Erneut Vorwürfe gegen ÖBAG-Chef Schmid

Thomas Schmid

© APA - Austria Presse Agentur

Politik Inland
06/08/2021

"Pöbel": Schmid als ÖBAG-Chef weg, mehr als 200.000 Euro Abfindung

"Pöbel und "Tiere" in den Chats war zu viel. ÖBAG-Chef Thomas Schmid geht mit heutiger Wirkung. Er legt auch seine Aufsichtsratsposten zurück.

von Josef Siffert, Andrea Hodoschek

Der Druck war zu groß geworden. Thomas Schmid, 45, tritt mit sofortiger Wirkung als Chef der Staatsholding ÖBAG ab. Auslöser waren die vergangene Woche öffentlich gewordenen Chat-Nachrichten, in denen Schmid von "Pöbel" und "Tieren" schrieb. Das hatte für noch mehr Empörung gesorgt als die Vorgänge um seine Bestellung zum ÖBAG-Chef. Sein Vertrag als Alleinvorstand wäre mit März 2022 ausgelaufen, Schmid hatte sich mit dem Aufsichtsrat darüber geeinigt, sich nicht um eine Verlängerung zu bewerben.

Der Aufsichtsrat stimmte in der heutigen Sitzung einer einvernehmlichen Trennung zu, teilte die ÖBAG in einer Aussendung mit. Diese Einigung umfasst die Beendigung der Vorstandstätigkeit zum heutigen Tag sowie den Rücktritt von Schmid von allen für die ÖBAG gehaltenen Aufsichtsratspositionen in Beteiligungsgesellschaften.

Abfindung 200.000 bis 250.000 Euro

Da die Trennung einvernehmlich ist, erhält Schmid eine Abfindung, die sich zwischen 200.000 und 250.000 Euro bewegen dürfte. In seinem Vertrag ist eine Art Sonderkündigungsklausel enthalten. Diese ist für den konkreten Anlass zwar nicht anwendbar, aber die Basis für die Berechnung. Schmids Gehalt als Alleinvorstand liegt bei rund 400.000 Euro, mit Boni kommt er auf bis zu 600.000 Euro. Laut dieser Klausel sind für die Abfindung aber keine Boni auszuzahlen, selbst wenn die Ziele erreicht worden wären. Schmid erhält also deutlich weniger, als seine Gage bis zum Ende seiner Vertragslaufzeit im März 2022 ausgemacht hätte.

Die Beteiligungen der ÖBAG sind an der Börse derzeit mehr als 27 Milliarden Euro wert, die ÖBAG ist die mit Abstand größte Industrieholding Österreichs.

Schmid war einer der einflussreichsten Aufsichtsräte des Landes. Er saß als CEO der ÖBAG in fast allen Unternehmen, an denen die ÖBAG beteiligt ist. Schmid war Aufsichtsratsvorsitzender in den Bundesimmobilien BIG, deren Tochter ARE sowie im Verbund. In der OMV, Österreichs größtem Industrieunternehmen, war Schmid Vize-Vorsitzender, einfaches Mitglied war er in der Telekom Austria und der Casinos-Tochter Lotterien.

Christine Catasta, Direktoren der ÖBAG

Catasta Interimsvorstand

Der Aufsichtsrat hat Christine Catasta zum Interimsvorstand bestellt. Sie war bis 2020 CEO von PwC Österreich und ist seit Oktober 2020 die für die Beteiligungsgesellschaften verantwortliche Direktorin der ÖBAG. Ursprünglich war sie als Aufsichtsratschefin für die ÖBAG vorgesehen, hatte damals aber Unvereinbarkeitsprobleme mit PwC-Kunden. Catasta werde gemeinsam mit dem Team der ÖBAG und den seitens der ÖBAG in die Beteiligungsgesellschaften entsendeten Aufsichtsräten den inhaltlich erfolgreichen Kurs der ÖBAG bis zum Dienstantritt des neuen Vorstands fortsetzen, so das Unternehmen.

Catasta hat erklärt, sich nicht um die Nachfolge von Schmid bewerben zu wollen. Sie war als eine der Kandidatinnen gehandelt worden. Der ÖBAG-Aufsichtsrat wählte vergangene Woche den Headhunter Zehnder für die Nachfolger-Suche aus, spätestens bis Ende des Jahres soll der neue ÖBAG-Chef feststehen.

Der Aufsichtsrat bedankt sich bei Thomas Schmid für die ausgezeichnete inhaltliche Arbeit der letzten zwei Jahre, distanziert sich aber gleichzeitig von den Chatnachrichten.

"Pöbel"

Am Montag vor einer Woche waren neue Chats von Schmid bekannt geworden, deren Inhalt für heftige Kritik der Opposition sorgte. Laut den in mehreren Medien veröffentlichten Protokollen hatte Schmid mit einer Vertrauten unter anderem darüber diskutiert, in seiner neuen Funktion den Betriebsrat "abdrehen" zu wollen ("Und Betriebsrat. Weg damit."). "Das können wir nicht einfach so machen", soll ihm diese ausgerichtet haben, man müsse "auch andere Ideologien verstehen". Schmids Reaktion: "Andere Ideologien. Fu** that."

Auch über Flüchtlinge wurde den Berichten nach "gescherzt": Nach der Buchung eines Fluges nach Addis Abeba soll seine Assistentin Schmid gefragt haben, ob er auch einen Rückflug brauche. Auf seine Frage, ob sie ihn dort lassen möchte, soll sie geantwortet haben: "Ab Kairo gibt es Schlauchboote." Nachdem sie Schmid dann etwas später die Buchung bestätigt hatte, soll er zurückgefragt haben: "Mit den Flüchtlingen? Smiley."

Schon Ende März gab es Aufregung um Chats des nunmehrigen Ex-ÖBAG-Chefs. "Du bist Familie", soll ihm Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) einmal geschrieben haben. Als die gesetzliche Grundlage für den neuen Job in der ÖBAG gegeben war, habe Blümel - damals Kanzleramtsminister - an Schmid geschrieben: "Schmid AG fertig". Antwort von Schmid: "Habe noch keinen Aufsichtsrat". Vor seiner Bestellung zum ÖBAG-Vorstand soll Schmid den Kanzler gebeten haben, ihn "nicht zu einem Vorstand ohne Mandate" zu machen. Die Antwort von Kurz: "Kriegst eh alles, was du willst."

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