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freizeit Leben, Liebe & Sex
03/25/2021

Huch! Wenn beim Familen-TV-Abend plötzlich Sexszenen auftauchen

Wenn es in der gehypten Serie oder im „Must-see-Film“ auf einmal mehr oder weniger explizit zur Sache geht, hat das für alle Beteiligten keinen großen Unterhaltungswert.

von Gabriele Kuhn

Alles ist gerichtet, die Chips, das Süße, die Kuscheldecke. Familien-TV-Abend mit Vater, Mutter und einem Kind, längst jenseits des Barbapapa- oder Frozen-Alters. Stattdessen scharf auf Serien und Filme, welche die Eltern brav mit ihrem Netflix-Beitrag sponsern. Ein sehr junger Mensch also, der sich herablässt, mit den Oldies gemeinsam etwas anzuschauen. Cola gibt’s schließlich auch. Und so sitzt die liebe Familie vor dem Bildschirm und freut sich auf Spannung, Lachen, Weinen und die Lieblingsschauspieler. Doch da. Plötzlich bahnt sich was an, die Mutter ahnt’s, der Vater kriegt’s noch nicht ganz mit, weil er gerade ins Handy schaut, und auch der junge Mensch ist noch halbwegs gechillt. Zwei küssen sich. Auf einmal wird sanft gefummelt und schließlich laut gestöhnt. Spätestens jetzt ist allen klar, was kommt. Irgendwas mit Sex. Heikel. Weil das in diesem speziellen Zuschauer-Setting nicht in der Kategorie Hui! Popcorn, bitte! rangiert.

Daher tackern in Mutters Kopf nun die Exit-Strategien durcheinander: Verdammt, was tun? Dezent auf der Fernbedienung nach dem Off-Modus fummeln, gefolgt von einem Oh, it’s a Streamingausfall!? Oder eher doch ein klares Hm, das ist nix für uns. Vielleicht doch Susi und Strolch? Wie des Vaters Reaktion ausfällt – man weiß es nicht. Eher im Fluchttier-Modus: Kinder, ich geh schnell mit dem Hund/hol’ Zigaretten/irgendwas. In manchen Fällen flüchten sich die Eltern in Kompensations-Kommunikation: Ui, was machen die da?! Oft bleibt nichts als schlichtes Räuspern, während parallel dazu der Peinlichkeits-Blutdruck steigt.

Um Contenance hecheln

Aber auch den sehr jungen Menschen wird das, abhängig vom Alter, nicht in Entzücken versetzen. Es gibt, genau betrachtet, kaum etwas Überflüssigeres als Augenzeuge einer expliziteren Film-/Serienszene zu sein, während zwei Meter weiter die Eltern um ihre Contenance hecheln. Still und starr ruht der Schmäh. Betretenes Schweigen, während auf dem Bildschirm schon ziemlich die Post abgeht. Und dann noch diese seltsamen Geräusche, die das Wohnzimmer fluten: stöhnen, pumpern, feuchtes Schmatzen. Selbst akustisch gibt’s kein Entrinnen. Vater knabbert in einer Art Übersprunghandlung an mehreren Soletti. Mutig ist, wer kichert.

Dabei wären solche Szenen für den jungen Menschen interessant, Prädikat sehenswert sogar: Aber doch nicht so! Ich kenne einen Fall, wo ein 16-Jähriger peinlich berührt war, als ihm seine Mutter fröhlich davon erzählte, dass sie jetzt ebenfalls die Serie „Sex Education“ anschauen würde. Geh bitte, Mum! Warum? Ganz einfach: Weil sich kein Jungtier gemeinsam mit den Oldies ins kollektive Masturbationswissen einklinken möchte. Doch selbst später, im fortgeschrittenen Alter, scheint es nur bedingt reizvoll, gemeinsam mit den Erzeugern Blowjob- oder Orgasmusszenen anzusehen. Dazu fällt mir ein Text ein, geschrieben Ende des vergangenen Jahres. Die Britin Hannah-Rose Yee schrieb beim The Stylist ihre Gedanken zum Thema nieder. Titel: Die unangenehme Wahrheit über das Schauen von TV-Sexszenen mit deinen Eltern (und ja, dazu gehört auch Bridgerton). „Bridgerton“ zählt zu den aktuell beliebtesten Serien im Streaming-TV. Yee beschreibt, wie es ihr damit ging: Nennen Sie mich prüde, wenn Sie wollen, aber meine Vorstellung von einer großartigen Nacht ist nicht, gemeinsam mit meinem Vater einer Frau zuzuschauen, wie sie begeistert Oralsex in einer Bibliothek empfängt. Die Moral von der Geschicht’: Schaut mit euren Kindern nicht – und wenn’s schon sein muss, dann irgendwas mit Hans Moser, Conny und Peter.

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