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freizeit Leben, Liebe & Sex
02/11/2021

Essen und Sex: Eine literarische Liaison, die Appetit macht

Aus der Verknüpfung von Genuss und Erotik entsteht der Stoff aus dem der Lesehunger ist. Ein paar Beispiele.

von Gabriele Kuhn

Iss nicht zu üppig, du könntest es später bereuen“, rät die grandiose Köchin G jenen Freundinnen, die vom „Neuen“ ins Restaurant eingeladen werden. Stimmt – mit vollem Magen ist schwierig vögeln. Und dennoch wird vor dem Sex oft grandios geschmaust – in der Realität genauso wie in der Literatur. Dazu ein herrlich-komischer Dialog aus „Männersache“ von Franz Xaver Kroetz, in dem ein gewisser Otto im Nebenzimmer einer „Kuttlerei“ von einer gewissen Martha empfangen wird, die ihn mit einem schönen Mahl umgarnt.

Otto: Eine Feierlichkeit ist das.

Martha: Wennst bei mir bist, sollst auch was davon haben. Da reut mich nix. Das ist ein Kaviar, kost zwei Mark achtzig, das Glasl.

Otto: Kaviar. Schmeckt wie Fisch.

Martha: Eier von eim Fisch sind das.

Otto: Kleine Eier …

Martha: Der legt Millionen solche Eier, der Fisch. Musst Butter drauf tun, dann kommst auf den Geschmack.

Otto: Wie bei die König.

Martha: Das ist gar nix. Im Geschäft kann man nix richten. Wennst einmal in meine Wohnung kommst, wirst schaun, was ich hinstell’.

Otto: In die Wohnung von einer Frau geh ich nicht, weil das was bedeut. Da ist auch schön, wennst nicht anspruchsvoll bist.

Martha: Iss.

Die Szene endet schließlich so: Martha tut es.

Otto: Anstellen tust Dich wie eine Jungfrau. In Deim Alter.

Martha: Bin es eben nicht so gewohnt wie Du.

Otto: Das ist die Natur. (auf ihr) Schön bist nicht, aber geil.

Sie lieben sich.

Gerade in der Literatur wird der Sex, wird die Erotik gerne mit Essen und Genuss angereichert. Wo Liebe, Verführung und Anziehung, dort der Hunger, die Gier, die Lust. Fressen und Gefressenwerden. Ilsebill salzte nach. Bevor gezeugt wurde, gab es Hammelschulter zu Bohnen und Birnen …, heißt es etwa in „Der Butt“ von Günter Grass. Manuel Vázquez Montalbán, Schöpfer des Detektivs Pepe Carvalho (ein leidenschaftlicher Koch), widmete seiner Romanfigur ein Rezeptbuch. Darin verrät er, wie ein Mann bei seiner Angebeteten alle Sinne zum Klingen bringt: Um möglichst unmoralisch zu sein, gibt es kein besseres Mittel als zwei ultimative Genüsse wie gut Essen und gut Lieben miteinander zu verbinden. Montalbán rät: Zuerst kochen, dann die Früchte der Liebe oder der Sexualität kosten. Rustikaler: ... zuerst die Topfdeckel, dann die Röcke heben.

Dafür serviert er Rezepte wie „Gefüllte Feigen syrische Art“, weil die getrocknete Feige förmlich danach ruft, gefüllt zu werden. Oder „Schweinezungen in Granatapfelsauce“, wegen des lustvollen Wortklangs der Zunge. In Martin Suters Roman „Der Koch“ spielt kulinarische Verführung ebenfalls eine Rolle. Seine Figur Maravan verarbeitet ayurvedische Mittel zur Lusterregung und macht Eislutscher daraus. Zum Thema „Liebe und Essen in der Literatur“ heißt es in „Epikur, Journal für Gastrosophie: Essen ist häufig ein sozialer Akt und Teil einer zwischenmenschlichen Beziehung, Verschmelzen und Trennen sind dominante Konzepte in kulinarischen wie erotischen Diskursen, ebenso haben Phantasmen vom Verschlingen und Verschlungenwerden Bezüge zu Essen und zu Sexualität. Ich mag folgenden Gedanken von Montalbán sehr: Ich verstehe meine unmoralischen Rezepte als Steigbügel einer neuen Ungezwungenheit. Guten Appetit!

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