© Eric Standop

freizeit Leben, Liebe & Sex
10/07/2020

Facereading: Wie man Gesichter richtig liest

Eric Standop, bekanntester deutscher Gesichtleser, über Masken-Mimik und Donald Trumps Teint.

von Julia Pfligl

Fremde Gesichter sind für ihn wie neue Bücher: Eric Standop, der in Karlsruhe geboren wurde und heute auf der ganzen Welt aktiv ist, gilt als einer der führenden Experten für Gesichtlesen und Antlitzdiagnostik – eine Methode, die etwa in der Medizin oder Kriminologie angewandt wird. Anhand von Mimik, Augenform, Falten und vielen anderen Merkmalen schließt der 53-Jährige auf Charaktereigenschaften, Talente oder Gesundheitsstatus. Heute erscheint sein neues Buch „Ich lese dich“ – dem KURIER erklärte er, warum seine Fähigkeiten im Masken-Zeitalter besonders gefragt sind.

KURIER: Im Alltag ist nun die Hälfte des Gesichts durch die Maskenpflicht bedeckt – wie kann man da Emotionen noch richtig deuten?

Eric Standop: Wenn wir einander auf der Straße begegnen, lesen wir einander nur flüchtig, aber natürlich schränkt die Maske ein. Das ist auch der Hauptgrund, warum viele ein Problem mit Verschleierung haben: Man hat das Gefühl, es wird einem die Hälfte der Information vorenthalten. Die Chance besteht darin, dass wir uns mehr auf Augen und Stirn fokussieren. Augen sind das Tor zum Gehirn: Alles, was sich im Gehirn abspielt, ist in den Augen ablesbar. Wenn zum Beispiel jemand ehrlich lächelt, sind immer die Augen beteiligt. Die Wangen schieben sich nach oben, die Ringmuskulatur um die Augen verengt sich, die Augen beginnen zu strahlen. Bei Ärger runzeln wir die Stirn, die Augenbrauen ziehen sich zusammen. Ein Mensch ohne Augenbrauen und Stirnfalten ist ganz schwer zu lesen.

Haben sich die Gesichter seit März verändert?

Die Gesichter an sich nicht, aber die Mimik: Ich meine erkannt zu haben, dass die Menschen seit Beginn der Pandemie mehr nach unten blicken, statt frei in die Welt hinauszuschauen. Man begegnet einander nicht mehr so viel in den Augen, nimmt weniger am Gesicht des anderen teil. Das bedeutet, dass im Moment eher Sorge und Angst regieren statt Vorwärtsgerichtetheit und Hoffnung. Daher würde ich mir wünschen, dass bei politischen Botschaften immer etwas Hoffnung mitschwingt.

Sie waren jahrelang als Topmanager in der Unterhaltungsindustrie tätig. Wie kommt man da auf die Idee, Gesichtleser zu werden?

Zunächst muss ich sagen, dass jeder von uns als Gesichtleser zur Welt kommt – wir verlernen es nur im Laufe der Jahre, weil Kinder ab einem gewissen Alter nur noch für Gehirnleistungen geschult und belohnt werden. Mit Mitte 30 hatte ich zwei Burn-outs, hab meinen Rucksack gepackt und bin abgehauen – eine Flucht vor dem Stress. Am Strand von Kapstadt saß ein alter, verlottert aussehender Mann, der Gesichter von Passanten las. Ich war schockiert, wie viel er über mich wusste, ohne mich zu kennen, und dachte mir: Ich weiß nicht, wie das funktioniert und warum, aber das will ich auch können.

Was entgegnen Sie Kritikern, die Facereading als Hokuspokus oder Esoterik abtun?

Gesichtlesen ist eine 3.000 Jahre alte Kulturtechnik, die schon viele Gelehrte beschäftigt hat, Hippokrates, Aristoteles, Goethe, Charles Darwin. Wir alle kennen den Satz: Du siehst nicht gut aus, bist du krank? Man muss wohl niemandem erklären, dass jemand, der gelb anläuft oder weiß unter den Augen ist, Leberprobleme hat. Wenn sich im Gesicht etwas verändert, ist im Leben irgendetwas passiert – um herauszufinden, was, müssen wir nur die Vokabel kennen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Menschen Angst davor haben, was man in ihren Gesichtern entdecken könnte.

Das leuchtet ein. Sie sagen, Sie können auch die Persönlichkeit vom Gesicht ablesen.

Beim Blick auf die Persönlichkeit können wir mehrere Merkmale zurate ziehen. Ein Beispiel sind die Pupillen: Menschen mit größeren Pupillen haben eine starke Auffassungsgabe für Farben und Formen, ein ausgeprägtes Gefühlsleben, sie leben eher visuell. Menschen mit kleineren Pupillen sind eher auf Zahlen und Fakten fokussiert, auf das Vergleichen von Strukturen. Da würde ich bei einem Auto nicht auf die Farbe eingehen, sondern sagen, der Wagen verbraucht nur 6,2 Liter und in drei Jahren liegen Sie immer noch in der Abgasnorm. Die Pupillengröße verändert sich unter dem Einfluss des Nervensystems.

Was lesen Sie im Gesicht von Donald Trump – auch, bevor er an Covid-19 erkrankte?

Ich denke, niemand glaubt, dass dieser Mensch kerngesund ist. Obwohl er Milliardär ist – zumindest behauptet er das – und sich die besten Solarien leisten kann, sieht man ihn häufig mit einer orangen Gesichtsfarbe und mit schneeweißen Unterlidschwellungen, die auf die so genannte Eisenspeicherkrankheit hindeuten könnten. Wenn man ständig Unterlidschwellungen hat, kann ein Teil der Entgiftungsorgane nicht mehr normal arbeiten. Das erklärt sein Verhalten für mich stärker, als wenn man psychologische Analysen anstellen würde.

In Ihrem neuen Buch widmen Sie ein ganzes Kapitel der Liebe. Worauf sollte man bei einem Date achten?

Ein deutliches Zeichen für Anziehung ist der so genannte Dreiecksblick, er verbindet die wichtigsten Merkmale im Gesicht: von einem Auge zum anderen, runter zum Mund und wieder zum Auge. Keiner heiratet eine Frau, weil ihre Ohrläppchen so schön sind – wir verlieben uns in Augen und Mund. Ich sage immer, Mund und Augen haben das letzte Wort, egal, wie schön der Rest ist. Ein gutes Zeichen beim Kennenlernen ist, wenn sich die Pupillengröße während eines Gesprächs vergrößert. Das deutet darauf hin, dass das Hormon Dopamin freigesetzt wird, was wiederum auf eine Zuneigung hindeutet. Wenn sich das Gegenüber auf die Unterlippe beißt, sollte man hingegen vorsichtig sein: Das bedeutet, dass man mit der Situation unzufrieden ist und den anderen loswerden möchte.

Info: www.readtheface.com

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