David Penis

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freizeit Leben, Liebe & Sex
06/24/2021

Sex in der Freizeit: Ein Penis ist ein Penis

Warum es wichtig ist, Genitalien korrekt zu benennen und sexuelle Bildung an den familiären Küchentisch zu verlagern.

von Gabriele Kuhn

Nur zur Erinnerung: Dies ist eine Fortsetzung. Vergangenen Samstag ging es darum, wie Menschen über Sex sprechen – oder eben nicht. Manche tun es vielleicht zu viel, zu häufig oder aber in unpassender Weise, die meisten umschiffen das Thema gerne. Sexuelles zu benennen, scheint nach wie vor ein bisserl dings, und so rudert mancher nach Worten ringend in der Sprachlosigkeit herum. Was, genau betrachtet, komisch ist: Ohne Sex würde es uns – so wie wir hier sitzen, denken, tun – nicht geben. Ja, auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sind das Ergebnis eines Geschlechtsakts, na gut, ein wenig romantischer: eines Liebesakts. Die Sexualität ist das Fundament, das uns möglich macht.

Warum also sollte uns der Satz "Ich mag’s oral" nicht genauso leicht über die Lippen gehen wie "Ich mag Brokkoli mit Kochschinken?", fragt Carsten Müller. Für ihn beginnt sexuelle Bildung bereits am Küchentisch (und nicht in den Onlinemedien). Je aufgeklärter, desto verantwortlicher gehen junge Menschen mit dem Thema um, sie treffen bewusstere Entscheidungen. Müller: „Sie haben Sex, weil sie das möchten – nicht, weil sie glauben, Sex haben zu müssen oder weil Sex den Reiz des Verbotenen hat.“ Deshalb ist die Familie genau der richtige Ort, um darüber zu sprechen. „Denn nur wer als Kind Zugang zu sexueller Bildung hat oder sich als Erwachsener selbst Zugang verschafft, hat die Chance, mit seiner Sexualität zu wachsen und Verantwortung dafür zu übernehmen“, so Müller. Ein lebenslanger Prozess – vor allem aber: eine Investition. Es ist das beste Mittel gegen Langeweile in der Liebe.

Darüber hinaus ist sie so vieles mehr: Erahntes, Gespürtes, Glück, aber auch Traurigkeit, Energiespender, manchmal Energieräuber – Sex kann uns verzaubern, umgarnen und uns das Gefühl vermitteln, bedeutend, also etwas Besonderes zu sein. „Sexualität ist so lebendig wie wir selbst. Sie ist ein Grundbedürfnis – genauso wie wir selbst“, schreibt der Sexualtherapeut Carsten Müller in seinem wunderbaren Buch „Sex ist wie Brokkoli nur anders“. Deshalb sollten wir darüber sprechen können, wie über Gemüse. Brokkoli, Kopfsalat, Spinat – oder von mir aus sonnengereifte Paradeiser aus dem schönen Burgenland. In dieser Kolumne geht es also um die Frage, wie Menschen sexuell „sprachfähiger“ werden und wie wir dem Thema das Peinlich-Verzerrende nehmen können. Und die Scham.

„Dass sich für etwas schämen und Sexualität bei uns gesellschaftlich eng miteinander verknüpft sind, zeigt sich schon in unserer Sprache: Schamlippen, Schamhaare, Schambein …“, schreibt Carsten Müller. Für ihn scheint klar, dass bei uns die Sprache diktiert, wie wir unsere Geschlechtsteile zu benennen haben, aber: Wie sollen wir als sexuelle Wesen lernen, etwas wertzuschätzen, wenn es sprachlich schon zum Schämen ist?

Aus seiner Praxis weiß er, dass vor allem junge Menschen keine Begriffe für alles südlich der Gürtellinie liegende finden, weil sie nie die richtigen Worte für den Intimbereich gelernt/gehört haben. Oder, noch schlimmer: gar keine Worte. Umso wichtiger ist es, zu sagen, was was ist: Eine Vulva ist eine Vulva – und keine Schnecke. Ein Penis ist ein Penis und kein Pippimann. Statt zu verniedlichen oder gar verbal zu ignorieren, sollten Eltern korrekte Worte für die Geschlechtsorgane verwenden – ein erster wichtiger Schritt zur Sachlichkeit. Weil auch das dazu beiträgt, dass Menschen eine gute Beziehung zum eigenen Körper aufbauen können – und, in Folge, zur eigenen Sexualität. Zu dem, was wir als Erwachsene wollen und worauf wir Lust haben.

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