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freizeit Mode & Beauty
02/27/2021

Die Modewelt ist verrückt nach Pferden: Warum eigentlich?

Wie weit die Verbindung der Modewelt zum Reitsport zurückreicht – und warum diese Tiere eine besondere Anziehungskraft auf uns Menschen ausüben.

von Maria Zelenko

Ein Lächeln huschte am Ende von Chanels jüngst veranstalteten Haute-Couture-Präsentation über Marion Cotillards Gesicht. Vielleicht wegen des spektakulären Hochzeitskleids, das traditionell zum Schluss einer Modenschau gezeigt wird. Auslöser war dieses Mal aber wohl das Pferd, auf dem die Braut über den Laufsteg im Pariser Grand Palais ritt. Die französische Schauspielerin war als eine der wenigen Gäste live dabei – dürfte jedoch nicht die Einzige gewesen sein, die sich am Anblick des schönen Tieres erfreute.

Auch Dior entschied sich diese Saison, seine von Tarotkarten inspirierte Kollektion nicht nur mit Models zu shooten. Ebenfalls mit dabei: ein Schimmel mit Wallemähne, der den mystischen Gesamteindruck der neuen Kreationen unterstrich. Die beiden Luxusmodehäuser sind nicht die einzigen, bei denen das Pferd diese Saison eine tragende Rolle spielt.

Die dänische Marke Ganni hat gleich mehrere Teile mit Pferdeprint lanciert, bei Pomellato erinnern die aktuellen Schmuckstücke an Steigbügel und Trensen. Doch warum ist es ausgerechnet das Pferd, das uns Menschen seit jeher so unglaublich fasziniert? „Zum einen liegt dies an den Jahrhunderten, die uns mit diesem Tier bereits verbinden“, sagt Ulrike Thiel, klinische Psychologin und Reittherapeutin, im "freizeit"-Gespräch. „In Mitteleuropa gibt es kaum ein anderes Tier, das eine so lange Geschichte der Zusammenarbeit mit dem Menschen hat. Pferde sind jahrhundertelang so gezüchtet worden, dass sie mit uns zusammenarbeiten können und sich auch in unserer Nähe wohlfühlen, obwohl sie Fluchttiere sind.“

Anziehungskraft auch beim Mann

Hinzu komme die wichtige Rolle, die das Tier bei der Entwicklung vieler pferdebegeisterter Mädchen spielt. „In einer bestimmten Phase ihres Lebens gehen sie oft eine innige Beziehung mit einem Pferd ein.“ Dem Mythos Pferdemädchen widmete sich Mitte der Neunzigerjahre auch Harald Euler. Im Zuge einer Studie befragte der deutsche Psychologe 138 Mädchen und Frauen auf deutschen Reithöfen zu ihren Motiven. Er beobachtete den dominierenden Wunsch, sich um das Tier zu kümmern: „Die pferdevernarrten Mädchen haben nicht vorrangig ein Interesse für das Reiten, sondern für das Tier. Sie wollen dem Pferd nahe sein, würden am liebsten direkt im Stall beim Pferd wohnen“, sagt Euler.

Hinzu komme der Faktor Statussymbol. „Reiten ist eine angesehene Sportart, die Mädchen reiten sozusagen in eine höhere Schicht ein.“ Ähnlich sieht es Ulrike Thiel: „Für viele war früher das Pferd als Statussymbol unerreichbar. So war es historisch gesehen ja auch der Adel, der sich in den Pferdekarussells in der Spanischen Hofreitschule vergnügt hat.“

Dass die Vierhufer nicht nur auf Mädchen und Frauen eine große Anziehungskraft ausüben, zeigt so manches prominente Beispiel. Zu den berühmtesten männlichen Pferdenarren zählen die Schauspieler Viggo Mortensen und Johnny Depp. Besonders emotional dürfte jedoch Robert Redford bei diesem Thema werden. Während seines ersten Stalljobs mit 15 Jahren verliebte sich der spätere Hollywood-Star in die Tiere und konnte seine Reitkünste unter anderem im Jahr 1979 für den Film „Der elektrische Reiter“ einsetzen. Nachdem der Streifen abgedreht war, wollte sich Redford nicht mehr von seinem vierbeinigen Filmpartner, einem Wallach namens Rising Star, trennen – und kaufte ihn. Naheliegend, dass er 1998 auch für die Hauptrolle in „Der Pferdeflüsterer“ ausgewählt wurde.

Reiterliche Wurzeln

Dass Pferde nicht nur in Filmen, sondern auch in der Mode immer wieder auftauchen, liegt auch daran, dass einige der bekanntesten Labels der Welt ihre Wurzeln in der Reitausstattung haben. Das wohl berühmteste Beispiel ist Hermès. Heute vor allem für seine luxuriösen Taschen bekannt, nahm alles 1837 mit einer Manufaktur für Pferdegeschirr und Sattel seinen Anfang. Für Fans der gehobenen Ausstattung bietet die Pariser Maison bis heute vom Outfit bis zum Zaumzeug alles an, was das Reiterherz höher schlagen lässt.

Auch in Österreich findet sich so manch spannende Verbindung. Die 1885 gegründete Schuhmanufaktur Ludwig Reiter wurde anfangs vor allem für ihre perfekt sitzenden Reitstiefel frequentiert. „Für meinen Urgroßvater als guten Schuhmacher waren sie das Basisgeschäft“, sagt Till Reiter, der das heute im Wiener Gutshof Süßenbrunn ansässige Unternehmen in vierter Generation leitet. Trotz der mittlerweile großen Konkurrenz im Bereich Reitsport-Ausstattung führt die Firma auch heute noch Reitstiefel im Sortiment. Till Reiter: „Wir produzieren nach wie vor klassische schwarze Reitstiefel sowie Polostiefel. Es handelt sich hierbei natürlich um eine recht elitäre Angelegenheit.“ Der Urenkel Ludwig Reiters spielt damit auf den Preis an: 1.189 Euro müssen für ein Paar berappt werden. „Sie sind für Kunden, die höchste Qualität ohne Schnickschnack und lange Haltbarkeit schätzen.“

Das klassische Modell verkauft sich auch unter Nicht-Pferdenarren sehr gut: Lederstiefel im Reit-Look feiern immer wieder ein Comeback, gehörten diesen Winter zu den wichtigsten Schuhtrends. Wem das zu klassisch ist, der kann bei Ludwig Reiter auch eine Spezialanfertigung anfragen: „Da gab es bereits einige außergewöhnliche Wünsche. Für eine deutsche Industrielle haben wir einmal rote Reitstiefel angefertigt.“ Ein Hingucker – im und abseits des Sattels.

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