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freizeit Mode & Beauty
07/20/2020

Kritik für Vogue: Ein Abgang und die mögliche Ablöse von Wintour

Nach Rassismus-Vorwürfen und einem prominenten Abgang wird über Anna Wintours Ablöse gemunkelt.

von Christina Michlits

Es sind harte Zeiten für das glamouröseste Modemagazin der Welt: Keine Woche vergeht derzeit ohne Negativschlagzeile für den berühmten Condé Nast Verlag. Anna Wintour, der übermächtigen Chefin der US-Vogue, wird von mehreren Mitarbeiterinnen Rassismus vorgeworfen.

Suzy Menkes – die bekannteste Modekritikerin – warf das Handtuch und kündigte ihren Job bei der Modebibel und als Draufgabe schilderte der neue Chefredakteur der britischen Vogue gerade einen Vorfall im Verlag.

Edward Enninful wurde von einem Sicherheitsmann am Weg zu seinem Arbeitsplatz gebeten, den Lieferanteneingang zu benutzen – offenbar wegen seiner schwarzen Hautfarbe. Zwar wurde der Security-Bedienstete sofort entlassen, doch das Modemagazin verliert mit solchen Geschichten immer mehr an Renommee.

Wintour geriet, ob der extremen Schilderungen schwarzer Mitarbeiter, derart in die Bredouille, dass die sonst so unnahbar wirkende Modeinstanz zugab, in der Vergangenheit tatsächlich „verletzend und intolerant“ gewesen zu sein.

Dass die legendäre 70-jährige Vogue-Chefin möglicherweise kurz vor der Ablöse stehen könnte, ist wohl auch dem neuen Buch „The Chiffon Trenches“ von André Leon Talley geschuldet. In diesem lässt er hinter die Fassade der Vogue-Chefredakteurin blicken: Talley war jahrelang rechte Hand und engster Weggefährte von Wintour und packte aus, dass er von ihr mit den Worten, er sei „zu alt, zu fett und zu uncool“ eiskalt gekündigt wurde. Die vielen Jahre mit ihr hätten bei ihm zahlreiche „emotionale und psychische Narben“ hinterlassen. „Einfache menschliche Liebenswürdigkeit. Nein, dazu ist sie nicht fähig“, schreibt Talley.

Geschäft wird schwerer

Abseits der bösen Worte Anna Wintours, sind es aber auch die blanken Zahlen, die die einst so wichtige Modebibel zu einem immer weniger mächtigen Sprachrohr der Modeindustrie machen.

Die Verkaufszahlen sinken wie bei vielen Konkurrenz-Medien auch, der Online-Auftritt war lange nicht die Stärke von Condé Nast und die Werbekunden investieren immer stärker direkt in Promis mit hohem Instagram-Wert. So wie zum Beispiel Kim Kardashian oder Beyoncé, die auf der Plattform an die 150 Millionen Follower erreichen.

Zum Vergleich: 2018 lag die Auflage der US-Vogue bei 1,2 Millionen. Kein Wunder also, dass das eigentliche Geschäft immer schwerer wird. Wintour versucht sich nun zwar an einer Online-Plattform, um junge Designer zu fördern, aber einen richtigen Neustart will man ihr nicht zutrauen.

Einer anderen hingegen schon: ihrer Freundin und gleichzeitigen Konkurrentin Natalie Massenet. Die Selfmade-Millionärin hat den Luxus-Onlineversand „Net-a-Porter“ gegründet und ist zudem Vorsitzende des British Fashion Council, wo über Förderungen für Designer entschieden wird. Seit einigen Jahren ist sie nun auch bemüht, die Fashion Awards in London zu einem ebenso weltbekannten Mode-Spektakel zu machen wie Wintours Met Gala in New York.

Mögliche Nachfolgerin

Unter Insidern wird schon länger gemunkelt, dass die berühmt-berüchtigte Partylöwin und Neo-Mama (mit 52 Jahren) den prestigeträchtigen Job übernehmen könnte und auch sie selbst soll Gefallen an dem Gedanken finden. Mit Freunden von Diane von Fürstenberg bis Donatella Versace hat sie jedenfalls genügend Kontakte.

Sie gilt zudem als weitaus offener und zugänglicher als Anna Wintour. So wurde sie 2017 vom Tatler-Magazin zum begehrtesten Partygast Englands gekürt – vor Prinz Harry und Victoria Beckham. Auch auf eleganten Festen verlasse sie die Tanzfläche meist als Letzte und beim Small Talk variiere sie zwischen politisch brisant bis witzig-derb, so die Begründung des Lifestyle-Magazins. Eine Beschreibung, die wohl nicht konträrer zur immer kontrolliert und distanziert wirkenden Anna Wintour sein könnte.

Die erste Ausgabe der Vogue erschien 1892 in den USA als wöchentliches Magazin für die gehobene New Yorker Gesellschaft. Herausgegeben wurde die Zeitschrift von Arthur Baldwin Turnure. Nach dessen Tod kaufte 1909 Condé Montrose Nast das Magazin und gründete den Condé Verlag. Noch bis heute wird die Vogue von Condé  Nast, bzw. in Lizenz verlegt und hat Ableger in mehr als zwanzig Ländern.

In Deutschland erschien 1928 erstmals eine eigene Ausgabe.  Anna Wintour leitet seit 1988 die amerikanische Ausgabe der Vogue und ist damit eine der mächtigsten Frauen der Modewelt – und lieferte 2006 das Vorbild für den Kinofilm „Der Teufel trägt Prada“   

 

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