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freizeit Leben, Liebe & Sex
08/25/2021

"Silver Sex": Die Lust endet nicht mit dem Alter

Die Fortsetzung von "Sex in the City" könnte den Blick auf Sex im Alter ändern.

von Julia Pfligl

Mit Mitte 30 brachen sie Tabus, sprachen offen über Selbstbefriedigung, jüngere Lover und das Leben als Single. Jetzt sind Carrie, Miranda und Charlotte Mitte 50, natürlich ergraut – und beweisen in der Fortsetzung von „Sex and the City“, dass sich 20 Jahre später immer noch alles um Beziehungen und Sex dreht.

Eine gesellschaftliche Realität, die auf der Leinwand bisher eher unterbelichtet wurde. Denn obwohl erotische Formate wie „50 Shades of Grey“ oder „365 Days“ seit einigen Jahren auch im Mainstream boomen, drehen sich diese selten um Protagonisten jenseits der 50. Eine Ausnahme ist Jane Fonda, die mit Ende 70 in „Unsere Seelen bei Nacht“ an der Seite von Robert Redford blank zog und sich lautstark für mehr Seniorensex in Film und Fernsehen einsetzt.

Befriedigend

Auch durch die fehlende Sichtbarkeit in der Popkultur hält sich das Vorurteil, dass ältere Menschen keine Lust mehr auf Sex hätten, hartnäckig. Dabei ist oft das Gegenteil der Fall, wie die Sexualtherapeutin Gabriele Vyskocil berichtet. „Ich sage manchmal scherzhaft, dass die Voraussetzung für ein befriedigendes Sexualleben die Entstehung von Falten ist: Ein reifes sexuelles Profil ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen, der Beziehung zum eigenen Körper und der Fähigkeit, sich wirklich auf Nähe einzulassen.“

Einfallsreicher

Wenn das gelingt – was in einer langjährigen Partnerschaft häufiger der Fall ist –, könne Sex einfallsreicher und intensiver sein als in jedem anderen Lebensabschnitt, so die Therapeutin. Eine Berliner Studie zeigte vor zwei Jahren, dass die sexuelle Aktivität im Alter zwischen 60 und 80 zwar abnimmt, es in Sachen Intimität aber fast keinen Unterschied zwischen Jung und Alt gibt. Ebenso fanden die Forscher keinen Hinweis darauf, dass die Lust auf Sex ab einem bestimmten Alter rapide nachlassen würde.

Menopause

Die hormonellen Umstellungen in der Menopause können zwar zu Scheidentrockenheit führen, bedeuten aber nicht zwingend das Ende der Lust, erläutert Vyskocil. „Bei manchen ist das Gegenteil der Fall und sie entdecken in dieser Lebensphase die Sexualität erst so richtig.“

Im Gegenteil: In ihrer Praxis würden viele junge Frauen sitzen, die über Unlust klagen. „Man muss berücksichtigen, dass sich bei ihnen Lustkiller wie Schwangerschaft, Stress, Erziehung und damit einhergehende Doppel- und Dreifachbelastungen negativ auf die Libido auswirken.“

Inspirierend

Dennoch wird die ältere Zielgruppe auch vom wachsenden Markt für Sexspielzeug ignoriert, sagt Johanna Rief. Sie leitet die Abteilung „Sexual Empowerment“ bei WeVibe, einem Sextoy-Anbieter, der durch seine Paarvibratoren bekannt geworden ist. „In einer Umfrage haben wir herausgefunden, dass fast jeder Zweite davon ausgeht, dass die Lust auf Sex im Alter abnimmt. Dabei sind und bleiben wir unser Leben lang sexuelle Wesen. Mittlerweile sind 13 Prozent unserer Kunden älter als 55“, erzählt sie.

Um zu einer Entstigmatisierung beizutragen, startete WeVibe eine Kampagne, bei der Menschen über 60 mit Sexmythen aufräumen. „Mittlerweile ist es ein Vergnügen“, sagt etwa die 64-jährige Lesley in dem Video. „Früher war es etwas Ernstes, das man unbedingt richtig machen musste.“ Und Rory, 78, stellt klar: „Das ist Unsinn. Natürlich haben wir Sex.“

Tabuthema Sex

„Menschen, die in ihren 60ern oder älter sind, sind in einer Zeit aufgewachsen, in der die Themen Sex und Masturbation stark tabuisiert waren. Die Aufklärung in der Zeit ging selten über Fortpflanzung und Schwangerschaft hinaus“, sagt Rief. Nun würden Tabuthemen rund um Sex und Selbstbefriedigung langsam den Weg in die Mitte der Gesellschaft finden. „Unsere Hoffnung ist, dass sich dadurch auch ältere Menschen wohler fühlen, über ihre Gefühle und Lust zu sprechen.“

„And Just Like That“, wie die Fortsetzung von „Sex and the City“ heißen wird, begrüßt sie ebenfalls. „Es bleibt abzuwarten, ob und wie die körperlichen und sexuellen Veränderungen thematisiert werden. Das wäre jedenfalls ein wünschenswerter Bruch mit dem Status quo.“

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