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Interview
06/19/2021

Wie Hypnose das Sexleben verbessert

Erotische Einsichten: Eine Wiener Therapeutin über das Sexualleben in der Pandemie sowie Pornografie zwischen Fluch und Ansporn.

von Uwe Mauch

Sie hat sich immer schon vom Geheimnisvollen, vom Tabuisierten angezogen gefühlt, verrät sie im Gespräch mit dem KURIER. Seit mehr als dreißig Jahren arbeitet die Wiener Ärztin und ausgebildete Psychotherapeutin auch mit Menschen, die beim Sex gröbere Probleme haben. Ihre durchaus intimen Erfahrungen hat Barbara Laimböck in einem Buch öffentlich gemacht.

KURIER: Menschen in Beziehungen haben während der Lockdowns sehr viel Zeit miteinander verbracht, was zum Teil auch zu Überdruss geführt hat. Wie können sie selbst Abhilfe schaffen?

Barbara Laimböck: Den ganzen Tag nebeneinander in der Jogginghose im Homeoffice zu arbeiten, steigert die Erotik nicht unbedingt. Daher könnte das Hineinschlüpfen in nicht alltägliche Rollen die Fantasie und Abenteuerlust in einer Beziehung neu anregen. Und dann könnten beide Beteiligten lustvoll miteinander spielen.

Wie viele Österreicher haben Probleme mit dem Sex?

Sehr, sehr viele. Ein Dauerbrenner ist der vorzeitige Samenerguss, an dem rund dreißig Prozent aller Männer jeden Alters leiden. Oft kommt es bereits vor dem Eindringen zum Erguss, was beide Beteiligten massiv frustriert. Viele Männer belastet auch ihre Angst vor Impotenz und nachlassender Erektion. Mit fortschreitendem Alter steigt das Risiko: Ab dem 50. Lebensjahr hat jeder dritte Mann eine Erektionsstörung, ab dem 60. sogar mehr als die Hälfte.

Wie können Sie helfen?

Bewährt hat sich das Training analog zu einem Flugsimulator: Der Mann übt dabei, den Samenerguss zu kontrollieren. Dabei helfen ihm Atemübungen und die Vorstellung, der Koitus sei ein langes Musikstück mit vielen Sätzen, Tempowechseln und einer veränderlichen Atmosphäre. Dank dieses Trockentrainings steigt die Selbstsicherheit des zuvor Leidgeplagten. Er kann sich nun ganz beruhigt mit seinem Gegenüber beschäftigen. Und schlimmstenfalls freut er sich auf eine zweite Spielhälfte. So wie beim Fußball. Dann beginnt das Liebesspiel noch mal von vorne.

Und was belastet Frauen, die zu Ihnen kommen?

Viele haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder einen Vaginismus, also eine krampfhafte Verengung der Scheide. Auch hier ist die Psychotherapie eine wertvolle Ergänzung zur gynäkologischen Behandlung.

Wie effektiv sind Ihre Hypnosetechniken?

Die Hypnose zur Therapie sexueller Funktionsstörungen ist sehr effektiv. In Trance verändern sich Wahrnehmung und Bewertung all dessen, was rund um uns und in uns zu spüren ist. So wird das Erleben leidenschaftlich. Wir beobachten uns dann nicht mehr selbst, sondern gehen auf im Tun, im Flow-Zustand. Dadurch erleben wir uns selbst als eine lustvolle, eine erotische Person. Und gleichzeitig wird der innere Kritiker beruhigt. Stattdessen erwarten wir mit angenehmer Spannung und freudiger Aufregung, was sich entwickelt. Dafür ist Selbsthypnose besonders wirkungsvoll.

Wie sehr sind Trance und Erotik gemeinsame Spieler?

In der erotischen Trance tauchen mühelos sexuelle Vorstellungen auf und erregen den eigenen Körper. Die Aufmerksamkeit wandert so zur anderen Person: Wie klingt ihre Stimme? Wie fühlt sich ihr Atem an? Wie die Haut, wenn ich darüber streichle? Wie riecht und schmeckt sie? Erfüllende frühere sexuelle Erfahrungen vermischen sich in der Fantasie mit dem sehnsüchtig Erwarteten. Dies intensiviert die Körperwahrnehmung und lädt das Erleben erotisch auf. Die Durchblutung der Genitalien wird verstärkt, und damit naturgemäß die Lust intensiviert.

Sie beschäftigen sich in Ihrem Buch auch mit dem Thema Pornografie. Ist sie Fluch oder Hilfe?

Das gemeinsame Ansehen von frauenfreundlichen Videos kann lustfördernd, spielerisch, anregend sein. Einsam nur zu masturbieren, das macht zwar satt, schadet aber dem Appetit auf einen realen Partner. So wie beim gierigen Runterschlingen einer Speise wird viel konsumiert, es macht aber nicht glücklich.

Wie wichtig ist der Humor?

Eine Frau, die über die Scherze eines Mannes lacht, bewertet ihn nicht nur als freundlichen und lustigen, sondern auch als besseren potenziellen Partner und besseren Liebhaber. Ihr Lachen hilft wiederum seiner Selbstsicherheit. Die US-Schauspielerin Marilyn Monroe soll gesagt haben: „Wenn du eine Frau zum Lachen bringen kannst, kannst du sie zu allem bringen.“ Aus dem raffinierten Wort- wird das lustvolle Vorspiel. Es geht nicht um Potenz oder den ständig paraten Penis, sondern um gemeinsame Freude. So eskaliert die Begeisterung aneinander.

Die Autorin: Barbara Laimböck ist Ärztin für Allgemeinmedizin,  Fachärztin für Anästhesiologie und Intensivmedizin und Psychotherapeutin. Sie ordiniert und therapiert in ihrer Praxis am Rudolfsplatz in Wien und unterrichtet u. a. in Wien und in Berlin.

Ihr Buch: Guter Sex dank Selbsthypnose. So behandeln Sie Ihre sexuellen Probleme. Verlag Springer, 135 Seiten, 15 Abbildungen, Preis: 19,99 Euro.

46 Prozent der Frauen und 39 Prozent der Männer hatten im vergangenen Jahr Probleme mit dem Sex, die länger als zwei Monate andauerten  

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