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freizeit Leben, Liebe & Sex
06/08/2021

Fehlverhalten im Chat: "Manche denken, dass sie unantastbar sind"

Ein Sprachprofiler und eine Verhaltensexpertin über Chats, Macht und Männlichkeit.

von Julia Pfligl

Machtspiele, Siegesparolen, Witze über Geflüchtete und Reisende in der Holzklasse: Die privaten Chat-Dialoge mächtiger österreichischer Männer hinterlassen einen schalen Beigeschmack. „Kurznachrichten ersetzen eher das gesprochene Wort als formelle eMails. Hier zeigen wir einen Teil unseres persönlichen Gesichts und nicht das öffentliche, kontrollierte. Das lässt aussagekräftigere Rückschlüsse auf die geistige Haltung zu“, sagt Patrick Rottler, Kommunikationswissenschafter und Sprachprofiler am Privat-Institut für forensische Textanalyse.

In den publik gewordenen Nachrichten ortet er auf den ersten Blick eine starke Ich-Zentrierung und Abwertung anderer. „Daraus kann man eine eingeschränkte Fähigkeit zur Empathie ableiten. Der Schreibende hält sich für etwas Besseres.“

Schauplatz der Eitelkeit

„In Spitzenpositionen wird immer Macht und Status gespielt. Wobei manche unter akuter Selbstüberschätzung leiden und denken, dass sie unantastbar sind“, weiß Patricia Staniek, Profilerin, Kriminologin und Verhaltensexpertin. „Die hochkarätige Politik- und Wirtschaftslandschaft ist eben auch ein Schauplatz der Eitelkeiten, des Narzissmus und toxischen Verhaltens.“

Zum Statusspiel gehöre auch dazu, sich selbst als Retter zu verkaufen. „Mein Riesen Held!!!“, bedankte sich Schmid überschwänglich beim Bundeskanzler. „Das Heldenlabel vergibt oft strategisch der, der vom Machtnetzwerk profitieren möchte“, sagt Staniek.

Dass das Machtnetzwerk aus Männern besteht, ist für Rottler kein Zufall. „Dominanz und Männlichkeit sind eng verwoben. In der Praxis stellen wir oft fest, dass Frauen subtiler formulieren, wenn es zum Beispiel um Bedrohungen, Erpressungen oder Verleumdungen geht.“

Und was fällt dem Profiler zur SMS-Verabschiedung „Venceremos“ (Wir werden siegen) ein? „Das drückt schon sehr viel Machthunger aus. Wer das sagt, scheut den Vergleich mit einem Eroberer nicht.“

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