© Getty Images/iStockphoto/stock_colors/Getty Images/iStockphoto

freizeit Leben, Liebe & Sex
04/16/2020

Das erotische Spiel mit der Maskerade

Lebendige Erotik lebt von der Fantasie – und vom Geheimnis. Dazu gehört auch die Idee, sich zu maskieren.

von Gabriele Kuhn

Blöder Witz von diesem Bekannten, der offenbar noch immer nicht ganz begriffen hat, dass das Genre „Saugeile Swinger-Party in sexy Maskierung“ eh nett, aber im Moment leider aus ist: „Eine Maske brauchst? Ich hätte da eine aus Latex für dich.“

Hö. Hö. Hö. Was haben wir gelacht. Vermutlich meint er es aber eh nur gut: Humor hilft, sagen jetzt alle – also sei ihm verziehen. Außerdem spielten Masken in seinem Leben – im Unterschied zu vielen anderen Menschen, die ich so kenne – eine tragende Rolle. Nein, er ist kein Starchirurg, sondern eher Star in seinem ganz privaten Gelegenheitsporno. Gemeinsam mit der aktuellen Lebensgefährtin outet er sich als bekennender Fan der gehobenen Orgie und versäumt so gut wie kein diskretes Kostümfest. Partys also, bei denen die Masken eine erotische Hauptrolle spielen – gepaart mit reichlichem Sprudelgenuss. Ja, der gute Mann liebt es, sich zu verkleiden – und mit dem „Eyes Wide Shut“-Thema zu spielen. Ich glaube fast, die beiden könnten einen Kostümverleih aufmachen und ganz gut davon leben, so üppig bestückt ist ihr geheimes Umkleidekammerl. Er geht ja sehr gerne als Mafia-Boss und sie gibt bevorzugt die leicht strenge „Herzogin“

Es will schauen, aber nicht gesehen werden. Es will anonym die Lust leben – gesichtslos, aber mit vollem Körpereinsatz.

Lust auf Abenteuer

Apropos „Eyes Wide Shut“: Den kennen Sie vielleicht noch, diesen (im Grunde unendlich langatmigen) Stanley-Kubrick-Film mit Nicole Kidman und Tom Cruise, als in die Jetzt-Zeit verlegte Interpretation von Arthur Schnitzlers Traumnovelle. Vage kann ich mich noch an diese Szene erinnern, als Tom, mit einem Mantel in der Hand und einem schwarzen Dracula-Umhang irgendwo im Dunkel der Wälder New Yorks vor die Tür eines Hauses tritt, aus dem bedeutende Gesänge herauswabern. Dann wird Tom nach dem Losungswort gefragt, das „Fidelio“ lautet – nun setzt er sich eine weiße Maske auf und betritt den Orgien-Ort des Geschehens. Einen Salon mit nackten Frauen, deren Gesichter maskiert sind, der Rest: frohes Kopulieren.

Die Maske steht dabei metaphernhaft für geheime Betrugsfantasien und Sehnsüchte, außerhalb des Ehealltags – mit Unbekannten, ein bisserl am Rande des Abgrunds. In der „Traumnovelle“ erkennt Protagonist Fridolin irgendwann ja auch, dass in ihm noch dieses andere Ich steckt – das Wesen hinter der „Alltagsmaske“: Eines, das Lust auf Abenteuer spürt, losgelöst vom Über-Ich, namens Vernunft. Es will schauen, aber nicht gesehen werden. Es will anonym die Lust leben – gesichtslos, aber mit vollem Körpereinsatz. Es will sein Geheimnis für sich behalten und irgendwie doch nicht. Klar, das Fremde, Geheime – alles wesentliche Zutaten für eine gelungene Erotik – deshalb sollte man Fantasien auch immer eine Chance geben und sie nicht in diesen hässlichen Koffer mit der Aufschrift „ungelebtes Leben“ sperren.

Daher zurück ins Heute: Wer das Spiel mit der Maskerade sucht, wird leicht fündig. So gut wie jeder Erotik-Versandhandel bietet Masken für „sexy Rollenspiele“ an – mal mehr, mal weniger hübsch, gerne auch in Kombination mit lustigen Hasenohren (Ostern, juhu!). Eine Frage des Geschmacks – und des erwünschten Settings. Die meisten Gesichtsmasken umspielen dabei die Augen und verfremden mit glitzernden Steinchen und kunstvollen Ranken das Antlitz– am besten man nimmt gleich das günstige Kombiangebot mit der 50-Shades-of-Grey-Edition und dem Perlen-String. Wer aufs Ganze gehen will, verkleidet sich sowieso komplett – im „Best of weibliche Kostüme“-Ranking steht das „Zimmermädchen“-Outfit ganz oben. Während er offenbar sehr gut in Uniform rüberkommt – von der Polizisten- bis zur „Captain, my Captain“-Panier.

Lese-Zeit Aus der Reihe „Erotik-Klassiker der Weltliteratur“: „Das Dekameron“ von Giovanni Boccaccio. Das Werk besteht aus 100 Novellen, die in einem Haus bei Florenz von zehn Menschen, die vor der  Pest geflüchtet sind,  innerhalb von zehn Tagen erzählt werden. Frivole Geschichten aus der Zeit des Mittelalters.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.