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freizeit Leben, Liebe & Sex
07/22/2021

Die Erotik der Musk: Singen, Seufzen, Sommer

Der Sound einer Jahreszeit: Was gibt es Animierenderes als einen Drink in der Hand und souliges Raunen in den Ohren?

von Gabriele Kuhn

Nur Musik kann aus dem hitzigen Flirren eines Sommertages das Beste herausholen: zum Beispiel dieses Empfinden vager Sexyness. Wenn man mit einem Drink in den orangeblauen Sonnenuntergangshimmel oder aufs Wasser schaut und die Noten eines guten Songs ganz, ganz träge unter die Haut sickern, sodass das Leben plötzlich vibriert. Endlich. Und nein, das wird jetzt nicht die x-te Kolumne zum Thema „Best-of-Bums-Musik“, sondern schlicht eine Hommage an jene Momente, die erst durch bestimmte Songs zum Augenblick werden, der niemals enden sollte. Im Hier und Jetzt sein und fühlen, die Nacht durchtanzen, durchküssen, durchvögeln, kurz einmal schwimmen gehen, sich abkühlen, trinken, sich im Sternenhimmel schauend verlieren und danach weiter vögeln. Immer wieder und wieder. Ohne Zeit, ohne Vernunft, vor allem aber, ohne etwas zu bereuen.

Dazu fällt mir vor allem einmal „His Hotness“ Isaac Hayes ein, dessen Stimme seit Jahrzehnten in meine Sommertage gehört – wie das obligate Stanitzel mit den Lieblingseissorten Schoko-Fiocco-Vanille. Als Burner für heiße Nächte gilt vor allem sein Album „Hot Buttered Soul“ aus dem Jahr 1969. Bitte jetzt nur nicht gähnen und sagen: Puh, auch schon ganz schön alt, da war ich noch gar nicht auf der Welt. Völlig egal, ich war da auch erst im Volksschulalter und bin dann mit 17 auf Hayes gekommen, da lag ich im Schoß eines Typen mit blonden Haaren, wir teilten uns einen reifen Pfirsich und hörten Soul. Und jetzt – jetzt sind Sie und ich erwachsen, also sollten Sie sich entspannt einen Drink mit viel Eis und allenfalls Minze gönnen, um sich auf den Song „Walk on By“ einzulassen. Idealerweise in Begleitung eines anderen Menschen, der Minze on Ice, vor allem aber einer kleinen Ekstase nicht abgeneigt ist.

Wie wir auf Musik reagieren

Mehr braucht’s aus meiner Sicht nicht, außer vielleicht den herrlich dahingestöhnten Schlafzimmerklassiker „Could it be Magic“ von Donna Summer („Spirits move me, everytime I’m near you ...“) zum möglichen Dacapo, falls noch eine zweite Runde Exzess geht. Ebenfalls schon ein bisserl alt, aber auch ein bisserl gut, für dieses „Sommer-ich-will-dich“-Gefühl. Und wer jetzt noch einmal herumjammert und fragt, ob’s vielleicht auch was Zeitgenössisches gäbe, das ebenfalls ein wenig animiert – ja klar. Immer. Zum Beispiel den deutschen Song „So smooth“. Der ist sehr fein, vor allem wegen des Textes: „Sag du willst es, brauchst es, liebst es, sag, dass du es willst, genau wie ich. Lass es raus, wenn du bei mir bist, keiner gibt dir das, was ich dir geb’“. Das kommt auch als WhatsApp-Botschaft gut.

Doch zurück zu Isaac Hayes, dessen Stimme gar nicht zu singen braucht, um zu animieren. Der könnte den Text des österreichischen Salzmonopolgesetzes vorlesen und man würde sich fühlen als hätte man fünf Packungen eines außerordentlich wirksamen Aphrodisiakums geschluckt. Warum funktioniert das? Nun, die Wirkung von Klängen ist Kopfsache, wie Hirnforscher sagen. Sie wissen, dass Dopamin ausgeschüttet wird, wenn Menschen Musik hören – ein Hirnbotenstoff, der auch beim Sex (oder Drogenkonsum) en masse entsteht. Jetzt geht die Party im Kopf ab, heißt: Wir reagieren auf Musik ungefähr genauso wie auf gutes Vögeln. Naht der Höhepunkt eines Songs oder einer Symphonie, wird der Körper mit dem Wow-Zeugs geradezu geflutet. Dann ist da Gänsehaut und Glück – vor allem aber wollen wir mehr davon. Zu dieser Gesamtkomposition gehört auch die Stimme. Dabei zählt nicht nur das Timbre, sondern auch ihr authentischer Klang, aus dem Bauch. So entspannt wie ein Tag am Meer.

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