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freizeit Mode & Beauty
08/22/2021

Das Comeback des Goldketterls: Mann schmückt sich wieder

Das Halsketterl für den Mann ist wieder da. In Gold, oder – oha! – sogar mit Perlen. Schmuck für den Herren liegt im Trend. Erlaubt ist alles. Beinahe.

von Alexander Kern

Goldketterl und Gänsehäufel. Strizzi und Street Credibility. Prolo und Protzring. Es sind ganz spezifische Glanzlichter, die man imaginiert, wenn man an Schmuck für Männer denkt. Und irgendwie haben sie meist auch mit Brusthaaren und offenen Hemden zu tun, einer leicht pickigen, zuweilen brutalen Zurschaustellung maskuliner Autorität, und einer Virilität, die schnell mit Vulgarität einhergeht. Männer und Schmuck, das ist ein Minenfeld, das man – stilbewusst – bislang getrost umging. Das ändert sich jetzt. 

Schmuck für den Mann ist zurück. Und zwar im ganz großen Stil. Mann muss nicht mehr Toni Polster sein, um Ketterl zu tragen, oder Thomas Anders, der dieses Accessoire mit seinem Nora-Anhängsel eigentlich in den Höllenschlund der Modesünden gestoßen hat. Tief hinab, wo die Tennissocken und Jogginghosen sind. Beziehungsweise waren.

Mode von heute, das ist zu einem großen Teil vor allem dies: Altbewährtes in neuen Kontext setzen, Umdeutung überholter Klischees und Rollenbilder. Und Spaß dran zu haben, am Abenteuerspielplatz Mode ein No-Go in ein Yes-Please zu verwandeln.

Diese Stars machen es vor

Armbanduhr, Manschettenknöpfe, Ehering – so lautete jahrelang die heilige Dreifaltigkeit des Herrenschmucks. Mehr war nicht. Heute sieht die Sache so aus: Die Suchmaschine Lyst, die jedes Monat das Online-Einkaufverhalten von neun Millionen Menschen weltweit analysiert, verzeichnete 2020 bei Herrenschmuck einen Anstieg der männlichen Käufer um 150 Prozent. „Es heißt: Diamanten seien der Frauen bester Freund“, flüsterte Lewis Hamilton der New York Times. „Da widerspreche ich, das können sie genauso gut für den Mann sein.“ Also: gleiches Recht für alle.

Der Formel 1-Weltmeister trägt gerne Diamanten, ob als Kette, Ohrring oder Armband, gleich ob im Fahrerlager, übers T-Shirt oder im Anzug. Andere Stars halten mit: Johnny Depp gefiel Schmuck schon immer, nun zelebrieren auch Jared Leto, Zayn Malik, Timothée Chalamet – gemäßigter – das neue Selbstverständnis.

Kuriose Blüten bringt die neue Liebe zum Selbstbehang natürlich auch hervor. Justin Bieber posierte kürzlich auf Instagram in Sterling-Silberkette mit einem Behang aus knallbunten Gummibärlis zum Saint-Laurent-Anzug. Muss man tragen können. Er springt damit auf einen anderen Trend auf: Do-it-yourself-Ketten sind heuer ebenfalls angesagt, das darf ruhig knallen. Auch zeigte er sich mit Perlenkette, womit er mit Kollege Harry Styles gleichzieht. Perlen, echt?

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Perle für den Mann? Aber ja

Seit Styles etwa in der Vogue Perlenkette trug, ist die Männerwelt eine andere. Perlen, das war einst Königen vorbehalten, Stil-Göttinnen wie Grace Kelly oder Oma zu Weihnachten. Jetzt feiert die Perle ein Comeback, und das ausgerechnet beim Mann. Givenchy und SSS World Corp spielten schon 2019 mit dem Glanzstück, heute mischt Gucci groß mit. Die Perle wird bewusst als Kontrapunkt eingesetzt, Männer- und Frauenmode gehen ineinander über, es wird androgyner, Genderfluidität nennt man das.

Selbst Rapper, traditionell Testosteron-geladen, machen beim Perlen-Trend mit: A$AP Rocky, so unkt mancher, besitzt mehr Juwelen als seine holde Rihanna. Pharrell Williams brachte mit Chanel eine Kollektion heraus, die Broschen und Perlen inkludierte. Im Hip-Hop-Milieu ist der Hang zum Geschmeide tief verankert. In den 1980er-Jahren machten Run-DMC die Dookie Rope populär, die fette Goldkette wurde Standard im Genre. Heute hat jemand wie der Rapper Offset Juwelen aus Gold und Platin im Wert von drei Millionen Dollar zu Hause. „Es geht um Selbstvertrauen“, sagt er.

Das war schon immer so. Goldene Ketten, große Ringe dienten dem Mann als Symbol für Luxus, Macht, Status. Und zwar von der Arbeiterklasse bis zum Monarchen. Auch heute sind schwere, grobgliedrige Ketten (etwa von Balenciaga) gefragt. Eingeleitet hat die neue Schmuckliebe allerdings Filigraneres: die silberne Connell’s Chain.

In der BBC-Serie „Normal People“ trug die Figur des Connell stets ein eng um den Hals liegendes Ketterl, was einen Hype auslöste und dem Teil einen eigenen Instagram-Account mit 167.000 Abonnenten verschaffte. Die Folge: Marken bringen vermehrt Männerkollektionen heraus – oder stellen auf Unisex um. Es gibt etwas für jeden Geschmack: Ob Ketten mit Kreuz oder Medaillon, mehrere Ketten (kurz und lang) übereinander – und von Roségold über Sterling-Silber bis Edelstahl. Also, alles erlaubt? 

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Hilfe, wie trägt Mann es?

Gemach. „Ich rate Männern, Schmuck reduziert einzusetzen und nicht, sich wie ein Christbaum aufzuputzen“, so ORF-Style-Expertin Martina Reuter. An tätowierten Musikern wie RAF Camora sähen schwere Ketten und Totenkopfringe toll aus; wer Siegelringe im Familienbesitz hat: jetzt sei die Zeit dafür. Im Business rät Reuter, darauf zu verzichten. Für einen coolen Casual-Look empfiehlt sie eine längere Kette zum V-Pullover, auch unterschiedliche Legierungen (Bicolor) seien angesagt. Und, wichtig: bei Kette zum Hemd bei diesem unbedingt die oberen zwei Knöpfe geöffnet tragen. So klappt’s denn auch bei Männern mit Schmuck.

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