© Style du Monde for Copenhagen Fashion Week

freizeit Mode & Beauty
08/15/2021

Stilvorbilder: Wie Kopenhagen den großen Modestädten Konkurrenz macht

Warum Frauen aus dem hohen Norden die neuen Modevorbilder sind und welche skandinavischen Labels Modefans kennen sollten.

von Maria Zelenko

New York, London, Mailand und Paris mögen die großen Modestädte sein. In Kopenhagen hat man dennoch nicht vor, sich an ihnen zu orientieren. Ganz im Gegenteil.

Diese Woche fand in der dänischen Hauptstadt die Fashion Week statt, auf der die neuen Kollektionen für Frühjahr/Sommer 2022 präsentiert wurden. Man will ganz bewusst anders sein als die anderen Modewochen. Und das nicht nur, indem die Shows mitten im August stattfinden, wenn die anderen Metropolen sich noch im Sommerschlaf befinden. Nachdem die erste Veranstaltung dieser Art erstmals im Jahr 2006 stattgefunden hatte, spitzten die Veranstalter 2018 das Konzept zu – und positionierten die Copenhagen Fashion Week als Vorreiter in der Branche: Nachhaltigkeit wird hier nicht nur als Marketing-Schmäh verkauft, sondern bildet Jahr für Jahr das Oberthema für die viertägige Veranstaltung.

Designer und Designerinnen werden nicht nur zu mehr Nachhaltigkeit ermutigt, mit einem Sustainability Action Plan wird auch unter anderem darauf geachtet, den -Ausstoß der Fashion Week drastisch zu reduzieren. Kommendes Jahr soll das Ziel erreicht werden, ein Zero-Waste-Event zu sein. Es soll also überhaupt kein Müll mehr anfallen.

Große Portion Farbe

Dass der modische Aspekt dabei nicht auf der Strecke bleibt, haben die vergangenen Tage eindrucksvoll gezeigt. Während in New York und Paris manches Laufsteg-Outfit so exzentrisch ist, dass es völlig alltagsuntauglich ist, setzen skandinavische Labels auf deutlich mehr tragbare Kreationen bei ihren Präsentationen. Langweilig wird es dennoch nie. „Ich denke, der größte Unterschied zwischen skandinavischen Modemarken und dem Rest der Branche ist die Art, wie wir Mode angehen“, sagt Designerin Stine Goya im KURIER-Gespräch. „Wir denken unkonventionell, indem wir unsere Teile auf andere Art und Weise stylen.“

Das Konzept ihres gleichnamigen Labels beschreibt die Dänin als „eine farbenfrohe Reise der Selbstdarstellung in Form von künstlerischen und spielerischen Designs.“ Für den kommenden Sommer setzt die Modemacherin auf viel Fliederfarbenes, Grün und Pastellblau – häufig kombiniert im Mustermix.

Wohlfühlfaktor

Galten einst Französinnen und Italienerinnen als Stilvorbilder schlechthin, haben die Skandinavierinnen ihnen in den vergangenen Jahren ein wenig den Rang abgelaufen.

Was macht den Stil der Frauen im hohen Norden so erstrebenswert? „Das Besondere an dieser Mode ist, dass sich der lässige Lebensstil der Skandinavierinnen sehr stark in der Kleidung widerspiegelt“, sagt Manuela Cadek, Besitzerin des auf skandinavische Mode spezialisierten Wiener Stores Mala. „Man sieht Frauen auf der Straße, die sich modisch viel trauen, ohne dabei übertrieben exzentrisch zu wirken.“

Farben und Muster spielen in der skandinavischen Mode zwar eine große Rolle, jedoch ebenso der Minimalismus – für jede Kundin scheint etwas dabei zu sein. Auffällig auch die sich bei allen Präsentationen durchziehenden Silhouetten: Extrem figurbetonte oder gar einengende Kleidung sahen die Gäste der Fashion Week in den vergangenen Tagen nur selten. Stattdessen dominierten ausgestellte Kleider, übergroße Hosen und locker sitzende Blusen. Vielleicht ist dies das Geheimnis des Erfolgs skandinavischer Modemarken: „Das Outfit soll natürlich stylish aussehen“, weiß Manuela Cadek. „Jedoch sollen sich die Frauen darin vor allem auch wohlfühlen.“

Vier coole (und nachhaltige) Skandi-Labels

(Di)vision

Das Geschwisterpaar Nanna und Simon Wick gehörte heuer zu den Neuzugängen auf der Copenhagen Fashion Week. Ihre Marke gründeten die beiden zwar erst vor knapp drei Jahren, es zählen jedoch bereits Stars wie Kendall Jenner zu ihren Kundinnen.

Statt beim Entwerfen von Kollektionen neue Materialien einzukaufen, greift das Duo ausschließlich auf Vintage-Stoffe und Deadstock, also unverwendetes Material, zurück. Dadurch landet Letzteres nicht auf Deponien. Das Upcycling-Konzept sei für die beiden die einzig logische Arbeitsweise in einer Welt, die bereits voll mit Kleidung ist.  

Ganni

Kaum ein skandinavisches Label hat in den vergangenen Jahren so an Popularität gewonnen wie Ganni. Die Marke mit Sitz in Kopenhagen wurde vom Ehepaar Ditte und Nicolaj Reffstrup  gegründet und ist vor allem für seine Leopardenprints, Karomuster und eine bunte Farbpalette  bekannt.

Die beiden Dänen sind bemüht, die ökologischen Auswirkungen ihrer Arbeit in der Modebranche Stück für Stück zu reduzieren. In einigen Jahren sollen hundert Prozent der Kollektionen aus nachhaltigen Materialien bestehen. Bereits jetzt wird mit veganen Lederalternativen aus Resten der Weinherstellung und Hanf gearbeitet.  

Rabens Saloner

Wenn es etwas gibt, das Brigitte Raben ganz besonders zum Schwärmen bringt, dann sind es Batikmuster. Die Dänin gründete ihr Label Rabens Saloner im Jahr 2007 und lässt sich seitdem von Menschen und Kulturen aus aller Welt inspirieren. Ihre geliebten Materialien mit Farbverlauf werden ausschließlich per Hand in ihrer eigenen Färberei auf Bali kreiert.

Um einer Überproduktion vorzubeugen, werden Kollektionsteile erst nach den Bestellungen der Einkäufer produziert. Bleibt am Ende einer Saison doch etwas übrig, wird es nicht verbrannt – sondern einer karitativen Einrichtung gespendet.

Stine Goya

Die Dänin Stine Goya gründete nach vielen Jahren in der Modebranche im Jahr 2006 ihr eigenes Label, weil es ihr an einer breiteren Farbpalette unter heimischen Marken gefehlt hatte. Heute gehört sie zu den erfolgreichsten skandinavischen Modemacherinnen, ihre Entwürfe sind weltweit in über 30 Ländern  erhältlich.

Goya  ist vor allem für ihre raffinierten, von der Kunst inspirierten, Muster bekannt. Im Jahr 2019 kreierte sie ihre erste Kapselkollektion, die ausschließlich aus recycelten Materialien bestand. Ihr Ziel: Bis 2025 sollen sämtliche ihrer Kollektionen zu 90 Prozent aus nachhaltigen und recycelten Materialien entstehen.

 

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