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freizeit Leben, Liebe & Sex
02/04/2021

TV-Serie John Dillermand: Penis-Mann sorgt für Diskussionen

Eine dänische TV-Serie für Kids rund um John Dillermand, den Mann mit lustigem Riesen-Penis, sorgt für Diskussionen - bei Erwachsenen.

von Gabriele Kuhn

Vergangene Woche die Vulva, nun der Penis als Aufreger. „John Dillermand“ heißt eine Kinder-Animationsserie, die im dänisch-öffentlichen Fernsehen ausgestrahlt wird und in deren Mittelpunkt ein elastischer Riesenpenis mit ausgeprägtem Eigenleben steht. Dillermand bedeutet übersetzt etwa „Pillermann“ oder „Penismann“. Das rot-weiß geringelte Anhängsel – es sieht ein bisserl aus wie eine weich gewordene und in die Länge gezogene Zuckerstange – spielt einen Streich nach dem anderen. Fladert anderen ihr Eis, kann sich als Schranke über die Straße legen, Luftballons vom Baum holen oder Hunde ausführen. Sogar einen Griller kann er anzünden – und Kinder damit retten. Eine Mischung aus Harmlosigkeit (John ist ein kindlicher Charakter, der Gutes tun möchte) und Fragwürdigkeit.

John die "Stange" halten

Entsprechend kontrovers wird diese Penis-Interpretation als trickreiches Multitasking-Wunder daher auch betrachtet. Für manche stellt sich die Frage der Sinnhaftigkeit, und außerdem, welche Botschaft Kindern damit vermittelt würde. Der Penis als eigenständiges Wesen, übermächtig, trickreich, aber, hm, leider so schwer kontrollierbar? Für den Genderforscher Christian Groes schwingt da allerlei Patriarchalisch-Mächtiges mit. Das sei, quasi, die verharmlosende Rechtfertigung für toxische Männlichkeit sowie peinliches Schwanz-Dominanz-Verhalten: „Es soll witzig sein, also wird es als harmlos verstanden. Doch das ist es nicht. Und das bringen wir unseren Kindern bei“, meint er. Die Schriftstellerin Anne Lise Marstrand-Jørgensen hat ebenso Zweifel, ob es tatsächlich die richtige Botschaft sei, die Kindern in Zeiten von #metoo vermittelt werden sollte. Dazu muss gesagt werden, dass es vergangenen Herbst in Dänemark eine breite Diskussion zum Thema Sexismus gab, als die Moderatorin Sofie Linde öffentlich berichtete, sie sei als 18-Jährige von einem machtvollen Medienchef dazu aufgefordert worden, ihn sexuell zu befriedigen – sonst würde sie in der Branche nicht reüssieren. Jedenfalls diskutieren die sonst eher entspannten Dänen gerade, ob der Typ mit dem wirklich sehr langen Penis tatsächlich etwas für ihre Kinder sei. Manche machen sich schlicht darüber lustig.

Sogar CNN war die Serie einen Beitrag wert, Motto: Caillou ist Geschichte, jetzt kommt John Dillermand. Und da sind eben auch die, die das alles für etwas übertrieben halten. Die Show gilt beim Sender DR als Erfolg, viele halten John die Stange, wenn man das so sagen darf. Es sei vor allem die Sicht Erwachsener, die in die harmlose Penis-Metapher viel zu viel hineininterpretieren würden. Sexuelles etwa – oder eben maskulines Machtverhalten. Denn im Grunde müsste man John Dillermand als sympathischen Superhelden im Stil von Spiderman verstehen, der Gutes meint und Gutes tut – in dem Fall mit der Kraft seines langen Genitals in Form einer flexiblen Zuckerstange. So ähnlich sehe auch ich das, obwohl ich mir nicht vorstellen möchte, was passiert, wenn Herr Pillermann bei uns im öffentlich-rechtlichen Kinderfernsehen auftauchen würde. Genauer betrachtet, könnte ein männliches Slapstick-Genital aber kaum harmloser und „verweichlichter“ daherkommen, von toxischer Mannesmacht nix zu sehen. Außerdem ist es wichtiger, was Eltern ihren Kindern hier vorleben und mit ins Leben geben.

So betrachtet könnte das ein guter Anlassfall sein, mit Kindern altersadäquat und offen über „da unten“ zu reden und Dinge direkt anzusprechen. Denn je früher Kinder ordentlich aufgeklärt werden, desto besser und verantwortungsbewusster gehen sie später mit ihrer Sexualität um und desto weniger Spielraum bleibt für heikle Entwicklungen.

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