Lagerfelds Patenkind Hudson soll unter den sieben Erben sein

© APA/AFP/PATRICK KOVARIK

freizeit Mode & Beauty
12/06/2020

Wer erbt Lagerfelds Millionen und wie steht es um seine Mode-Marke?

Zwei Jahre nach dem Tod des Designers, ist sein Erbe noch immer nicht verteilt. Wer Lagerfelds Millionen bekommen und wie die Marke Karl Lagerfeld unsterblich werden soll.

von Christina Michlits

Wie überredet man eine Freundin, öfter auf Besuch zu kommen? Mit einem Tennisplatz – zumindest wenn es nach Karl Lagerfeld geht. Eigens für seine Busenfreundin Anna Wintour ließ der deutsche Designer 2015 auf seinem Anwesen in Biarritz einen Tenniscourt bauen, damit sich die Chefin der US-Vogue hier noch wohler fühlt.

Eine Geste, die zeigt, wie großzügig und vermögend Lagerfeld war. „Das Geld muss aus dem Fenster, damit es durch die Tür wieder reinkommt“, sagte er einmal kokett in einer deutschen Talkshow.

Existenzsorgen hatte der Sohn einer Industriellenfamilie schon als Kind nicht gekannt. Mit wenig Liebe und Zuneigung von der Mutter, dafür mit umso mehr Geld und mehreren Zofen wurde der Hamburger großgezogen.

Immerhin hatte Elisabeth Lagerfeld ihrem Karl aber genug Selbstsicherheit und Unerschrockenheit mit auf den Weg gegeben, um mit 14 auszuziehen und einer der weltweit bekanntesten Modemacher zu werden.

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Am 19. Februar 2019 ist Karl Lagerfeld in seiner Wahlheimat Paris im Alter von 85 Jahren gestorben.

Der Umsatz von Chanel schnellte in die Höhe. Vor allem die frühen Entwürfe von Lagerfeld sind nun begehrte Investments, besonders in Asien ist ein Griss um seine unkonventionellen Taschen-Kreationen entstanden, wie  die „Hula Hoop Bag“ von 2013 oder  die „Premiere Watch Minaudiere“.

Neben den Milliarden, die Modehäuser mit seinen Kreationen verdient haben, hat er selbst zwischen 400 und 800 Millionen Euro Privatvermögen hinterlassen – die Zahlen sind nicht belegt.

Alleine sein jährliches Gehalt als Mastermind bei Chanel wurde mit 44 Millionen Euro kolportiert.

Darüber hinaus war er 54 Jahre lang für das italienische Modehaus Fendi tätig, hat 1984 seine eigene Marke „Karl Lagerfeld“ gegründet,  war an unzähligen Kooperationen beteiligt, arbeitete als Fotograf  und hatte eine eigene Buchhandlung.

Immobilien und Millionen an sieben Personen?

Nun steht die Aufteilung des äußerst komplex verstreuten Vermögens des kinderlosen Workaholics an. Das Problem allerdings: Sein jahrelanger Verwalter Lucien Frydlender (87) ist laut dessen Ehefrau seit Wochen schwer krank, nur er soll jedoch den gesamten Einblick in die Finanzen des Designers haben.

Ein Schelm, wer denkt, der Rückzug von Frydlender könnte der Steuerfahndung geschuldet sein, die gerade läuft. Denn schon bevor Lagerfeld seinem Krebsleiden erlag, wurde seine Buchhandlung „L 7“ auf Steuerhinterziehung untersucht, man hatte  Unstimmigkeiten entdeckt. So lange die Ermittlungen laufen, kann der Nachlass nicht aufgeteilt werden.

Leer ausgehen werden die vorgesehenen Erben aber wohl in keinem Fall. Während es zunächst geheißen hatte, seine berühmte Katze Choupette werde alles erben, ist nun klar, dass dies rechtlich nicht möglich ist und Lagerfeld ohnehin seine engsten Vertrauten bedacht hat.

Sieben Personen sollen es laut französischen Medien sein, die sich Immobilien von Monaco bis Paris aufteilen, sowie Kunstwerke und viel, viel Geld.

Seine Ziehsöhne

Es ist der kleine Kreis an Männerfreunden- und Musen, in dem der berühmte Modemacher Privatmensch sein konnte und der nun mit seinem Vermögen bedacht werden soll. Allen voran Sébastien Jondeau, erst Model und dann sein persönlicher Assistent in den vergangenen zwanzig Jahren.

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Tagtäglich sahen sich die beiden, alle zwei Stunden gab es SMS-Nachrichten von dem Designer. Der Leibwächter und Chauffeur in einer Person war es auch, der nun erzählt hat, wie geheim Lagerfeld seine Krankheit vier Jahre lang hielt: „Bis zu seinem Tod wusste keiner seiner Verwandten davon. Karl litt an Prostatakrebs und nicht an Bauchspeicheldrüsenkrebs, wie jeder erzählte“, so Jondeau.

Der loyale und diskrete Franzose soll angeblich den größten Anteil des Erbes erhalten. Im Testament stehen wohl auch Model Brad Kroenig und dessen Sohn Hudson, der das Taufkind des Designers ist, sowie Model Jake Davies und Karls langjährige Muse Baptiste Giabiconi.

Lagerfeld beschrieb die Männerriege vor einigen Jahren als „Söhne, die ohne Probleme kommen, welche Söhne sonst mit sich bringen“.

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Intimes über  Lagerfeld

Allerdings hat Giabiconi in einem neuen Buch („Karl et moi“) viel Intimes über die platonische Beziehung zu seinem Gönner erzählt. Etwa, dass Lagerfeld erst in den letzten fünf Jahren seines Lebens begonnen hatte, Alkohol zu trinken, er die Seifenoper „Scènes de ménages“ liebte, extrem unpünktlich war und sich nicht traute, nur in Badehose in einen Pool zu steigen.

Details, die just dem einstigen Kreis um Lagerfeld  missfallen sollen. Neben ihnen wird angeblich auch Karls langjährige PR-Beraterin Caroline Lebar einen Nachlass-Anteil erhalten, aber auch seine Haushälterin Françoise Caçote, die sich nun um  Katze Choupette kümmert.

Und wie steht es um das Geschäft mit dem Namen Karl Lagerfeld? Das läuft besser denn je. Die Marke Karl Lagerfeld verzeichnete vor Corona Rekord-Einnahmen. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 50 Prozent auf 300 Millionen Euro jährlich,  was  vor allem  Pier Paolo Righi zu verdanken ist, der das lange als verstaubt geltende Label seit 2011  auf Schiene bringt. Gerade wurde erstmals eine Unterwäsche-Kollektion gelauncht, Karls einstige Muse und Umweltaktivistin Amber Valletta wird Teil der Marke. Für 2021 wird das Model eine umweltbewusste Accessoire-Linie entwerfen.

Enger Freund leitet Marke Geschäftsführer Righi hat den Coup eingefädelt, der als enger Freund von Lagerfeld galt und jahrelang Tür an Tür mit ihm gearbeitet hat. Im freizeit-Interview erzählt er über sein Verhältnis zum Modemacher: „Karl und ich hatten unsere Büros in Paris nur durch eine Verbindungstür getrennt, die meist offenstand. Ich denke, dies beschreibt unser Verhältnis am besten. Ich habe Karl entgegen seiner kühl wirkenden Maske als sehr warmherzigen Menschen kennengelernt.  Am meisten beeindruckt hat  mich aber seine konstante Neugier und sein Interesse für alles und jeden.“

Der in der Nähe von Stuttgart aufgewachsene Deutsch-Italiener steht hinter allem, was mit Karl Lagerfelds Namen nun gemacht wird. „Eine große Ehre, aber auch eine immense Verantwortung“, wie er zugibt. Righi will  nicht weniger als eine unsterbliche Marke schaffen – mit Mode und Accessoires, aber auch mit Hotels, Wohnanlagen und einem Museum.

Seine Herangehensweise was den Modebereich angeht: „Wir bringen Kollektionen in Form von abgeschlossenen Stories in kurzen Abständen zum Konsumenten – ähnlich wie Episoden einer Netflixserie. Es ist ein wenig wie die Entwicklung einer Unterhaltungsserie zu betrachten. Das haben wir von Karl gelernt und beibehalten.“

Erstes Hotel

Der heute in  München lebende Geschäftsmann hat aber auch ein anderes  Mammut-Projekt zu stemmen: Ein  Hotel  in Macau. Karl Lagerfeld hat es noch selbst entworfen. Im chinesischen Glücksspielmekka werden 270 Zimmer  entstehen, die die Handschrift des Designers tragen. Nach Verzögerungen soll es 2021 endlich eröffnet werden.

Righi selbst will, anders als einige von Lagerfelds  engen Weggefährten, übrigens kein Buch über seinen legendären Freund schreiben: „Jeder hat seine eigenen Erinnerungen mit Karl und  jeder verarbeitet diese unterschiedlich. Ich für meinen Teil behalte diese Erinnerungen dort, wo sie meines Erachtens am besten aufgehoben sind – alleine in meinem Kopf und meinem Herzen.“

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