Mother Holding Newborn in Birthing Tub After Home Water Birth

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freizeit Leben, Liebe & Sex
05/10/2020

Glücksboten im Krisenfrühling: Das sind die Corona-Babys

Vier Neo-Mamas erzählen von ihren Entbindungen zwischen Unsicherheit und Hochgefühl.

von Julia Pfligl

Lisa, 28, blieb im Mutterschutz noch genau eine Woche "in Freiheit", ehe das Land auf Notbetrieb umschaltete. "Das war erstmal schade, weil ich mich darauf gefreut hatte, in Ruhe letzte Sachen für das Baby zu kaufen und Freundinnen zu treffen." Als der Geburtsvorbereitungskurs nach zwei Terminen abgesagt wurde, wurde die Pädagogin, die ihr erstes Kind, eine Emma, erwartete, nervös. "Meine größte Sorge war, dass der Papa bei der Geburt nicht dabei sein darf. Das war lange nicht klar."

Emma ist eines jener Babys, die im bundesweiten Ausnahmezustand – zwischen Mitte März und Anfang Mai 2020 – zur Welt kamen. "Die Geschichte werden wir ihr später oft erzählen", sagt Neo-Mama Lisa, die inzwischen glücklich und gesund mit Tochter und Freund zu Hause ist. "Die Tage ohne ihn im Spital waren mühsam und zwischendurch sehr emotional, obwohl ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt habe. Für ihn war es genauso schwierig wie für mich."

Auch Nicole und Stefan machte die Unsicherheit  zu schaffen. "Es war ein Hin und Her. Da es wahrscheinlich unser einziges Kind bleiben wird, wollten wir unbedingt, dass Stefan dabei ist. Eine Woche vor der Geburt kam die Regelung, dass Väter mit in den Kreißsaal dürfen." Als Constantin da war, blieb der jungen Familie eine Stunde zu dritt, ehe der Papa den Heimweg antreten musste. "Das war hart für ihn. Er hat versucht, zu verhandeln", schmunzelt Nicole, "aber natürlich kann das Spital keine Ausnahme machen." Am Wochenende darf der kleine Mann endlich Oma und Opa beschnuppern. "Auch, wenn wir es absolut verstanden haben: Es ist nicht schön, wenn man den Großeltern sagen muss, dass sie ihr Enkerl nicht gleich sehen dürfen."

Oma und Opa in Italien

Luisas Eltern werden noch länger nicht zu Besuch kommen. Die gebürtige Italienerin bekam die fatalen Folgen des Virus über ihre Familie in Turin schon früh hautnah mit. Als Österreich die Läden dichtmachte, stand sie 14 Tage vor der Geburt ihres zweiten Kindes. "Ich habe versucht, alle Sorgen auszublenden, aber es war nicht einfach. Lange war es nicht einmal klar, ob das Spital offen sein wird und ich dort entbinden kann." Weil Tochter Julia nicht in den Kindergarten konnte und  Luisas Mama ausfiel, musste sie den kleinen Oskar alleine entbinden. "Mein Mann blieb bei unserer Tochter. Gleich nach der Geburt hat die Hebamme  einen Videocall gestartet." Mittlerweile sind die vier vereint. Einziger Wermutstropfen: "Niemand weiß, wann meine Eltern aus Italien kommen dürfen. Das ist schwierig für mich." 

Im Fall von Marie hat Corona sogar das Geburtsdatum ihrer Tochter verschoben. "Emma hat sich in der 40. Woche noch einmal gedreht. Unter normalen Umständen leitet man die Geburt dann möglichst bald ein. Wir mussten warten, bis das Ergebnis meines Covid-Tests da war, den die Privatklinik durchgeführt hat. Ich habe aber auch von Fällen hört, in denen das Kind wegen drohender Spitalsschließungen früher als geplant geholt wurde. Ich bin froh, dass es bei uns so gelaufen ist."

Später als gedacht, kam Emma Mitte April gesund zur Welt, Papa Bernd durfte sogar ins Familienzimmer. "Ungewohnt war, dass man das Kind nicht zu den Untersuchungen begleiten durfte, sie wurde quasi ,entführt’. Am Gang mussten alle Maske tragen und Abstand halten, das war schon eine eigene Atmosphäre." Jetzt genießt die Familie  – Emilia wird zwei – Zeit zu viert in Kärnten. "Die Wochen vor der Entbindung waren mühsam, ich hatte Schmerzen und konnte mit der Großen nicht rausgehen. Als es hieß, die Geschäfte werden schließen, haben wir noch schnell, schnell letzte Dinge besorgt. Das Positive an der Situation ist: Man wächst in so einer Zeit als Familie noch mehr zusammen."

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