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Leben Gesellschaft
06/28/2021

Warum es keine gute Idee ist, am Abend den Garten zu gießen

Rund ums Bewässern gibt es viele Mythen, einige kann man getrost begraben.

von Ute Brühl

Wenn Wolfgang Palme seine Beete gießt, bleibt er an einer Stelle stehen und zählt leise bis 20: „So lange braucht es, bis das Wasser ausreichend in die Tiefe dringt,“ erläutert der Leiter der City Farm Augarten – einem Erlebnisgarten in Wien.

Die beste Zeit, die Gießkanne in die Hand zu nehmen, ist übrigens der Morgen – und nicht wie in vielen Ratgebern zu lesen ist, der Abend. Das sei ein Mythos: „Besonders im Spätsommer, wenn die Nächte kühler werden und die Blätter nicht trocknen können, entstehen so leicht Pilzkrankheiten wie Mehltau oder Braunfäule“, weiß der Garten-Profi. Deshalb sei selbst der Mittag eine bessere Gieß-Zeit: „Es stimmt nämlich nicht, dass die Blätter verbrennen, wenn sie bei Sonne in Kontakt mit Wasser kommen.“ Ein weiterer Mythos, der begraben werden muss.

Kleine Helferlein

Wolfgang Palme setzt beim Bewässern auf den richtigen Aufbau des Bodens: „Ein Gärtner sollte alles tun, damit die unsichtbaren Helferlein wie Hundertfüßer, Regenwürmer und natürlich die unzähligen Mikroorganismen in der Erde ihre Arbeit machen können. Wird der Boden nämlich zu heiß und zu trocken, ziehen diese sich tiefer in die Erde zurück.“ Den besten Schutz vor zu viel Sonne bietet Mulch – neben dem Holzhäckselmulch aus dem Garten-Center bietet sich hier auch getrockneter Rasenschnitt, Stroh oder Holzwolle an, die in der Industrie als Verpackungsmaterial verwendet wird.

Wer wenig gießen will, der sollte darauf achten, dass die Erde möglichst humusreich ist: „Denn Humus kann Wasser und Nährstoffe besser binden“, erläutert Palme. Gar nichts hält der Experte davon, den Boden häufig umzugraben – und er begräbt somit den nächsten Mythos: „Das Graben zerstört nur den Mikrokosmos in der Erde.“

Der Schlüssel zum Gärtnerglück sei vielmehr, Beete das ganze Jahr über bewachsen zu lassen. Wenn nach dem Sommer zum Beispiel die Paradeispflanzen abgeräumt werden müssen, sät Palme an deren Stelle Vogerl- oder Pflücksalat, den er im dann Winter erntet.

Apropos Tomaten: „Die sollte man keinesfalls zu häufig gießen: Paradeiserwurzeln können bis in eine Tiefe von 2 bis 3 Meter vordringen, wenn sie sich ihr Wasser suchen müssen. Die Gänge, die diese Wurzeln dabei graben, dienen später als Platzhalter für Regenwürmer und andere Erdbewohner“, erläutert Palme. Auch andere Gemüsesorten sollte man nicht zu häufig gießen. Ganz ohne Gießen geht es aber im Gemüseanbau nicht, und „nicht vergessen, dabei bis 20 zu zählen“.

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