© REUTERS/HENRY NICHOLLS

freizeit Mode & Beauty
07/27/2020

Deadstock: Wie neue Mode aus etwas entsteht, das Müll gewesen wäre

Designer kaufen nicht verwendete Stoffe auf, damit sie nicht auf Deponien landen oder verbrannt werden.

von Maria Zelenko

Was passiert mit Stoffen, die eigentlich für neue Mode produziert, jedoch nie für ihre Herstellung verwendet wurden? Die Modebranche hüllt sich zu diesem Thema am liebsten in Schweigen. Unzählige Tonnen an Material finden sich jährlich in den Lagern der Textilproduzenten und Modehäuser. Seinen ursprünglichen Zweck erfüllt es aus verschiedensten Gründen nicht: Mal ist der Farbton nicht der gewünschte, mal gibt es minimale Makel – oder es wurde schlichtweg viel zu viel davon hergestellt.

In der nächsten Saison kann selbst Letzteres meist nicht mehr verwendet werden, schließlich lebt die Modewelt von ihrer ständigen Neuerfindung. Ein auffälliges Muster oder ein außergewöhnlicher Farbton sind für eine kommende Kollektion kaum zu gebrauchen.

Auch bereits fertig produzierte Kleidungsstücke bleiben jede Saison selbst nach dem Ausverkauf in Unmengen übrig. Luxus-Modehäuser, die ihr Image wahren wollen, rabattieren gar nicht erst. Zu verifizieren, was die Beteiligten mit den Stoffen und Kreationen machen, ist schwer. Nur hin und wieder dringen Informationen durch, dass diese in großem Stil verbrannt oder auf die Deponie verfrachtet werden.

Hoher Aufwand

Immer mehr kleine Labels beweisen, dass es auch anders geht. Sie kaufen diesen toten Lagerbestand, Deadstock genannt, und schenken ihm ein neues Leben. Eine besonders nachhaltige Methode, die unter anderem Veronika Bäck und Maria Neffe praktizieren. Das Wiener Design-Duo hat vor drei Jahren seine Unterwäsche-Marke Miyagi ins Leben gerufen, heuer wurde erstmals eine Bademoden-Kollektion lanciert.

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„Wir haben uns von Beginn an auf nachhaltige Materialien konzentriert und haben im Zuge unserer Recherchen herausgefunden, dass viele Produzenten noch Material in ihren Lagern haben, das ihnen von den Großkunden nicht abgenommen wurde“, sagt Veronika Bäck.

Neben ihrer Hauptkollektion, für die die beiden Designerinnen bei der heimischen Firma Lenzing AG aus Holz produzierte Stoffe verwenden, fertigen sie nun auch kleine Kapsel-Kollektionen aus Deadstock. Eine für die Umwelt bessere, jedoch für Labels aufwendigere Alternative. „Die Einkaufskosten sind fast dieselben, wie bei neu angefertigtem Stoff, die Organisation ist aber viel aufwendiger“, erklärt Maria Neffe. „Man muss bei Deadstock auch mal mit bösen Überraschungen rechnen, wie beispielsweise einem Stoff, wo mittendrin plötzlich kleine Löcher sind.“

Für Neffe und ihre Geschäftspartnerin Bäck überwiegen jedoch die Vorteile. „Ein so kleines Label, wie wir es führen, kann sich eine extra Stoffproduktion, bei der teils ein Minimum von 500 Metern bestellt werden muss, gar nicht leisten“, verrät Erstere. „Außerdem ist die Arbeit mit Deadstock für den Designprozess spannend. Anstatt zu sagen, man lässt nach Wunsch ein bestimmtes Muster produzieren, muss man schauen, was aus bereits Bestehendem gemacht werden kann.“

Große Häuser - große Stückzahl

Warum die meisten internationalen Modehäuser kaum mit Deadstock arbeiten? Sie könnten aus dem zur Verfügung stehenden „alten“ Material nur Stücke kreieren, die es in kleiner Anzahl und nicht nachbestellbar gibt. Kurz gesagt: Damit lässt sich wenig Geld verdienen. Einige greifen mittlerweile zumindest auf ihr eigenes Lager zurück. Ein Beispiel: Diesel brachte eine Kollektion auf den Markt, für die bereits produzierte Ware zerlegt und zu neuer Mode verarbeitet wurde.

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Das britische Label House of Holland verkauft seine eigenen, nicht mehr benötigten Stoffe an Branchen-Kollegen weiter. Selbst Chanel recycelt seit vergangenem Jahr. Aus geschreddertem Tweed entstanden jüngst neue Bezüge für die Sofas in den Boutiquen. Ein kleiner Schritt – aber zumindest in die richtige Richtung.

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