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freizeit Leben, Liebe & Sex
08/05/2020

"Klär mich auf": Wie Eltern mit ihren Kindern über Sex reden können

Expertin Marianne Römer, die pädagogische Leiterin von SOS-Kinderdorf, über falsche Scham, den richtigen Zeitpunkt und Fake News.

von Daniela Davidovits

Jugendliche geben sich gerne so, als wüssten sie schon alles über Sex. In Wirklichkeit ist die Unsicherheit oft groß, so Marianne Römer, pädagogische Leiterin bei SOS-Kinderdorf in Wien. Aber mit den Eltern darüber reden? „Jugendliche haben oft ein großes Schamgefühl und streben in der Pubertät nach Autonomie. Darum empfinden viele die eigenen Eltern als denkbar ungeeignet um über intime Gedanken, Unsicherheiten und Fragen zu sprechen. Eltern sollten das nicht als Abwertung deuten, sondern den ersten Schritt machen und als einfühlsame Gesprächspartner zur Seite stehen", sagt sie. Das sind ihre Tipps:

Keine falsche Scheu

Mit dem Nachwuchs über Sexualität und Verhütung zu sprechen, kann sich unbehaglich anfühlen und Eltern an ihre eigenen Schamgrenzen bringen. Dennoch ist es wichtig, das Thema nicht zu ignorieren. Finden Sie einen vertrauensvollen Rahmen, um mit Ihrem Kind über lustvolle und sichere Sexualität und Verhütung zu sprechen. Drängen oder löchern Sie die Kinder nicht, aber vermitteln Sie, dass Sie jederzeit da sind.

Es ist nie zu früh

Die sexuelle Entwicklung beginnt bereits mit der Geburt. Fängt ein Kind an, Fragen zu stellen, ist es auch alt genug für Antworten. Sexualerziehung ist darum nicht mit einem einmaligen Aufklärungsgespräch erledigt, sondern sollte selbstverständlicher Teil der Erziehung sein. Bereits für jüngere Kinder gibt es altersgerechte Bücher und andere Medien, die beim Thema Aufklärung hilfreich sein können. Je offener Sie selbst mit dem Thema umgehen, desto leichter fallen auch Gespräche in der Pubertät.

Die richtigen Worte finden

Besonders wenn es Ihnen schwer fällt, über intime Themen zu sprechen, sollten Sie sich gut darauf vorbereiten. Welche Begriffe sind geeignet? Welche Aspekte möchten Sie besprechen? Verwenden Sie Ausdrücke, die Ihrem Kind geläufig sind, und vermeiden Sie abstrahierende Begriffe wie „Geschlecht“. Ihr Nachwuchs braucht keinen wissenschaftlichen Vortrag sondern Erklärungen auf Augenhöhe.

Sexualität ist Vielfalt

Damit Ihr Kind über alles mit Ihnen reden kann, braucht es die Gewissheit, dass Sie offen dafür sind. Dazu ist es wichtig, dass Sie verschiedenen sexuellen Orientierungen und Präferenzen unvoreingenommen gegenüberstehen. Bestärken Sie Ihren Sohn oder Ihre Tochter, herauszufinden, was für ihn oder sie schön ist und Lust bringt. Das gibt Ihrem Kind Sicherheit und damit einhergehend auch Stärke im Umgang mit den eigenen Grenzen und No Gos.

Stimmt das alles?

Besprechen Sie mit Ihrem Kind, dass die Darstellung von Sex in Filmen oft ziemlich weit von der Realität abweicht. Stellen Sie klar, dass Sex immer mit Vertrauen, Wohlfühlen und Verantwortung zu tun hat. So können Sie ein einseitiges Bild von Sexualität geraderücken. Jugendliche tauschen sich oft über das Thema aus – auch in sozialen Medien. Bestärken Sie Ihr Kind, dass es keinen Grund zur Verunsicherung gibt, wenn andere mit sexuellen Erfahrungen prahlen. Hier wird häufig gemogelt. Dennoch sollten Medien nicht generell verurteilt werden. Gut ausgewählt können Sie die Aufklärung ergänzen.

Verhütung geht alle etwas an.

Die Möglichkeiten der Verhütung sind in den letzten Jahren immer umfangreicher geworden – fast alle aber richten sich an Frauen. Verhütung geht jedoch alle etwas an! Für Eltern von Söhnen ist es daher wichtig, diesen klarzumachen, dass auch sie Verantwortung für sowohl die Krankheits- als auch die Schwangerschaftsverhütung tragen. Besprechen Sie mit Ihrem Nachwuchs die gängigen Verhütungsmittel mit ihren Vor- und Nachteilen. Sie können sich dazu gemeinsam mit Ihrem Kind im Internet schlau machen, etwa unter Verhütungsmittel stellen sich vor.

Vertrauen Sie Ihrem Kind.

In den Augen der Eltern sind Jugendliche oft lange noch zu jung für Sex und alles was damit zusammenhängt. Ihr Kind schnappt Inputs zum Thema Sexualität nicht nur in der Familie, sondern auch in der Schule, im Freundeskreis oder beim Sport auf. Durch Wiederholungen und transparenten Umgang baut Ihr Kind ein Wissen über Sexualität auf. Dabei sollten Sicherheit und Gesundheit einen großen Stellenwert haben. Gleichzeitig soll der eigene Körper und Sexualität für Jugendliche als etwas Schönes und Positives erlebt werden. Stärken Sie den Selbstwert Ihres Kindes und trauen Sie ihm zu, dass es mit sich selbst und anderen Menschen wertschätzend umgehen kann.

Profis fragen

Wenn Ihnen die Fragen Ihres Kinders über den Kopf wachsen oder Sie ein dumpfes Gefühl beschleicht, dass Ihr Kind sich mit diesem intimen Thema Ihnen gegenüber nicht öffnen kann, dann scheuen sie sich nicht davor, Hilfe anzunehmen. Holen Sie sich Unterstützung – etwa bei Rat auf Draht – oder ebnen Sie Ihrem Kind den Weg zu Beratungsstellen oder GynäkologInnen.

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