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freizeit Mode & Beauty
11/16/2020

Warum es sich lohnt, in heimische Strickmode zu investieren

Wie österreichische Marken schöne Mode für die Kälte entwerfen – und dabei Gutes tun.

von Maria Zelenko

Der Begriff Nachhaltigkeit ist in der Modebranche aktuell großes Thema – und wird es auch bleiben. Kunden schauen nicht nur beim Lebensmitteleinkauf immer häufiger genau aufs Etikett, sondern wollen auch wissen, wo der Inhalt ihres Kleiderschranks herkommt und unter welchen Bedingungen produziert wurde. Laut einer McKinsey-Studie ist Nachhaltigkeit für 63 Prozent der Befragten sogar ein Kaufargument.

Internationale Modehäuser versuchen nun, unter enorm hohem (Kosten-)Aufwand nachhaltiger zu werden. Gucci hat sich einen zehnjährigen Nachhaltigkeitsplan auferlegt, andere Firmen setzen zunehmend auf Wiederverwertung von Materialien. Pünktlich zur kalten Jahreszeit werden von großen Modeketten wie COS Kollektionen aus recyceltem Kaschmir beworben.

Auf internationalem Parkett werden die guten Taten mithilfe von viel Marketing-Budget laut herausposaunt. Dabei sind es vor allem kleine Unternehmen, die ihre Kollektionen schon immer von Grund auf anders denken.

Lokal und chemiefrei

Unter Österreichs Stricklabels hat sich Rudolf Vienna mit seinem Konzept einen Namen gemacht: Sämtliche Pullover, Schals und Hauben, die Designerin Antonia Maedel und Textilchemikerin Lisa Mladek kreieren, werden ausschließlich mit naturbasierten Farben behandelt. „Früher waren sie gang und gäbe, sind aber mit dem Aufkommen synthetischer Farben zunehmend in Vergessenheit geraten“, sagt Maedel.

Extrakte aus der Indigopflanze oder dem Färberkrapp: Mit dem zu arbeiten, was die Natur zu bieten hat, sei deutlich komplizierter. Hergestellt wird alles in einem Umkreis von maximal 150 Kilometern. „Wir wissen gerne, wer an unseren Produkten arbeitet – und wollen jederzeit zu den Mitarbeitern fahren können.“

Keine Massenware

Das Gute liegt auch für Franziska Schilcher nah. Die Niederösterreicherin leitet das 1985 gegründete Familienunternehmen Horst Sitte, das sich ebenfalls auf hochwertige Strickware spezialisiert hat. Die gesamte Produktion findet im Weinviertel statt, Kunden müssen sich aus gutem Grund nach der Bestellung unter horst-sitte.com rund drei Wochen bis zum Erhalt ihres Strickteils gedulden: „Jedes Kleidungsstück wird eigens angefertigt“, erklärt Schilcher.

Volle Lager, die am Ende jeder Saison möglichst schnell geleert werden müssen, um Platz für neue Ware zu schaffen, gibt es bei Horst Sitte nicht. Eine simple und sehr effektive Methode, den für die Umwelt belastenden Warenüberhang zu vermeiden, der von vielen Modekonzernen nach wie vor verbrannt wird. Selbst die wenigen Stoffreste, die in der Produktion anfallen, landen nicht automatisch im Müll. Schilcher: „Wir bringen sie einem Kindergarten, wo damit gebastelt wird.“

Der soziale Aspekt, der bei nachhaltiger Mode ebenso wichtig ist wie der ökologische, war für die Wiener Gregor W. Köstler und Andreas de Martini sogar Hauptgrund für ihre Firmengründung. Ersterer hatte sich bei einem Urlaub in Nepal so stark in das Land verliebt, dass er nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2015 die Einheimischen langfristig unterstützen wollte. Die beiden Freunde gaben schließlich ihre Jobs auf, um ihr Kaschmirlabel Mogli & Martini zu gründen.

Sauberes Trinkwasser

Ihre Kollektionen, die unter moglimartini.com erhältlich sind, lässt das Duo nicht nur von einer kleinen Strickerei produzieren, sondern engagiert sich vor Ort auch für sauberes Wasser. Ein Teil der Einnahmen von Mogli & Martini fließt in den gemeinnützigen Verein NePals, der Wasseraufbereitungszentren in den ärmsten Regionen Nepals aufbaut. Dank der Unterstützung von Köstler und de Martini konnten seit August 2019 bereits über 200.000 Liter sauberes Trinkwasser für eine Dorfschule im südlichen Nawalparasi Distrikt aufbereitet werden. Österreichs Stricklabels beweisen: Auch kleine Unternehmen können in Sachen Nachhaltigkeit Großes bewirken.

Ganz gleich, ob Mantel, Pullover oder Kleid: Ihre Merino- und Kaschmirteile hängt Franziska Schilcher von der Strickmanufaktur Horst Sitte stets auf. Jedoch: „Ich verwende niemals Holzbügel, da die Teile sich sonst ausdehnen oder durch die Reibung Löcher entstehen könnten.  Am besten sind breite, mit Samt überzogene Bügel.“

Beim Waschen empfiehlt die Mode-Expertin: Stets auf Wollwaschmittel zurückgreifen. Sollte dieses einmal ausgehen, bitte nicht die  Pulver-Variante in die Waschmaschine füllen: „Diese könnte zu Flecken auf dem Kleidungsstück führen.“ 

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