© Tina Decker

freizeit Mode & Beauty
07/11/2020

Schmuck: Warum immer mehr Designer nur zu recyceltem Gold greifen

Das Geschäft mit Edelmetall ist oft ein schmutziges – Wiederverwertung eine Alternative.

von Maria Zelenko

Zumindest eine Branche zeigt sich dieser Tage euphorisch: Der Goldpreis ist auf seinem höchsten Stand seit 2011 angekommen. Doch während die Anleger für die boomende Krisenwährung Schlange stehen, machen sich nur wenige Gedanken über die Auswirkungen des Goldabbaus. Denn ebenso wie das von Hollywood gerne thematisierte Thema Blutdiamanten kann auch das Geschäft mit Gold ein schmutziges sein.

2019 wurde das meiste Gold in China gefördert, dicht gefolgt von Australien und Russland. Auch in Peru, Ghana, Mexiko und zahlreichen anderen Ländern gibt es noch nennenswertes Vorkommen – das teils unter katastrophalen Bedingungen abgebaut wird.

Baden in Gift

Zum einen sind es die Minenkonzerne, die im Tage- oder Bergbau goldhaltiges Gestein fördern. Letzteres wird fein gemahlen, der Sand kommt anschließend in hochgiftige Cyanitlauge, die das Gold löst. Auf die riesigen Maschinen, die hierfür benötigt werden, müssen Kleinschürfer, die auf eigene Faust arbeiten, verzichten. Filme über Goldförderung zeigen, wie illegale Schürfer die einfachsten Hilfsmittel anwenden. Um ans in Schlamm verborgene Gold zu kommen, setzen Einheimische im peruanischen Amazonasgebiet günstiges Quecksilber ein. Dafür stellen sie sich mit nackten Beinen knietief in mit dem Nervengift und Schlamm gefüllte Bottiche, um das Gold zu binden. Neben Gesundheitsproblemen und Umweltschäden sind auch Kinderarbeit und Kriminalität ein noch nicht abgeschlossenes Kapitel dieser Branche.

Ressourcen schonen

Nur ein Bruchteil des abgebautes Goldes wird zu Barren verarbeitet. Rund die Hälfte davon geht an die Schmuckindustrie. Alleine für die Herstellung allerlei Preziosen wurden im Jahr 2018 laut Statista rund 2.200 Tonnen Gold nachgefragt. Da Lieferanten häufig schleißig geprüft werden und selbst auf Anfrage oft nicht genaue Auskunft zu als „sauber“ ausgewiesenem Gold gegeben werden kann, gehen immer mehr Schmuckdesigner einen anderen Weg. Sie verwenden ausschließlich recyceltes Gold.

„Ich habe vor zwei Jahren meine Marke Filia Aurea gegründet und für mich war von Anfang an klar, dass ich nur mit recyceltem Material arbeiten möchte“, sagt Schmuckdesignerin Tina Decker. „Es ist die umwelt- und ressourcenschonendste Alternative der Schmuckherstellung.“ Das „alte“ Gold für ihre Anfertigungen bezieht die Wienerin bei der heimischen Scheideanstalt Ögussa, die zertifiziertes Recycling-Gold anbietet. Dort ist auch Schmuckkünstlerin Elisabeth Habig oft anzutreffen. Sie schmilzt zusätzlich in ihrer Werkstätte in der Wiener Innenstadt selbst Altgold ein.

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Beide Frauen freuen sich über die steigende Nachfrage nach ihrem Schmuck. Decker: „Mindestens die Hälfte meiner Kunden kommt explizit wegen der recycelten Stücke zu mir. Die andere Hälfte kläre ich über mein Konzept auf – und bisher waren alle begeistert.“

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Doch kann recyceltes Gold die Zukunft für die gesamte Schmuckbranche sein? Oder handelt es sich nur um eine Nische für Marken mit kleiner Stückzahl? Dass ein nachhaltigeres Konzept auch in ganz großem Stil funktionieren kann, will das Schmucklabel Pandora beweisen: Das Unternehmen mit weltweit 7.500 Verkaufsstellen wird ab 2025 ausschließlich Schmuck aus recyceltem Gold anfertigen. Bereits jetzt besteht das Sortiment aus über 70 Prozent wiederverwendetem Material. Gut so, findet Tina Decker: „Ich liebe die Idee, Altem neues Leben einzuhauchen.“

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