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freizeit Leben, Liebe & Sex
02/03/2021

Schauspielerin Mavie Hörbiger spricht Altersdiskriminierung an

Die 41-Jährige wurde für eine Rolle abgelehnt - mit der Begründung, sie sei zu alt dafür. Womit Frauen aus der Branche zu kämpfen haben.

von Julia Pfligl

Die Schauspielerin Mavie Hörbiger scheut nicht davor zurück, auf Twitter brisante gesellschaftspolitische Themen anzusprechen - dieses Mal handelte es sich um eine Erfahrung, die sie selber machen musste. "Absage", schrieb der Burgtheater-Star in einem Posting am vergangenen Dienstag und lieferte auch gleich die Begründung dazu: "Man hätte sich für eine insgesamt jüngere Kombination aller Figuren entschieden.. Aus dem Leben einer Schauspielerin mit 41. FÜHLT SICH SCHEIßE AN."

Alles geht mit Mitte zwanzig

Während sie offen ließ, um welches Film- oder Theaterprojekt es sich handelte, war die Botschaft klar: Frauen, selbst wenn sie noch so jugendlich aussehen, haben ab einem bestimmten Alter Probleme, gute Rollen zu ergattern. In den Kommentaren erntete die 41-Jährige viel Zuspruch, auch von Altersdiskriminierung war die Rede. Neo-Buhlschaft Verena Altenberger (33) hielt mit ihrer Meinung ebenfalls nicht hinterm Berg.

In Hollywood klagen Schauspielerinnen seit Jahrzehnten, dass sie mit der Begründung "zu alt" abgelehnt werden. Vor allem, wenn es um die Rolle der Liebhaberin, des so genannten "Love Interest", geht: das Objekt der Begierde des männlichen Hauptdarstellers. Der extreme Alterschied zwischen den beiden Protagonisten hat eine lange Tradition, so war etwa Kim Novak im Film "Vertigo" (1958) nur halb so alt wie ihr 50-jähriger Liebhaber James Stewart. 2015 erzählte die US-Schauspielerin Maggie Gyllenhaal, dass sie mit 37 "zu alt" für eine Rolle war, obwohl ihr männlicher Gegenpart 18 Jahre älter war als sie. "Ich fand das erstaunlich", sagte sie The Wrap. "Zuerst fühlte ich mich schlecht, dann war ich wütend, und dann musste ich darüber lachen."

Auch Anne Hathaway, heute 38, bemerkte eine Veränderung: "In meinen frühen Zwanzigern bekam ich Rollen, die für Frauen in ihren Fünfzigern geschrieben wurden. Jetzt bin ich Anfang dreißig und denke mir: Warum bekommt diese 24-Jährige die Rolle?", sagte die Oscarpreisträgerin vor einigen Jahren.

Dieser "Ageism" (engl. Begriff für Altersdiskriminierung, das Unsichtbarmachen älterer Menschen) wird besonders bei der Besetzung der Mutterrolle deutlich: In "Aquaman" spielte Nicole Kidman 2017 die Mutter von Jason Momoa, der jedoch nur zwölf Jahre jünger ist als sie. Noch abstruser war die Rolleneinteilung im Filmklassiker "Forrest Gump" 1994: Sally Field ist nur zehn Jahre älter als Tom Hanks, mimte auf der Leinwand aber seine Mutter. Jennifer Lawrence war 25, als sie in "Joy" eine zweifache Mutter Mitte vierzig gab. Die Liste ließe sich unendlich fortführen.

"Frauen werden definitv jünger als Mütter gecastet, sogar in ihren frühen Zwanzigern. Männer werden frühestens Mitte dreißig als Väter gecastet", sagte die Hollywood-Casting-Direktorin Allison Estrin einmal. Schauspielstars von Diane Keaton bis Melanie Griffith kritisieren regelmäßig, dass interessante Rollen für Frauen ab vierzig Mangelware seien. Gefragt sind in erster Linie weiße, blonde Frauen in ihren Zwanzigern, eingesetzt für den Part des "Sexsymbols".

Klischees bei der Partnerwahl

Auch abseits der Leinwand hält sich das überholt geglaubte Rollenmuster "alter Mann, junge Frau" hartnäckig, wie erst kürzlich eine Studie rund um den Evolutionsbiologen David Buss gezeigt hat. Das Forscherteam analysierte die Partnerwünsche von 14.000 Frauen und Männern aus 45 Ländern und kam zu dem Schluss, dass Männer im Durchschnitt eine jüngere Frau begehren und der Abstand mit zunehmendem Alter immer größer wird. Frauen legen Wert auf finanzielle Stabilität und nehmen dafür einen älteren Mann in Kauf. Ein Extrembeispiel ist Bernie Ecclestone, der kürzlich mit seiner 44-jährigen Frau Fabiana Flosi sein viertes Kind bekommen hat. Ecclestone wurde im Oktober neunzig.

Reale Klischees, die auf der Leinwand ständig reproduziert werden - und umgekehrt. Das trifft vor allem auf die mangelnde Sichtbarkeit von Frauen in ihren Vierzigern, Fünfzigern, Sechzigern zu - und auf die Ablehnung, mit der viele Jobsuchende auf dem Arbeitsmarkt quer durch alle Branchen zu kämpfen haben. Durch die Bewegungen #MeToo und #TimesUp ist nun aber auch die Filmindustrie dabei, umzudenken. Schauspielerin Reese Witherspoon, drei Jahre älter als Mavie Hörbiger, merkte in ihren Dreißigern, dass es immer schwieriger wurde, Rollen zu bekommen. Seit Kurzem produziert sie ihre eigenen, sehr erfolgreichen Filme und Serien - und besetzt sie bewusst mit Frauen aller Altersklassen, fern von Klischees. 

Begehrte Zielgruppe

Ironischerweise sind gerade Frauen über vierzig eine begehrte Zielgruppe von Theaterproduktionen, Filmen und Serien. Die Journalistin und Autorin Babara Kaufmann brachte es auf Twitter unter dem Posting von Mavie Hörbiger so auf den Punkt: "Dabei ist es so, dass ich ständig auf der Suche bin nach Serien & Filmen mit Frauen in meinem Alter oder älter, weil ich mich gerne mit den Figuren identifizieren möchte. Und ich weiß, dass es vielen Freundinnen so geht."

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