laufsteg.

Dazu gesellten sich Auszeichnungen und Preise. Zunächst kam Kenneth ins Finale des prestigeträchtigen LVMH Prizes. Was ihm die Bekanntschaft von Carine Roitfeld, Style Advisor bei der Marke Karl Lagerfeld, eintrug.

Kennengelernt haben die beiden einander in der Endrunde zum LVMH Prize. Bald darauf fragte Carine Roitfeld bei Kenneth Ize an, ob er bereit wäre, für die Marke Karl Lagerfeld eine Kapsel-Kollektion (eine einmalig produzierte und limitierte Mini-Kollektion, die meist im Rahmen einer Kooperation entsteht) zu entwerfen.

Kenneth: „Ich sagte zu, obwohl es mir die Rede verschlagen hat, und begann sofort zu arbeiten. Leider habe ich Karl ja nicht mehr persönlich kennenlernen können. Aber ich wusste Bescheid über seine Arbeitsweise, seine Liebe zu Büchern, sein Interesse für alles, sein Umgang mit den Leuten, die mit ihm arbeiteten, all das hat mich sofort inspiriert. Meine Kollaboration ist ein Brief an Karl mit Bildern aus Afrika. Er hat ja immer mit einem weißen Nachthemd geschlafen und weiße Hemden geliebt. Das Ende meiner Kollektion ist genau so ein weißer Kaftan.“

Dazu kommt ein Markenzeichen von Kenneth – die dichten, bunten Streifen. Es vermischen sich  afrikanischer Stil mit Pariser Eleganz. Kenneth: „Wir haben uns auch vom Igbo-Stamm in Nigeria mit dem Uli Body Tattoo inspirieren lassen, den wir auf Strickwaren aufgebracht haben.“ Alle Modelle sind Uni-Sex, also von jedem Geschlecht zu tragen.

Erhältlich ist die kleine Kollektion nur in ausgewählten Geschäften: Im Karl Lagerfeld Geschäft in Paris Saint Germain und bei Browns in der Regent Street in London.

Ein Outfit aus der Kapsel-Kollektion  für die Marke Karl Lagerfeld:  Vorbild sind meist nigerianische Muster

Brosche: Zur Modekollektion gibt es auch Schmuck

Unübersehbar: Von Kenneth für Karl 

Cool: Tasche mit Fransen

Unisex: Alles für  alle Geschlechte

Im Mai 2019 gewann er in Wien den AFA-Modepreis, der ihm beim Take-Festival verliehen wurde. Und ein Jahr später war er auch Finalist beim Woolmark-Preis 2021.

Und was macht Kenneth mit all dem gewonnen Geld? Er kaufte sich in Lagos ein Grundstück und lässt dort nach Plänen eines Wiener Architekten – den er beim Studium an der Angewandten kennengelernt hatte – eine Weberei-Fabrik bauen.

Wunderbar, wie sich in seinen Kollektionen nigerianisches Handwerk mit österreichischem mischt. Kenneth: „Ich liebe jetzt die Kultur meines Heimatlandes sehr. Es gibt so viel Schönheit zu finden. Wie auch in Österreich. So kann ich das Beste aus beiden Welten kombinieren.“

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